Düsseldorfer Justiz im NS-Staat

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Düsseldorf. In der „Kleinen Schriftenreihe der Mahn- und Gedenkstätte“, die vom Förderkreis des Instituts herausgegeben wird, ist mit der „Nummer 9“ ein neuer Band erschienen: „Im Namen des Volkes… Das Düsseldorfer Oberlandesgericht und die Justiz im Nationalsozialismus“. Es ist im Buchhandel für sieben Euro erhältlich. Mitherausgeber des 90-seitigen Bandes ist das Landesjustizministerium.

Die drei Autoren Hildegard Jakobs und Bastian Fleermann, beide von der Mahn- und Gedenkstätte, und Peter Henkel, von der Planungsgruppe Haus der Landesgeschichte NRW, stellten ihr Werk gemeinsam mit Anne-José Paulsen, langjährige Präsidentin des Oberlandesgerichts, und Jürgen Kron, Geschäftsführer des Droste-Verlags, vor. Es ist ab sofort in der Gedenkstätte, Mühlenstraße 6 und 29, beim Droste-Verlag sowie überall im Buchhandel erhältlich.

Erstmals bietet dieser Band einen historischen Überblick über die Rechtsprechung im nationalsozialistischen Düsseldorf. Behandelt werden nicht nur das Oberlandesgericht oder das Amts- und Landgericht an der Mühlenstraße, sondern auch die Sondergerichtsbarkeiten, die Staatsanwaltschaften sowie die Praxis im Strafvollzug. Deutlich wird dabei, dass in ausnahmslos allen Kammern, die es zwischen 1933 und 1945 in der Stadt gab, nationalsozialistisches Unrecht gesprochen wurde. Zusätzlich werden auch die Akteure und ihre Werdegänge beleuchtet – sowohl entlassene oder in die Emigration gedrängte „nichtarische“ Juristen als auch diejenigen, die unter dem NS-Regime als Juristen Karriere machten.

Düsseldorfer Gerichte fällten mindestens 88 Todesurteile, entschieden über Zwangssterilisationen, Enteignungen oder Zuchthausstrafen. Die Richter urteilten über politische Gegner unter dem Vorwand des „Hochverrats“ und Homosexuelle wegen „widernatürlicher Unzucht“. Der Band gibt auch einen Ausblick auf die Nachkriegsjahrzehnte, in denen die NS-Zeit verschwiegen wurde: Erst in den 1980er und 1990er Jahren begannen die Düsseldorfer Justizbehörden langsam damit, sich kritisch mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Somit spannt das reich bebilderte Buch einen weiten Bogen von 1933 bis zur Gegenwart. Es richtet sich an geschichtsinteressierte Laien, Jurastudierende und Justizbeamte.

Gewidmet ist das Buch Anne-José Paulsen, die sich um die Aufarbeitung der Justizgeschichte während der NS-Zeit besondere Verdienste erworben hat. Anne-José Paulsen wurde am Montag, 26. November, durch NRW-Justizminister Peter Biesenbach in Düsseldorf offiziell verabschiedet. Sie war von 2002 bis Februar 2018 Präsidentin des Oberlandesgerichts Düsseldorf. „Anne-José Paulsen hat durch zahlreiche Ausstellungen, Veranstaltungen und Veröffentlichungen eindrucksvoll gezeigt, wie eine Behördenleitung souverän und offen mit der eigenen NS-Vergangenheit umgehen kann“, sagt Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte.

Stellten das Buch vor (v. l.): Dr. Bastian Fleermann, Anne-José Paulsen, Dr. Jürgen Kron, Hildegard Jakobs und Dr. Peter Henkel (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Martin Gstettenbauer)

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