Grillo-Theater: Max Frischs „Biografie: Ein Spiel“

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Essen. „Wenn ich noch einmal anfangen könnte, ich wüsste, was ich anders machen würde!“ – Die Zeit zurückdrehen und mit dem Wissen von heute noch einmal von vorne beginnen, das ist die Ausgangssituation in „Biografie: Ein Spiel“. Max Frischs theatrale Versuchsanordnung feiert am Freitag, 12. Oktober, ab 19:30 Uhr im Essener Grillo-Theater Premiere. Unter der Regie von Thomas Ladwig spielen Stefan Migge und Silvia Weiskopf (Spielleiter) sowie Jens Winterstein (Hannes Kürmann). Der Eintritt bei der Premiere kostet 14 bis 37 Euro. Nächste Aufführungen sind am 17. Oktober, 3., 4. und 15. November. Karten gibt es  unter Telefon 0201/81 22-200 oder online im Schauspiel Essen.

Hannes Kürmann, Professor für Verhaltensforschung, bekommt jene Chance, von der wohl jeder schon einmal geträumt hat: Zwei „Spielleiter“ lassen ihn die zentralen Momente seiner Biografie erneut erleben – mit der Möglichkeit, sie nachträglich zu verändern. Die vielleicht folgenschwerste Fehlentscheidung seines Lebens scheint Kürmann die Ehe mit seiner Frau Antoinette gewesen zu sein, die er nun mit aller Macht zu verhindern sucht. Gleich ihre erste Begegnung hätte vermieden werden müssen, die erste gemeinsame Nacht sowieso, und niemals, niemals hätte Kürmann sich verlieben dürfen! Doch die Korrektur seiner Vita fällt ihm schwerer als gedacht. Immer wieder fällt er zurück in alte Verhaltensmuster und emotionale Verstrickungen, scheitert und versucht es erneut: „Ich weigere mich zu glauben, dass unsere Biografie, meine oder ihre, oder irgendeine, nicht anders ausgehen könnte. Vollkommen anders. Ich brauche mich nur ein einziges Mal anders zu verhalten …“

1967 schrieb Max Frisch die erste Version des Stückes, von dem er später sagen sollte, er habe es „als Komödie gemeint“. Jahre später, 1984, legte er eine neue Fassung vor, die den Spielcharakter noch augenscheinlicher werden ließ und die jetzt im Grillo-Theater zu sehen sein wird: In einem „Spiel im Spiel“ wird das Leben Kürmanns den Bedingungen des „Was-wäre-wenn?“ wie auch des „Was-wäre-wenn-nicht?“ unterzogen und auf ihre jeweiligen Veränderungspotenziale hin überprüft. Im Mittelpunkt steht dabei immer die existenzielle Frage nach der individuellen Freiheit des Menschen: Haben wir bei unseren Lebensentscheidungen wirklich die freie Wahl? Und sind wir bereit, die daraus resultierende Verantwortung zu übernehmen?

Foto: Birgit Hupfeld

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