Jetzt auch in Ratingen: Babyschreiambulanz

Werbung

Ratingen. Besonders in den ersten Lebensmonaten weinen die meisten Babys relativ viel. „Schreibabys“ sind jedoch Säuglinge, die nach Expertenmeinung mehr als drei Stunden am Tag an mehr als drei Tagen und mehr als drei Wochen lang schreien. Mit dem Wissen, welche Teufelskreise zwischen Eltern und Kind dabei entstehen können, wird zum 1. Februar eine Babyschreiambulanz in Ratingen eröffnet.

Das Ratinger Netzwerk Frühe Hilfen bietet mit seiner Babyschreiambulanz nun den Eltern Unterstützung  an. Sie wird ein umfangreiches Behandlungs- und Beratungsangebot für Eltern mit Kindern anbieten, die durch exzessives Schreien, motorische Unruhe und massive Schlaf- und Ernährungsstörungen auffallen.

Die Babyschreiambulanz wird einmal wöchentlich mittwochs von 16 bis 18 Uhr in der städtischen Kindertageseinrichtung Oststraße 10 angeboten. Erstmals am Mittwoch, 6. Februar.

Die Anmeldung erfolgt über die Psychologische Beratungsstelle, Philippstraße 21, Telefon 02102/550-5160, von montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr.

Den Ratsuchenden stehen jeweils zwei Beraterinnen aus dem Netzwerk Frühe Hilfen zur Verfügung. Dieses Beraterinnenpaar besteht aus einer Familienhebamme und einer Sozialfachkraft mit einer therapeutischen Weiterbildung. Elke Harder (freiberufliche Familienhebamme) und Elisabeth Weiss (Psychologische Beratungsstelle) arbeiten im Wechsel mit Christiane Schnurr (freiberufliche Familienhebamme) und Lisa Walkembach (Diakonie im Kirchenkreis Mettmann) in der Babyschreiambulanz arbeiten.

Besonders in den ersten Lebensmonaten weinen die meisten Babys relativ viel. Die sogenannten „Schreibabys“ sind jedoch jene übermäßig untröstlichen, schreienden, unruhigen Säuglinge, die nach Expertenmeinung mehr als drei Stunden am Tag an mehr als drei Tagen und mehr als drei Wochen lang schreien. Diese Babys lassen sich weder durch Stillen noch durch Tragen, Schaukeln, Singen oder Wickeln beruhigen. Sie weinen so ausdauernd und untröstlich, dass die Eltern nicht mehr wissen, wie sie ihrem Kind helfen sollen.

Die andauernde Erfahrung, sein Baby nicht beruhigen oder trösten zu können, löst bei vielen Menschen – auch bei Großeltern und Babysittern – starke Gefühle von Verzweiflung, Versagensängsten, Enttäuschung über die eigene Unzulänglichkeit und manchmal  auch Zorn und Wut aus.

Permanent schreiende und schlecht schlafende Babys stellen eine extreme Belastung für Familien dar. Je mehr das Baby untröstlich schreit, desto angespannter werden die Eltern. Nicht selten entsteht daraus ein Teufelskreis, denn stark angespannte, nervöse Eltern übertragen ihre eigene Unruhe auf das Kind. Die Gefahr, dass Eltern schnell an ihre Grenzen geraten und die Nerven verlieren, ist dadurch stark erhöht. Die im Jahr 2018 gestartete die Kampagne „Niemals schütteln! – Wenn Babys nicht aufhören zu schreien“ des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen geht anschaulich auf diese Entwicklung ein.

In Deutschland wurde die erste Babyschreiambulanz 1991 im Kinderzentrum München eröffnet. Im Umfeld von Ratingen gibt es Babyschreiambulanzen in Duisburg, Essen und Düsseldorf. Im Kreis Mettmann steht ein solches Angebot nicht zur Verfügung.

Jeweils zehn Prozent der Säuglinge eines Jahrgangs werden als „echte“ Schreibabys eingestuft. Manche Experten sprechen sogar von 20 Prozent. Bei einer Rate von 800 Geburten pro Jahr in Ratingen kann man daher davon ausgehen, dass zwischen 80 und 160 Ratinger Familien mit einem Schreibaby leben.

Das Netzwerk Frühe Hilfen Ratingen ist ein Zusammenschluss von Fachleuten der Gesundheits- und Jugendhilfe. Die Netzwerkkoordination liegt beim Jugendamt.

Stellten das neue Behandlungs- und Beratungsangebot „Babyschreiambulanz“ vor (sitzend von links): Elisabeth Weiss (Psychologische Beratungsstelle), Familienhebamme Elke Harder, Sören Lutz (Chefarzt Kinder- und Jugendmedizin, Helios Klinik Niederberg), Familienhebamme Christiane Schurr, Lisa Walkembach (Diakonie im Kreis Mettmann) und stehend (von rechts) Barbara Sorgnitt und Sabine Klocke (beide Jugendamt Ratingen). (Foto: Stadt Ratingen)

Werbung