Integrationspreis NRW für Tischlerei HMM

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Düsseldorf/Erkrath. Der Anruf kam im November 2019. Ziaolhaq Qamarzadah, ein geflüchteter junger Mann aus Afghanistan, kontaktierte Rex Michael Mähr, den Willkommenslotsen der Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf. Qamarzadah suchte eine Ausbildung zum Tischler. Er hatte Abitur und hervorragende Deutschkenntnisse, war aber als Flüchtling nur geduldet. Heißt: Damit ein Beschäftigungsverhältnis zustande kommen kann, müssen die Ausländerbehörde und die zuständige Agentur für Arbeit zustimmen. Und natürlich erst einmal ein Betrieb gefunden werden, der sich auf das Projekt Duldung qua Ausbildung einlässt. Rex Mähr lud Ziaolhaq Qamarzadah zu einem Gespräch ein und erstellte mit dem jungen Afghanen die Bewerbungsunterlagen. Parallel telefonierte er seine Kontakte ab und kam so zu Ernst Wetzel Senior von der Firma HMM in Erkrath. Der Beginn einer erfolgreichen, wenn auch sehr schwierigen, nervenaufreibenden Zusammenarbeit.

Die Tischlerei HMM Holz- und Metallmöbel GmbH, eine hundertprozentige Tochterfirma von TEAM 77, fertigt individuelle und hochwertige Inneneinrichtungen für Arzt- und Zahnarztpraxen an – bundesweit und im gesamteuropäischen Raum. In Zusammenarbeit mit der Mutterfirma TEAM 77 und begleitender Betreuung durch deren Innenarchitekten wie Planern entstehen ständig neue Produkte im Stil der Zeit mit funktionalen Praxis- und Labormöbeln sowie modernem Innenausbau. Ein junges, multikulturelles Team von Meister, Gesellen und Lehrlingen unter der Leitung von den Gesellschaftern und Geschäftsführern Arno und Carsten Wetzel führt das Unternehmen innovativ in die Zukunft. Der 86-jährige Seniorchef ist aber immer noch der Lenker im Hintergrund – besonders wenn es um heikle personelle Angelegenheiten geht. So wie im Fall des Flüchtlings Ziaolhaq Qamarzadah.

Das Unternehmen war sofort bereit, alles zu tun, damit der junge Mann nicht abgeschoben wird und in ein Beschäftigungsverhältnis übernommen werden kann. Rex Mähr war der „Mittelsmann“ zwischen dem Betrieb und der Ausländerbehörde. Ernst Wetzel setzte sich mit großer Ausdauer dem „Papierkram“ aus, der in einem solchem Fall erledigt werden muss. Mähr nutzte seinen guten Kontakt zur Ausländerbehörde Düsseldorf, um das Verfahren zu beschleunigen. Es war ein sehr schwieriges Unterfangen, bis Ziaolhaq Qamarzadah die Ausbildungsduldung hatte – fast sechs Monate hat das Prozedere gedauert. Im April 2020 – mitten im ersten Corona-Lockdown – konnte der Flüchtling zunächst als Helfer bei HMM anfangen. Im August folgte dann der Einstieg in die Lehre – und in ein Leben in Sicherheit.

Der Betrieb ist begeistert von seinem neuen Nachwuchs. In der Berufsschule gibt es keine Probleme. Der junge Afghane integriert sich hervorragend in das Team. Aktuell arbeitet er schon im Planungsbüro der Firma mit. Sollte alles weiter so gut laufen, ist eine Übernahme nach der Gesellenprüfung fest eingeplant. „Eine Integration wie im Bilderbuch“, so Kammerpräsident Andreas Ehlert in seiner Laudatio. Der Integrationspreis wird alle zwei Jahre von den sieben Handwerkskammern in NRW und dem WHKT verliehen. Eine zentrale Veranstaltung, zu der alle ausgezeichneten Handwerksbetriebe eingeladen werden, war in diesem Jahr leider nicht möglich. Daher nahmen die Handwerkskammern die Preisverleihung jeweils in ihrem Bezirk vor.

Kammerpräsident Andreas Ehlert (von links), Ernst Wetzel Senior und Rex Michael Mähr (Foto: Hans-Jürgen Bauer)

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