Friedhöfe ein vielschichtiges Kulturerbe

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Ratingen. Die Ratinger Friedhöfe sind Teil des immateriellen Kulturerbes, und das ist seit Freitag, 18. September, für jedermann sichtbar. Man muss dazu nur den Waldfriedhof in Ratingen-Ost besuchen, denn dort brachte Bürgermeister Klaus Pesch am Haupteingang ein Schild an, das auf die Zugehörigkeit zum immateriellen Kulturerbe Friedhofskultur hinweist – stellvertretend für alle fünf städtischen Friedhöfe.

„Wir hätten aber auch jeden anderen unserer Friedhöfe auswählen können, sie alle stehen für das, was unsere Friedhofskultur auszeichnungswürdig macht“, sagte Bürgermeister Klaus Pesch. Es ist die Vielschichtigkeit, die dieses Kulturerbe so faszinierend macht. Denn weit über die Trauerrituale hinaus haben Friedhöfe in mehrfacher Hinsicht identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft. Sie sind Oasen der Ruhe und stillen Schönheit. Als Treffpunkt für Familien oder Angehörige wirken sie sozialer Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen. Über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg sind Friedhöfe Orte der Integration und des Friedens. Und nicht zu vergessen ist ihre Bedeutung für den Natur- und Artenschutz.

„Der Waldfriedhof in Ratingen-Ost ist ein Paradebeispiel für alles, was unsere Friedhofskultur ausmacht“, ergänzte Amtsleiterin Michaela Maurer. Er wurde 1942 nach den Plänen des Stadtbaurates Ratmann ausgebaut. Die Grabfelder wurden zunächst geometrisch angelegt, mit Hecken zwischen den Grabreihen. Mit der Erweiterung 1977 trennte man sich von der strengen Geometrie und legte überschaubare Felder mit Hinterpflanzung, Platten und Rasenwegen an.

1954 wurde die erste Kapelle gebaut. Seit 2001 besteht auf dem Waldfriedhof ein gesondertes Grabfeld für muslimische Verstorbene aus Ratingen. In diesem Jahr wurde ein Grabfeld für Mitglieder der alevitischen Glaubensrichtung eingerichtet. Bereits seit 2004 gibt es ein Wiesengrabfeld für die Beisetzung von tot geborenen Kindern. Die Grabstelle wird seitens der Stadt Ratingen unentgeltlich zur Verfügung gestellt, auch die Beisetzung ist kostenfrei. Auf dem Waldfriedhof wurden 240 Kriegsopfer, die im 2. Weltkrieg fielen oder durch Gewaltherrschaft starben, bestattet.

Der Waldfriedhof steht jedoch nicht nur für Naturschönheit und interkulturelles Zusammenleben, sondern auch für Kunst. 2017 wurde die Skulptur „Friedhofsengel auf dem Waldfriedhof“ von Martin Goedersmann aufgestellt, gestiftet von Irmtraud Pütter, Vorstandsmitglied  in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e.V. Bereits 2008 errichtete die bekannte Ratinger Künstlerfamilie Tuttas auf dem Waldfriedhof ein Mausoleum. Das Gebäude ist von außen mit Keramiken verkleidet, die bekannte alte Stadtmotive zeigen.

Insgesamt unterhält die Stadt Ratingen fünf Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von 30 Hektar.

Die Kultusministerkonferenz hat am 20. März 2020 die Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Da dies der Tag war, an dem der Corona-Lockdown verhängt wurde, ging die Nachricht über die Erweiterung der Unesco-Liste völlig unter. Daher führte das Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur jetzt die bundesweite Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ durch. Anlass ist der Tag des Friedhofs, der traditionell am 20. September begangen wird. Es wurden an diesem Freitag gleichzeit in 122 Städten in ganz Deutschland besonders schöne und wichtige Friedhöfe mit entsprechenden Schildern gekennzeichnet.

Der Waldfriedhof in Ratingen-Ost gehört zum immateriellen Kulturerbe Friedhofskultur. Bevor das Schild am Haupteingang angebracht wurde, präsentierten es (von links) Michaela Maurer, Bürgermeister Klaus Pesch und Guido Frohnhoff, Abteilungslungsleiter Bestattungswesen, vor der Skulptur „Friedhofsengel auf dem Waldfriedhof“. (Foto: Stadt Ratingen)

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