Düsseldorf: Über 400 Jahre Residenzstadt

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Düsseldorf. Vielen Düsseldorfern ist nicht bewusst, dass sie nicht nur in einer modernen Landeshauptstadt, sondern auch in einer alten Residenzstadt leben: Düsseldorf war für mehr als 400 Jahre Regierungssitz und Residenz der Herzöge von Berg. Einzelheiten dazu beleuchtet die nun in zwei Bänden vorliegende „Geschichte des Bergischen Landes“. Die Neuerscheinung, die in dieser Woche im Düsseldorfer Stadtarchiv vorgestellt worden ist, hat der Bergische Geschichtsverein anlässlich seines 150-jährigen Bestehens mit finanzieller Unterstützung des Landschaftsverbandes Rheinland herausgebracht. Zu den Autoren gehören unter anderem der Leiter des Stadtarchivs Benedikt Mauer sowie der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Bastian Fleermann.

Das Gesamtwerk ist die erste umfassende Darstellung zur Geschichte dieser Region. Der 2014 erschienene erste Band (Mittelalter und Frühe Neuzeit) war nach kurzer Zeit vergriffen, so dass in diesem Jahr eine korrigierte zweite Auflage erschien. Nun konnte mit dem Erscheinen des zweiten Bandes (19. und 20. Jahrhundert) dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Darin werden die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen von den ersten schriftlichen Überlieferungen im Frühmittelalter bis zur Wende zum 20. Jahrhundert dargestellt.

Schon die Gründung Düsseldorfs 1288 als befestigter Stützpunkt am Rhein durch den bergischen Landesherrn war Ausdruck seines Machtanspruchs und vor allem gegen die Konkurrenz des Kölner Erzbischofs gerichtet. Noch heute künden zahlreiche Zeugnisse von Düsseldorfs Funktion als bergische Hauptstadt: der Turm des alten bergischen Stadtschlosses, die Kirchen St. Lambertus und St. Andreas mit ihren Grablegen der bergischen Herrscher, das Reiterdenkmal Jan Wellems oder der im Stadtwappen dargestellte bergische Löwe. Auch für die Entscheidung der Briten, Düsseldorf im Jahr 1946 zur Hauptstadt des neuen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen zu erheben, war nicht zuletzt die Vergangenheit der Stadt als Residenz eines der bedeutendsten Territorien des Rheinlands maßgeblich.

Der erste Band behandelt die Zeit bis zum Untergang des alten Herzogtums im Jahr 1806. Die Autoren gehen darin der bergischen Geschichte von den ersten schriftlichen Nachrichten bis zum Ende des alten Herzogtums nach. Neben Überblicksartikeln zum Mittelalter und zur Frühen Neuzeit stehen thematische Längsschnitte zu den Klöstern, zur Landwirtschaft, zum Gewerbe, zu den Schulen und zum Pietismus sowie Porträts herausragender Erinnerungsorte und bedeutender Menschen. Die Beiträge sind anschaulich geschrieben. Das reich bebilderte Buch lädt dazu ein, die Geschichte des Bergischen Landes neu zu entdecken. Es vereinigt Beiträge unterschiedlicher Länge mit unterschiedlichen Funktionen: Längere Überblicksbeiträge ergänzen sich zu einer Gesamtdarstellung, die die Geschichte der Region im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit im Zusammenhang schildern. Vertiefungsaufsätze behandeln einzelne Schwerpunkte, die für das Bergische Land von besonderer Bedeutung sind: Agrargeschichte, Gewerbe, Adel und Stände, Bildungswesen und bergische Sprachräume. Spezialartikel stellen schließlich einzelne Persönlichkeiten und herausragende Erinnerungsorte des Bergischen Landes vor: das Kloster Altenberg, Engelbert von Berg, Konrad von Heresbach, Jan Wellem, den bergischen Pietismus und Johann Heinrich Jung.

Der ganz druckfrische zweite Band thematisiert die bergische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Seit dem frühen 19. Jahrhundert gibt es keine das Bergische Land umfassende politische oder administrative Einheit mehr. Dennoch blieb Berg als Identifikationsort im Bewusstsein der Menschen erhalten. In den westlichen Gebieten des alten bergischen Territoriums, vor allem im Rheintal, weiß man heute vielerorts kaum noch etwas von der eigenen bergischen Vergangenheit. Selbst in Düsseldorf, bis 1806 Residenzstadt des Herzogtums Berg, ist die Erinnerung daran im Zuge von Zuwanderungen, Industrialisierung und Urbanisierung weitgehend verschwunden. Das Buch zeichnet in fünf Überblicksaufsätzen den Weg der Region von den Napoleonischen Reformen bis zur Gegenwart nach. Die Autoren verstehen die Düsseldorfer Geschichte als Teil der bergischen Geschichte und thematisieren das sich wandelnde Verhältnis der ehemaligen Residenzstadt zu seinem ehemaligen Territorium während der letzten beiden Jahrhunderte. Die Themen Urbanisierung, Verkehr und Umwelt, Religionsgemeinschaften und Kirchen, Schulen und Vereine, Presse und Literatur, Wohnen und Essen werden in zwölf Beiträgen behandelt. Porträts wichtiger Firmen und Menschen runden das reich bebilderte Buch ab.

Dr. Bastian Fleermann (Mahn- und Gedenkstätte)(von links), Dr. Benedikt Mauer (Stadtarchiv), Stefan Gorißen (Bergischen Geschichtsverein), Prof. Dr. Christoph Nonn (Heinrich-Heine-Uni), Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin

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