Eisenbahnausstellung im Landesmuseum

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Hösel. Bald 175 Jahre ist es her, dass die erste schlesische Eisenbahnstrecke eröffnet wurde. Am 21. Mai 1842 fuhr um 11:15 Uhr der erste Zug mit fast 200 Fahrgästen von Breslau nach Ohlau. Die Bahnverbindung zwischen diesen schlesischen Städten zählt zu den frühen in Deutschland überhaupt. Das Oberschlesische Landesmuseum (OSLM), Bahnhofstraße 62, begleitet das Bahnjubiläum mit einem mehrjährigen Projekt. Es startet mit der Eröffnung der großen Sonderausstellung „Schlesische Bahnwelten: 175 Jahre Modernität und Mobilität“ am Sonntag, 2. April, 15 Uhr. 

Einen Tag nach der feierlichen Probefahrt wurde die Bahnlinie Breslau – Ohlau für den normalen Personenverkehr freigegeben. Die Idee zur eisernen Bahn für den Verkehr ist jedoch älter als das nun 175-jährige Betriebsjubiläum. Schon 1802 wurde eine Pferdeeisenbahn von der Königsgrube zur Königshütte in Oberschlesien angelegt. In den folgenden drei Jahrzehnten kamen verschiedene Pläne auf, dort die Industrialisierung und Bahnanbindung voranzutreiben. Fehlende Rentabilität und noch unausgereifter technologischer Stand verzögerten die Ausführung.

Nach der ersten deutschen Eisenbahn von Fürth nach Nürnberg 1835 dauerte es aber nicht mehr lange, dass auch in Preußen das Eisenbahnzeitalter begann. Schon 1848 gab es eine durchgehende Verbindung Berlin – Wien. Das wurde möglich, weil auf der österreichisch-schlesischen Seite ebenfalls ein Industrierevier durch die Kaiser-Ferdinand-Nordbahn die Anbindung an die Hauptstadt suchte. Viele Mittelstädte entwickelten sich bis 1900 durch die Anbindung an die Bahn dynamisch, besonders im Gewerbe. Kleinstädte verdoppelten oder vervielfachten ihre Einwohnerzahl.

Vielfältige Aspekte der Eisenbahngeschichte werdenin der Ausstellung aufgegriffen: Die Eisenbahn brachte Mobilität, förderte den Warenumschlag, die industrielle und städtische Entwicklung, schuf Arbeitsplätze sowie Wohnstätten. Menschen und Unternehmen drängten auf Zugang zum Eisenbahnnetz. Vom Bau der Bahnlinien bis zum aktuellen Betrieb wird das Panorama reichen. Alle heute zu Polen und Tschechien gehörenden schlesischen Landesteile kommen vor. Die robuste Betriebstechnik wurde in Polen noch lange Zeit verwendet und gewartet. Davon zeugen zahlreiche in Deutschland längst verschwundene Relikte.

So haben sich quer durch Schlesien lange über die einstige Nutzung hinaus Betriebsstrukturen sichtbar erhalten. Das gilt für Wassertürme und Wasserkräne, für Ringlokschuppen und Drehscheiben, für Signale und Telegrafenleitungen, für beschrankte Bahnübergänge, schienengleiche Bahnsteigzugänge, Stellwerke und sogar für Kilometersteine. Alle diese bahntypischen Zeugnisse gilt es als Bestandteile der Bahnwelt Schlesiens zu erfassen, vorzustellen und in gewisser Weise als Denkmale zu würdigen.

Ein wichtiger Aspekt ist die Streckenkunde. Sie soll den Besucher mit den schlesischen Landschaften, den Bahnbauten und weiteren historischen und gegenwärtigen Facetten der Bahn vertraut machen. Das Eisenbahnnetz Schlesiens zählte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den dichtesten und modernsten in Deutschland. Dazu trugen vor allem die rasant wachsende Industrie mit ihrem großen Bedarf an Rohstoffen in Oberschlesien sowie die Landwirtschaft im Raum Oppeln und in Niederschlesien bei. Ein Eisenbahnanschluss hatte großen Einfluss auf die Existenz zahlreicher Firmen und auf die wirtschaftliche Entwicklung von Städten und Gemeinden.

Foto: OSLM

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