Horst Brink: ein Fußballrückblick

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Tiefenbroich. Aan diesem Mittwoch triff die deutsche Fußballnationalmannschaft auf Ungarn. Für viele ältere Deutsche weckt dieses Aufeinandertreffen besondere Erinnerungen. Deutschland besiegte den Favoriten Ungarn in Bern mit 3:2. Horst Brink blickt in seinem Bericht zurück auf den Fußball im Nachrkiegsdeutschland. Der Lintorfer veröffentlicht seinen Text gerne.

„Heute möchte ich ihnen und im Besonderen den jungen Lesern, die diese schweren Zeiten ja Gottseidank nicht miterlebt haben, von der schwierigen Phase des Fußballs nach Ende des Zweiten Weltkrieges berichten. Also habe ich mich schlau gemacht, teils in der Literatur, teils im Internet, es fließen aber auch persönliche Erinnerungen an diese Zeit mit ein, um es möglichst authentisch wiederzugeben. Es können aber jeweils nur Stationen dieser Zeit beleuchtet werden. Zu reichhaltig ist das gesichtete Material und kann daher nur auszugsweise Verwendung finden.

Fußballspiele fanden in unregelmäßigen Abständen noch bis kurz vor Kriegsende statt. Das letzte Länderspiel wurde 1942 ausgetragen. Nach der Kapitulation am 8.Mai 1945 verboten die Alliierten zunächst in allen vier Zonen sämtliche Organisationen und Sportverbände. Die Funktionäre hingegen behaupteten, dass ihr Sport unpolitisch gewesen sei und nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt habe. Es ist unbestritten, dass viele dieser Personen aber wieder in Amt und Würden kamen und alte Verbindungen und Strukturen wieder entstanden.

Bereits im Herbst 1945 konnten die meisten Fußballvereine ihren Betrieb wieder aufnehmen, unter erschwerten Bedingungen. Viele Spieler waren noch nicht aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, viele waren gefallen. Bälle und Trikots waren Mangelware. So mancher bekannte Verein fuhr gern „über’s Land“, wo man für „Naturalien“ spielte. 

Der Sport, insbesondere der Fußball, wurde für viele überlebende Sportler zu einem Halt, inmitten der Katstrophengesellschaft von 1945. Die Entwicklung des Fußballs in der Sowjetzone wurde von der SED maßgeblich beeinflusst. Man strebte eine einheitliche Sportbewegung an „die unter Führung klassenbewusster Arbeiter, mit klarer antifaschistisch-demokratischer Zielsetzung stehen sollte“.

In den Folgejahren wurden im Westen die alten Ligen eingeführt und 1950 der DFB neu gegründet. Die FIFA nahm im gleichen Jahr den DFB wieder auf. Das erste Länderspiel gegen die Schweiz am 22. November 1950 wurde in Stuttgart vor 115.000 Zuschauern 1:0 gewonnen.

Die süddeutsche Oberliga führte bereits 1948 den Status des „Vertragsspielers“ ein, der ein Gehalt von 150 bis 320 DM im Monat vorsah. In West- und Norddeutschland gab es eine Forderung nach Einführung von „Berufsspielern“, die jedoch erst 1963, mit Einführung der Bundesliga verwirklicht wurde.

Beim WM-Ausscheidungsspiel gegen das Saarland 1953/54 gab es ganz andere Schwierigkeiten. Die Bundesrepublik Deutschland lehnte die saarländische Eigenständigkeit ab und fürchtete dass Hissen der saarländischen Flagge und Abspielen der Hymne. Es könnte als indirekte Anerkennung interpretiert werden. Man einigte sich darauf, dass beide Mannschaften auf ihre nationalen Symbole verzichten.

1954 wurde Deutschland Weltmeister. Die „Helden von Bern“ gaben dem Land neues Selbstbewusstsein. Wir waren wieder wer. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands trat der DDR-Fußballverband DFV im November 1990 dem DFB bei. Seither sind wir wieder ein einig Fußballland.“

Horst Brink  

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