Einzigartige Schützenfeste in Lintorf

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Lintorf. Das Schützenfest 2020 ist bislang einzigartig in der über 70-jährigen Nachkriegsgeschichte der St. Sebastianus Schützenbruderschaft lintorf 1464. Einzigartig, weil es nicht stattfinden wird. Aber es gab schon einmal ein einzigartiges Schützenfest. Das fand im August 1954 statt.

August 1954: Die Stimmung im Zelt ist am Samstagabend auf dem Höhepunkt. Die Schützen feiern kräftig – mitten im Dorf. Denn das Zelt steht auf dem Schulhof der Johann-Peter-Melchior-Schule. Und die steht dort, wo heute das ehemalige Rathaus steht. Draußen regnet es unaufhörlich. Doch der Stimmung tut es keinen Abbruch. Irgendwann in der Nacht gehen allen nach Hause.

Am Sonntag ist die Überraschung groß. Die Kirmes ist überflutet. Die war nämlich unmittelbar am Dickelsbach gelegen und der hatte Hochwasser. Der Beekerhof war überflutet, der Marktplatz zwischen Bürgershof und Mecklenbeck ebenso wie der Bürgershof, die Helpensteinmühle und die gegenüberliegende Wiese – die heutige Drupnas. Bis zur Pfarrkirche St. Anna erstreckte sich der See.

Bruderschaftkönig Hermann Kockerscheidt von der Tell-Kompanie nahm nicht am Schützenzug teil. Für ihn sprang sein Vorgänger Sebastian Jacobs von der Hubertus-Kompanie ein. In Heiligenhaus hatte das Unwetter noch schlimmer gewütet. Kockerscheidt wurde auf seinem Bauernhof gebraucht, den er in Heiligenhaus erst wenige Jahre zuvor übernommen hatte.

Ein Schützenzug fand aber statt. Der Spielmannszug aus Essen-Kray wusste nichts von einem Hochwasser im fernen Lintorf. Die Spielleute reisten an und wollten unbedingt spielen. Also zog ein improvisierter Schützenzug durch ein teils unter Wasser stehendes Lintorf.

Archivfoto: privat

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