Filmmuseum: Sowjet-Kino im Lichte von Glasnost

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Düsseldorf. Das Filmmuseum Düsseldorf widmet sich noch bis zum 30. Januar dem Kino in der ehemalige Sowjetunion in den 1980er Jahren. Die Filmreihe zeigt Produktionen, die unmittelbar vor Glasnost und in dessen früher Phase wegweisend waren.

Andrei Tarkovsky verlässt in den 1980er-Jahren nach vielen Disputen mit der sowjetischen Filmbranche und politischen Autoritäten das Land, um seine beiden letzten Filme in Italien und Schweden zu drehen. Er stirbt 1986. Er war damals eine der kontroversesten und gleichzeitig revolutionärsten Figuren des sowjetischen Kinos. Politisch beginnt sich das Land zu verändern und spätestens ab 1985 mit der Glasnost-Politik von Gorbatschow zu öffnen. Die Lockerung von Meinungs- und Pressefreiheit ist die Basis für die Perestroika, eine Reform des politischen und wirtschaftlichen Systems. Diese Maßnahmen führen zunächst zur Demokratisierung der Sowjetunion und schließlich zum Zusammenbruch des gesamten Ostblocks. Bereits vor Glasnost verhandelten Filme soziale Themen mit einem abgeschwächten sozialistischen Duktus und konzentrierten sich auf den Realismus-Aspekt.

Die Filmemacherinnen und Filmemacher sind bereit für Glasnost, und gerade die Kinoindustrie ist eine der ersten kulturellen Rezipienten der politischen Umwälzungen im Land. Die zuvor herrschende Ära der Stagnation und Zensur in der Filmindustrie endet mit dem 5. Kongress des Verbandes der Filmschaffenden im Mai 1986, wo mit dem neuen Vorsitzenden Elem Klimov verbotene Werke gesichtet werden und endlich ihren Weg in die Moskauer Kinos finden. Er ist entscheidend daran beteiligt, den Sowjet-Film in all seiner Formelhaftigkeit beiseite zu schieben. Die Zeit von Glasnost ist geprägt von der Wiederentdeckung zahlreicher bisher verbotener Filme und zeigt die Reichhaltigkeit des sowjetischen Kinos auch in Zeiten der Stagnation. Tarkovsky wird nun Teil eines Kanons. Aber nicht nur die verbotenen Filme vergangener Tage werden nun endlich auf die Leinwand gebracht, auch streben junge Regisseurinnen und Regisseure in die Industrie, um im Film die Veränderungen in der Gesellschaft abzubilden und die gelockerten Verhältnisse dafür zu nutzen, kritischer auf die eigene Geschichte und Zukunft zu blicken.

Programm
Mittwoch, 8. Januar, 20 Uhr
„Oci ciornie“ – „Schwarze Augen“
I/UDSSR 1987; Regie: Nikita Mikhalkov.

Mittwoch, 15. Januar, 20 Uhr
„Pisma myortvogo cheloveka“ – „Briefe eines Toten (Mannes)“
UDSSR 1986; Regie: Konstantin Lopushanskiy.

Donnerstag, 30. Januar, 20 Uhr
„Zavtra byla voyna“ – „… und morgen war Krieg“
UDSSR 1987; Regie: Yuriy Kara.

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf

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