Historisch: Zapfenstreich in der Annakirche

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Lintorf. „Ich kann auch noch mal die Kirche öffnen“, sagte Dechant Benedikt Zervosen zu Schützenchef Andreas Preuß, als Musiker, Schützen und Besucher beim Zapfenstreich auf dem Marktplatz vor dem Wolkenbruch unter die wenigen Bäume flüchteten. Kaum war die Kirche wieder aufgeschlossen, bot der Geistliche an: „Wir können den Zapfenstreich auch hier in der Kirche spielen.“ Während der Schützenchef noch zögerte, nahm Oberst Achim Schultz das Angebot an und entschied: „Zapfenstreich und Nationalhymne in der Kirche.“

„Eine wahnsinns Stimmung“, sagte eine Besucherin nach dem ungewöhnlichen Erlebnis. „Ich hatte Gänsehaut“, sagte ein anderer Lintorfer.

Hans Lumer, Ehrenchef der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lintorf 1464, konnte sich an keine ähnliche Situation bei einem Schützenfest seit dem Zweiten Weltkrieg erinnern.

Bruderschaftskönig Joachim Wehmeyer wagte den Vergleich mit 1954: „An diesen Abend werden sich die Lintorfer auch noch in 50 Jahren erinnern.“ Damals, 1954, stand die Kirmes samt Schützenzelt unter Wasser. Nach heftigen Regenfällen war der Dickelsbach über die Ufer getreten.

Begonnen hatte der Samstagabend wie immer. Die Schützen traten auf der Krummenweger Straße an und zogen zum Festgottesdienst in die Annakirche. Anschließend folgte die Totenehrung am Ehrenmal auf der Drupnas.

Dann stellten sich die Schützen zum Platzkonzert mit Großem Zapfenstreich auf dem Marktplatz auf. Zahlreiche Zuschauer warteten gespannt auf die Musik. Der Schützenchef stellte die Majestäten vor, ließ sich aber durch die ersten Tropfen aus dem Konzept bringen. Statt, wie geplant, etwas zu den Spielmannszügen und den Märschen zu sagen, ließ er die Musiker sofort spielen.

Schon bei den ersten Takten öffnete der Himmel seine Schleusen. Während Zuschauer und Schützen unter Bäumen und Vordächern Schutz suchten, waren die Musiker des Tamboucorps Lintorf, des Tamboucorps Ratingen und des Musikvereins Stein in wenigen Sekunden bis auf die Haut nass. Oberst Achim Schultz tat das einzig richtige, er brach das Platzkonzert ab.

Dankbar nahm er schließlich das Angebot des Präses der Bruderschaft, Dechant Zervosen, an, den Zapfenstreich in der Kirche zu spielen. Natürlcih passten nicht alle Lintorfer in die Annakirche. Aber die, die noch einen Platz ergatterten, waren hinterher begeistert. Die Akustik in der Kirche war einfach fantastisch. Ein wohl wahrhaft historisches Erlebnis.

In der Zwischenzeit hatte der zweite Chef der Bruderschaft, Andreas Nieß, mit dem Feuerwerker gesprochen. Der versuchte beim Flughafen die Genehmigung zu erhalten, das Feuerwerk um eine Viertelstunde vorziehen zu können. Denn ab 22 Uhr sollte der nächste Regen kommen. Der Flughafen gab grünes Licht. Das Feuerwerk, gestiftet von den beiden Lintorfer Unternehmen BuK und RPK Media, konnte abgefeuert werden.

Die Stimmung im Festzelt war anschließend super. Niemand ging nach Hause. Das verhinderte schon der andauernde Regen. Schützenchef Preuß hofft, dass nach diesem Unwetter wenigstens der Schützenzug am heutigen Sonntag vom Regen verschont bleibt. Im vergangenen Jahr war der Schützenzog wegen sintflutartiger Regenfälle ausgefallen.

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