Eine Gesellschaft im Datengefängnis

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Essen. Wie es zugeht in der „schönen neuen Online-Welt“ und was darin dringend der Veränderung bedarf, damit haben sich die beiden Autoren, Ingrid Brodnig und Adrian Lobe. beschäftigt. Am Dienstag, 29. Oktober, ab 20 Uhr sind sie bei der Lesart von Deutschlandfunk Kultur im Café Central des Essener Grillo-Theaters zu Gast. Mit ihnen sprechen WAZ-Kulturchef Jens Dirksen und Moderator Christian Rabhansl.

Das Smartphone weiß immer, wo wir sind, die Smartwatch misst unsere Herzfrequenz und in unserem smarten Home gibt’s nicht nur Mama, Papa und den lieben Nachwuchs, sondern quasi gleichberechtigt fristen hier auch Siri, Alexa und Cortana ihr vor Hilfsbereitschaft strotzendes Dasein – immer ansprechbar, permanent zuhörend und freundlich nachfragend, falls nötig. Was für den einen wie der Himmel auf Erden klingt, lässt bei so manch anderem die Alarmglocken läuten.

Die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig beschreibt in ihrem neuen Buch „Übermacht im Netz. Warum wir für ein gerechtes Internet kämpfen müssen“, das im September bei Brandstätter erschienen ist, wie rasant wir auf eine Zukunft zusteuern, in der die Bürger ohnmächtig sind. Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon häuften enormen Reichtum an und zahlten so gut wie keine Steuern, ganze Branchen würden umgekrempelt und der Mensch zur gewinnbringenden Datenquelle reduziert. Doch Brodnig ist sich sicher: Wir können uns wehren. Und sie plädiert für einen „Neustart im Netz“.

Für den Politikwissenschaftler und Journalisten Adrian Lobe sind wir schon längst nicht mehr Herr der digitalen Lage. In seinem Buch „Speichern und Strafen. Die Gesellschaft im Datengefängnis“, erschienen im September bei C.H. Beck, zeigt er auf, wie die schicken Gadgets der großen Tech-Konzerne laufend Protokoll über unser Getanes, Gesagtes, Geschriebenes und Gedachtes führen. Durch die überall installierten Mikrofone, Kameras und Sensoren befänden wir uns wie in einem rund um die Uhr überwachten Strafvollzug, der nicht einmal Mauern brauche, denn mit Siri, Alexa und Cortana, hätten wir uns die freundlichsten Kerkermeister selbst ins Haus geholt.

Adrian Lobe (Foto: Artur Lobe)

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