Flughafen übt Unfall mit vielen Verletzten

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Düsseldorf. Über 350 Personen nehmen am heutigen Samstag an der Flugunfallübung „Tango 2019“ im Sicherheitsbereich des Düsseldorfer Flughafens teil. Die Bestimmungen der Internationalen Zivilluftfahrt-organisation ICAO und der European Aviation Safety Agency (EASA) sehen im zweijährigen Turnus derartige Flugunfallübungen an internationalen Verkehrsflughäfen vor.

„Die Übung gibt allen Beteiligten unter annähernd realen Bedingungen Gelegenheit, das komplexe Zusammenspiel von Einsatzkräften und involvierten Institutionen zu überprüfen und gegebenenfalls zu optimieren“, sagt Holger Roßlan, Notfall- und Safety Managements am Düsseldorfer Flughafen. „Das Gefahrenabwehrmanagement unseres Airports gilt branchenweit als vorbildlich.“

Übungsszenario

Die Einsatzkräfte sehen sich am Samstagvormittag auf dem Vorfeld mit dem folgenden Szenario konfrontiert: Ein Flugzeug der „DüsselAir“ mit dem Flugziel Faro (FAO) ist auf der Rollbahn Richtung Startbahn unterwegs. Währenddessen startet ein Hubschrauber einer Imagefilm-Agentur. Aufgrund eines defekten Heckrotors lässt sich der Hubschrauber nicht mehr steuern, gerät ins Trudeln und prallt gegen die Maschine der „DüsselAir“. Anschließend stürzt er 20 Meter dahinter ab und brennt.  Nach ersten Erkundungen gibt es Tote,  Schwerverletzte sowie leicht- und Unverletzte. Einige Familienangehörige und Freunde der Passagiere verfolgen das Unglück von der Zuschauerterrasse aus. Andere Angehörige kommen zum Flughafen nachdem sie über die Medien von dem Unfall erfahren haben.

Teilnehmer an der Flugunfallübung

Insgesamt sind über 350 Mitwirkende an der Übung „Tango 2019“ beteiligt, darunter Berufsfeuerwehr Düsseldorf, Flughafenseelsorge und Notfallseelsorge, Bundespolizeiinspektion, Jugendrotkreuz (JRK), Folkwang Universität der Künste in Essen, Eurowings und die Polizei Düsseldorf.

Übungsverlauf

Die Deutsche Flugsicherung alarmiert vom Tower aus die Feuerwehr gegen 10:00 Uhr über die dauerhaft aktive Direktleitung. Die Flughafenfeuerwehr führt den Schnellangriff am Unfallort durch und übernimmt die erste Menschenrettung und Brandbekämpfung. Die Berufsfeuerwehr Düsseldorf, die bei derartigen Einsatzszenarien die Flughafenfeuerwehr im Bereich der Rettung und der Patientenversorgung unterstützt, wird ebenfalls alarmiert. Der Krisenstab tritt zusammen und koordiniert die Einsatz unterstützenden Maßnahmen wie beispielsweise die Einrichtung von Gates für die unverletzten Passagiere und Abholer. Außerhalb des Gefährdungs-bereiches wird in unmittelbarer Nähe zum Unfallort eine „Patientenablage“ eingerichtet. Dort werden die Verletzten gesichtet, erstversorgt und für den eventuell notwendigen Weitertransport in die Krankenhäuser vorbereitet. Parallel dazu nehmen spezielle Teams der Airline, des Flughafens und der Notfallseelsorge zur Betreuung der unverletzten Passagiere und Angehörigen ihre Arbeit auf.

Übungsziele

Eines der Hauptübungsziele von „Tango 2019“ ist es, die im so genannten Gefahrenabwehrplan festgelegten Prozesse und Abläufe praxisnah zu überprüfen. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Abteilungen des Flughafens, den beteiligten Einsatzkräften sowie den zuständigen Behörden und externen Stellen steht bei der Übung im Mittelpunkt. Auch die Mitglieder des Airport-Krisenstabs wirken an der Übung mit und trainieren im „Incident Coordination Center“ (ICC, Krisenstab) ihre Einsatz unterstützenden Aufgaben.

Außerhalb der eigentlichen Rettungsarbeiten steht zudem die psychosoziale Betreuung unverletzter Passagiere und Angehöriger im Mittelpunkt. Die Betreuungsteams und Seelsorger werden mit „traumatisierten“ Menschen konfrontiert, die unter anderem von Schauspielschülern der Essener Folkwang Universität dargestellt werden. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt bei der Flugunfallübung liegt in der Koordination der Angehörigen-Information.

„Notfallplanung und Gefahrenabwehrmanagement leben davon, dass auf komplexe Ereignisse schnell und adäquat reagiert wird. Dies werden wir heute überprüfen. Und wenn wir auf Grund der heutigen Übung zu neuen Erkenntnissen kommen sollten, dann werden diese Ergebnisse in den Gefahrenabwehrplan einfließen, damit im Ernstfall die Prozesse noch effizienter und schneller ablaufen können“, erklärt Holger Roßlan das übergeordneten Ziel von „Tango 2019“.

Übungskünstlichkeiten

Um die Abfertigung und den Flugverkehr nicht zu behindern, sind einige Künstlichkeiten bei der Flugunfallübung unvermeidbar. So rücken die Einsatzfahrzeuge der Berufsfeuerwehr nicht mit Sonderrechten (Blaulicht, Martinshorn) aus der Stadt an. Auch ist die Anzahl der eingesetzten Rettungsfahrzeuge und der Rettungskräfte geringer als bei einem realen Flugunfall, da die Versorgung der Stadt Vorrang vor Übungsszenarien hat. Außerdem kommt bei der Flugunfallübung kein Rettungshubschrauber zum Einsatz.

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