Göttliche Welten – Glaubensbilder aus 4000 Jahre

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Düsseldorf. Die Faszination vergangener Kulturen und ihrer vielseitigen Glaubensvorstellungen ist bis heute ungebrochen. Mystische Kreaturen, wohlwollende Gottheiten und fürchterliche Dämonen ziehen sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte. Die bildliche Darstellung des Glaubens in Form von Zeichen schuf eine eigene religiöse Symbolik. In Kooperation mit den Düsseldorfer Dominikanern beleuchtet das Hetjens – Deutsches Keramikmuseum in seiner neuen Sonderausstellung „Göttliche Welten – Glaubensbilder aus 4000 Jahren“ bis zum 10. Januar 2021 anhand zahlreicher ausgewählter Objekte polytheistischer und monotheistischer Religionen den Ausdruck von Glaubensvorstellungen aus 4000 Jahren Menschheitsgeschichte. Neben ausgewählten Leihgaben aus dem Römisch-Germanischen Museum in Köln sowie aus Privatbesitz werden zudem Kunstwerke aus dem Kirchenschatz von St. Andreas in der Ausstellung präsentiert.

Religiöse Vorstellungen sind in zahlreichen Kulturen essentiell für die Bildung einer gemeinsamen Identität. Ein Gründungsmythos, eine aktive „Erschaffung der Welt“, bringt etwa eine Daseinsberechtigung mit sich, die von den frühen Hochkulturen bis heute nicht an Bedeutung verloren hat. Anhand religiöser Schriften sowie mythologischer Überlieferungen wurden zudem gesellschaftsrelevante Moralvorstellungen etabliert, die nicht nur fest mit dem Glauben verbunden sind, sondern auch den Umgang der Menschen untereinander definieren.

Ausschlaggebend scheinen immer die gleichen Fragen zu sein: „Woher kommen wir?“, „Welche Mächte leiten uns?“ und „Was erwartet uns nach dem Tod?“. Diese grundlegenden Leitgedanken bilden ein verbindendes Element aller Religionen und Glaubenswelten.

Ein Leben nach dem Tod
Die Vorstellung von einem Leben nach dem Tod äußert sich nicht nur in den Bestattungsriten, sondern auch anhand der Grabbeigaben, die den Verstorbenen für das Jenseits hilfreich zur Seite gestellt wurden. Im Alten Ägypten waren es unter anderem die „Uschebti“, kleine Dienerfiguren, die meist aus Ton gefertigt bei Bedarf für die Verstorbenen die Arbeit verrichten sollten. In China wurden während der Tang-Dynastie (617-907) unter dem Einfluss des Buddhismus Beigaben keramischer Modelle von Nutztieren und Dienern zur Norm, deren Herstellung eine serielle (in Modeln gefertigte) Produktion mit sich brachte. In diesem Aspekt liegt nicht zuletzt auch ein sehr humaner Ansatz – durch die serielle Produktion standen die Keramikfiguren möglichst vielen Menschen im Jenseits helfend zur Hand.

Darstellung der Götter und Göttinnen
Zum Ausdruck des Glaubens gehört bei vielen Kulturen auch die bildhafte Darstellung der Götter und Göttinnen, die häufig menschliche Züge aufweisen. Besondere Merkmale – wie ein Tierkopf oder körperliche Verformungen – verdeutlichten, dass der Abgebildete übernatürliche Kräfte besaß. In manchen Religionen werden zum Ausdruck des Göttlichen nur Symbole eingesetzt. Der Buddhismus war zu Beginn anikonisch, später legte ein Kanon 32 äußere Merkmale fest, zu denen eine Erhebung am Hinterkopf („Ushnisha“) als Ausdruck der Weisheit Buddhas sowie als Zeichen, dass Buddha alles sieht, die Urna als das „dritte Auge“, gehörten.

Heldenepen
Die Heldenepen der griechischen und römischen Mythologie standen Pate für bildliche Darstellungen, die auf kostbaren Keramiken von den Heldentaten zeugen. Auch heute noch ist die Vorstellung von einem Helden, der unerbittlich für das Gute kämpft und dabei kühn und unbesiegbar ist, für viele sehr verlockend. Im Christentum – mit Ausnahme der reformierten Kirche – verlagert sich der Schwerpunkt auf Märtyrer und Märtyrerinnen, die für ihren Glauben sterben und heiliggesprochen werden. Sie werden als wichtige Mittler zwischen Gott und den Menschen gesehen und sollen so als Vorbilder für Glaubensfestigkeit stehen. Die Ausführung der Heiligenfiguren in Keramik ist dabei besonders vielseitig. Die Gläubigkeit der Menschen zeigte sich in edlem Porzellan genauso wie in einfachem Pfeifenton.

„Heilige“ oder geweihte Orte
Eine weitere Gemeinsamkeit innerhalb des vielfältigen Glaubenskosmos der Menschheit bilden „heilige“ oder geweihte Orte, an denen die Verehrung des Göttlichen durchgeführt wird. Meist entstand ein eigener architektonischer Kanon, der das Aussehen der Architekturen bestimmt. Die Gestaltung und die Ausstattung von Tempeln, Kirchen oder auch Schreinen spiegeln immer auch den religiösen Ausdruck der jeweiligen Glaubensgemeinschaft wider. Durch Weiheinschriften belegten die Stifter im alten Mesopotamien ihren wohltätigen Dienst an dem jeweiligen Gott. Ausgewählte Teile der Ausstattung der Kölner Synagoge, die im Pogrom von 1349 zerstört wurde, zeugen hingegen von der eindrucksvollen Größe der Bima, von der aus die Lesung aus der Tora während des Gottesdienstes durchgeführt wurde.

Museumsdirektorin Daniela Antonin (links), Pater Elias H. Füllenbach sowie Kuratorin Christina Kallieris in der neuen Sonderausstellung vor (Foto:  Landeshauptstadt Düsseldorf/Wilfried Meyer)

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