Gerangel ums kühle Nass

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Lintorf. Die Hitzewelle hat ganz Deutschland fest im Griff. Glücklich, wer da nicht weit entfernt von Schwimmbad, Badesee oder gar Meer wohnt und sich immer mal wieder eine kleine Abkühlung gönnen kann. Unsere drei unterschiedlich alten Kälber hatten die mögliche Abkühlung direkt vor ihrer Nase – die große Rinzena, einer der unzähligen Wasserwege im Spreewald. Während ihnen jedoch der Zugang zum Wasser durch einen  Zaun verwehrt blieb, konnten wir unser Kanu direkt von der Ferienhausterrasse ins Wasser gleiten lassen und uns bei größter Hitze ein wenig abkühlen, indem wir die Füße ins kalte Wasser hielten.

Berta, Nele und Alma, so haben wir unsere drei Lieblinge genannt, standen uns dabei auf der anderen Seite gegenüber und schauten unserem Treiben grimmig zu. Jedenfalls haben wir ihren Blick so empfunden, vielleicht wegen unseres schlechten Gewissens. Schließlich mussten wir nur an den Kühlschrank gehen, um uns ein gut gekühltes Wasser einzuschenken. Unser Trio aber musste sich die Tränke mit 20 weiteren Tieren teilen.  Rund 60 Liter Wasser trinkt eine junge Kuh im Durchschnitt und geht dafür zwischen sechs und zehn Mal an die Wassserbar.

Für zehn Liter Wasser benötigt sie etwa eine halbe Minute. In unserem Fall dauerte es aber etwas länger, da sie mit dem Kopf die Hubfunktion eines Hebels in Gang setzen musste, um Wasser in die Auffangschale zu pumpen. Da ist es kein Wunder, dass bei über 32 Grad Celsius kleine Kämpfe um den Zugang zu dem kühlen Nass entbrannten, wenn das Warten dann doch zu viel wurde.

Im Großen und Ganzen blieben die Tiere aber friedlich und beließen es bei mehr oder weniger heftigen Stößen mit dem Kopf. Trotz tagelanger Beobachtung ist uns die Rangfolge bei der Wasseraufnahme nicht ersichtlich geworden. Es gab Tiere, die standen immer geduldig wartend in der Schlange, solche, die direkt auf die Tränke zuliefen und nicht einmal mit der Wimper zucken mussten, um vorgelassen zu werden. Andere wiederum verscheuchten die Trinkende, nahmen einen Schluck, stellten sich provokant mit dem ganzen Körper vor die Tränke und versperrten allen anderen den Weg. Ein, zwei stämmigere Exemplare trauten sich dann, die Konfrontation anzugehen und den Zugang zum Wasser wieder frei zu machen. Ein Schelm, der beim Anblick dieser Rangeleien an die langen Schlangen hungriger Urlauber vor dem Buffet der Ferienhotels denkt.

 

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