Haus Oberschlesien erinnert an Kriegszustand in Polen

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Hösel. Mit der Ausrufung des Kriegszustandes begann der letzte und blutigste Versuch der kommunistischen Diktatur in Polen, ihre Macht zu festigen und die Freiheitsbewegung rund um die Solidarność” zu unterdrücken. In der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 1981 liefen die Vorbereitungen für die Machtübernahme durch das Militär an. Nicht zufällig wurde ein Sonntag gewählt, denn in den meisten Betrieben stand die Arbeit still. Dennoch wurde mit Streiks und Protesten gerechnet, insbesondere im Herzen der wichtigsten Industrieregion Polens, der oberschlesischen Wojewodschaft Kattowitz.

So kam es dann auch. In zahlreichen Betrieben der Region legten die Beschäftigten ihre Arbeit nieder. Auf Zeche Wujek in Kattowitz protestierten streikende Bergleute ab dem 13. Dezember 1981 auf dem Betriebsgelände gegen die Ausrufung des Kriegsrechts. Drei Tage später kam es hier zur blutigsten aller Protestniederschlagungen. Die Staatsmacht setzte gegen die Bergleute Panzer, Kampfwagen, die Armee und Sondereinsatzkräfte der Miliz ein. Um etwa 12:30 Uhr schritt die mit Maschinenpistolen bewaffnete Sonderabteilung der Miliz (ZOMO) ein und eröffnete gezielt das Feuer auf die Streikenden. Sechs Kumpel verloren sofort ihr Leben, weitere drei verstarben im Krankenhaus. Noch am gleichen Tag wurde der Streik beendet.

An der Stelle des Massakers erinnern heute ein Kreuzdenkmal und ein Dokumentationszentrum an die Opfer. Dieses hat der nordrhein-westfälische Europaminister Stefan Holthoff-Pförtner (links) in Begleitung des Vorsitzenden der Stiftung Haus Oberschlesien, Sebastian Wladarz (Mitte), bei seinem Besuch in Oberschlesien im Jahre 2019 besichtigt.

Die Stiftung Haus Oberschlesien und das Oberschlesische Landesmuseum erinnern zum 40. Jahrestag an die Ausrufung des Kriegszustandes und die tragischen Ereignisse im Bergwerk Wujek in Kattowitz. Am 22. September 2021 soll es hierzu eine Veranstaltung mit Referenten aus Oberschlesien und Zeitzeugen geben. Im Vorfeld dieser Veranstaltung bietet die Stiftung schon einmal die deutsche Fassung des Buches „Wujek ’81 – Der Streik und seine Niederschlagung“ an. Auch dieses wurde vom Kulturreferenten der Stiftung, David Skrabania, ins Deutsche übersetzt.

„Mit dem Kriegszustand verbinden viele Oberschlesier eine eigene Geschichte, auch ich. An diesem Tag sind meine Großeltern nach Westdeutschland ausgereist. Meine Eltern und ich wurden, wie andere auch, per Bahnhoflautsprecher angewiesen, sich nach Hause zu begeben”, erinnert sich Wladarz. Es seien einschneidende Ereignisse gewesen, an die man erinnern müsse. „Die deutsche Fassung des Buches ist aber sicherlich nicht nur für Oberschlesier interessant”, glaubt Sebastian Wladarz. Nach der Ausrufung des Kriegszustandes habe es aus Deutschland eine spontane Hilfsaktion gegeben, die in die Geschichte eingegangen ist.

Das Buch kann für 15 Euro bestellt werden unter info@oslm.de oder Telefon 02102/965256/356.

NRW- Europaminister Dr. Stefan Holthoff-Pförtner und Sebastian Wladarz beim Besuch des Oberschlesischen Zentrums der Freiheit und Solidarität in Kattowitz (Foto: privat)

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