Heimatblätter Social Media von damals

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Hösel. Heute wirken sie wie Relikte aus einer vergangenen und überwunden geglaubten Zeit, die Heimatblätter der deutschen Vertriebenen und Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch ein Projekt mit der Deutschen Digitalen Bibliothek konnten diese Medien nun vollständig digitalisiert werden und stehen auf einer Plattform für Recherche samt OCR-Funktion (Stichwortsuche) zur Verfügung.

Nach dem schrecklichen Schicksal von Heimatverlust schlossen sich die Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostprovinzen, so auch die Oberschlesier, zu Landsmannschaften und Heimatkreisgemeinschaften zusammen. Um die Menschen über die Verbandsarbeit aber auch die Entwicklungen in der Heimat zu informieren entstanden in Westdeutschland um 1949/1950 die ersten Heimatbriefe und Heimatzeitungen (Heimatblätter).

„Für viele Vertriebene und Flüchtlinge von damals waren es die wichtigsten Informationsplattformen. Es ging unter anderem auch darum, zu sehen: Wer lebt, wen kenne ich noch? Was passiert in der Heimat? Man war in der Fremde und suchte selbstverständlich Schicksalsgefährten aus dem Umkreis seines heimatlichen Wohnortes“, erklärt Projektbeauftragter Marton Szigeti vom Oberschlesischen Landesmuseum.

Damals habe man kaum andere Möglichkeiten der Information gehabt. „Es ist schrecklich, zu sehen, dass heute wieder ein Krieg mitten in Europa tobt. Menschen werden ihrer Heimat beraubt. Wenn wir in die Ukraine schauen werden Erinnerungen an damals wach, auch wenn natürlich heute die Vertriebenen und Flüchtlinge andere Möglichkeiten haben sich zu informieren und Kontakt zu halten. Heute übernehmen das Internet und bestimmte Gruppen in den Sozialen Medien die Funktion der Heimatblätter“, sagt Stiftungsvorsitzender Sebastian Wladarz.

Die Heimatblätter seien heute wichtige Dokumente. Als „Sprachrohre der Heimatgemeinschaften“ sind sie wichtige Quellen über die Zeit nach der Flucht und Vertreibung der Deutschen. Sie drücken aus, was die Menschen damals fühlten, was sie umtrieb, welche Sorgen und Nöte sie hatten. Sie offenbaren auch die Folgen eines schrecklichen Krieges. „Deshalb ist es wichtig, dass wir nun diese Quellen auf einer digitalen Plattform für Zwecke der Recherche zum Beispiel Schülern und Studenten zur Verfügung stellen können. Das Thema ist aktueller denn je“, ergänzt Wladarz. Im Übrigen seien die Heimatblätter, genauso wie die Heimatstuben Teil der Erinnerungskultur an Flucht und Vertreibung. Die Digitalisierung sei enorm wichtig für die Wissensvermittlung im Rahmen der historisch-politischen Bildung.

Bislang lagen die Oberschlesischen Heimatblätter überwiegend in analoger Form vor. Die Stiftung Haus Oberschlesien beteiligte sich erfolgreich am Bewerbungsverfahren für Digitalisierungsprojekte aus Deutschland. Mit dem Ziel, das digitale Erbe im Internet weiter auszubauen, erhielt die Stiftung Fördermittel, um 100.000 Seiten Zeitschriften und Zeitungen mit Bezug zur oberschlesischen Region zu digitalisieren, sowie eine Präsentationsplattform aufzubauen.

„Auf dieser Basis ist ein uneingeschränkter kostenloser Zugang über das Portal der Deutschen Digitalen Bibliothek geschaffen worden, der nachhaltig ein Stück der Bundesrepublikanischen Vertriebenengeschichte zugänglich macht“, sagt der Projektbeauftragte Marton Szigeti. Dank der Förderung durch „Neustart Kultur“ sei es möglich gewesen, in diesem ersten Schritt 99.924 Seiten Heimatblätter, Magazine und Zeitungen in Absprache mit den ehemaligen Verlegern und Herausgebern digital zu veröffentlichen. Insgesamt seien nun 275 Jahrgänge mit 5458 Einzelausgaben gescannt und verarbeitet.

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Foto: OSLM