Folkwang: „Ecker Riemer Ruff – Retouched“

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Essen. Vom 20. April bis zum 5. Juni zeigt das Museum Folkwang neue Arbeiten von Bogomir Ecker, Sebastian Riemer und Thomas Ruff. Innerhalb des kompakten Ausstellungsformats „6 ½ Wochen“ setzen sich die drei Künstler mit Pressefotos aus amerikanischen Zeitungsarchiven der 1920er bis 1970er Jahre auseinander. Die zumeist stark retuschierten Objekte sind Ausgangspunkte unterschiedlicher Reflexionen über das fotografische Bild.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung sind zahlreiche analoge Fotoarchive von Zeitungen aufgelöst geworden. Nun kehren die Presseabzüge in die künstlerische Auseinandersetzung zurück: Mit den retuschierten Motiven von Kriegen und Katastrophen, längst vergessenen Stars und Kuriositäten machen Ecker, Riemer und Ruff deutlich, dass das Pressefoto nicht nur der Berichterstattung diente, sondern auch ein Medium der Sensationslust, der Propaganda und des Spektakels war.

Unterschiedliche Aspekte bestimmen die Auseinandersetzung der drei Künstler: Bogomir Ecker (geboren 1950) sammelt seit Jahrzehnten Fotografien der Themenfelder „Idyllen und Desaster“. Zunächst waren sie für ihn nur Referenz und Inspiration seiner skulpturalen Arbeit, seit einigen Jahren stellt er diese in mehrteiligen Tableaux zusammen, so dass die Bilder wie in einer Art filmischem Schnitt eine autonome größere Erzählung ergeben, die teilweise mit übermalten Zeitungen kombiniert wird.

Der 1982 geborene Sebastian Riemer arbeitet seit 2013 mit diesem Material. Sein Blick gilt dem bildhaften Charakter der Fotos. Er transformiert die Abzüge ins große Format und arbeitet den extremen Eingriff der Retusche, ihre fast vollständige Übermalung des Bildes, heraus. Sein Blick gilt dem grotesken und surrealen Charakter dieser retuschierten, fotografischen Bildwirklichkeit.

Thomas Ruff (geboren 1958) überblendet die Vorderseite mit der Rückseite des Abzuges, die mit Bildunterschriften, Stempeln und Notizen versehen ist. Ruff macht sichtbar, dass es sich einst um mediale, zirkulierende, politische Objekte gehandelt hat.

Am Freitag, 12. Mai, 18:30 Uhr, findet anlässlich der Präsentation „Ecker Riemer Ruff – Retouched“ ein Gespräch mit den Künstlern Bogomir Ecker, Sebastian Riemer und Thomas Ruff statt. Eine musikalische Klang-Performance mit Florian Walter greift mit sogenannter Typewriter Music dieses Phänomen an der Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt auf. Der Eintritt ist frei.

Sebastian Riemer, „Speed Skater (Leow)“, 2017 (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2017)

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