Fliedner: Alltag auf der Covid-Isolierstation

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Lintorf. Entspannt sitzt Lukas Warmke auf dem großen Sessel im Eingang, schnell wird klar – Hektik bringt hier nichts. Im Gegenteil „bei überhöhter Geschwindigkeit können Fehler passieren“, so der Stationsleiter der Isolierstation für Covid-19-Patienten im Fliedner Krankenhaus am Thunesweg.

Während man der Pflege und vielen anderen Berufsgruppen bestätigt, dass sie nah dran sind an dem Virus, das unsere Abläufe in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik seit dem Frühjahr durcheinanderwirbelt, so sagt Lukas Warmke folgerichtig: „Da sind wir noch einen Schritt näher.“

Auf der Station werden schließlich nicht nur Verdachtsfälle beobachtet, sondern auch ausgebrochene Krankheiten. In der Spitze waren es  bis zu acht Patienten gleichzeitig mit einem positiven Covid-19-Test, bei denen täglich die Vitalparameter erhoben wurden wie Blutdruck, Puls, Temperatur und Sauerstoffsättigung, um den Verlauf zu dokumentieren und bestehende Symptomatik zu lindern und, wenn nötig, mit einer Sauerstofftherapie als Kriseninterventionsmaßnahme zu agieren.

Was sonst im Krankenhausalltag eine Sache von Minuten ist, „dauert bei uns  bis zu zwei Stunden – Schutzkleidung an- und ausziehen, desinfizieren der Station und patientennaher Bereiche, Handlungsschritte auf Wirksamkeit prüfen und Optimierung der Hygienekonzepte“.

Schließlich muss das sechsköpfige Team alles Erdenkliche leisten, damit das Virus lokal auf der Station verbleibt und sich nicht weiter ausbreitet. Etwa zu den sich in Quarantäne befindenden Menschen „oder gar ein Mitarbeiter sich ansteckt“. Doch die Hygienekonzepte gehen auf. Trotz nächster Nähe „hat sich noch niemand angesteckt, wie die regelmäßigen Tests der Mitarbeiter zeigen“.

Lukas Warmke und seine Kollegen sind freiwillig auf der Station. „Die Verantwortlichen des Fliedner Krankenhauses sowie der Vorstand der Theodor Fliedner Stiftung haben niemanden hierher zwangsversetzt“, machte er deutlich.

Eigentlich ist er stellvertretende Stationsleitung auf der Gerontopsychiatrie. „Es hat mich gereizt, diese Aufgabe zu übernehmen, ich wollte helfen und es ist aus medizinischer Sicht eine spannende Herausforderung.“

Menschlich fühle er vor allem mit den Patienten, die nicht nur an der Erkrankung – wobei die Verläufe bislang sehr milde waren – sondern insbesondere auch unter den Hygieneverordnungen leiden. „Wenn für uns schon eine Vermeidung von Kontakten verlangt wurde, kann man sich vorstellen, was das mit den betroffenen Menschen macht.“ Und so sei es besonders wichtig, nicht nur Dienst nach Vorschrift zu leisten, sondern mit einem Extraschuss an Empathie und Herz zu arbeiten.

Dass dies im Fliedner Krankenhaus allein schon aufgrund des Behandlungsfeldes der Seelischen Gesundheit qua Definition in der DNA liege, ist klar. Zu gut wissen alle Beschäftigten im ärztlichen, pflegerischen und Verwaltungsdienst, dass die Seele der Menschen mitunter sehr stark leiden kann.

Das zeigt sich auch in der hergerichteten ruhigen Atmosphäre der Isolierstation. Im Gegensatz zu Krankenhäusern der Regelversorgung, „haben unsere Patienten hier mehr Bewegungsfreiheiten“. Die Trakte seien so konzipiert, dass man sich auch außerhalb der eigenen Zimmer bewegen könne, Telefone und Tablets stehen für Kontakte zu Angehörigen bereit.

„Manche haben sich auch vom Parkplatz aus über geöffnete Fenster unterhalten.“ Zu den Patienten zählen vor allem Bewohner aus nahegelegenen Einrichtungen der Altenpflege und die eigenen Patienten des Fliedner Krankenhauses. „Wir haben einen Versorgungsauftrag für die ganze Region und sind einer von mehreren Standorten.“

Die Zusammenarbeit mit allen offiziellen Stellen sei bislang hervorragend, auch wenn es ein bisschen Eingewöhnungszeit bedurfte. „Gerade, wenn Menschen eine eigene hausärztliche Praxis haben, war es zu Beginn eine Umstellung.“ Klar, denn im eigentlichen Krankenhausaufenthalt könne man zu jeder Zeit hausintern ärztlichen Rat einholen, um etwa Medikamente zu optimieren oder neu anzusetzen und sofort zu geben.

„Jetzt ist das manchmal komplizierter, da erst die Praxen informiert werden müssen, Rezepte geordert und bei Apotheken bestellt werden müssen.“ Doch viele hausärztliche Praxen seien dankbar für die Versorgung der Patienten und übergaben sogar Handynummern.

Wie lange die Isolierstation noch aufrechterhalten wird, kann niemand genau sagen. „Auf jeden Fall erst einmal bis zum Herbst.“ Allerdings geht der gelernte Altenpfleger, der eine Weiterbildung zum Fachwirt absolviert, eher davon aus, dass der Bedarf bis Ende des Jahres „oder sogar darüber hinaus“ vorhanden sein wird und somit auch noch einige Extraportionen Empathie.

Foto: privat

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