Drei Revolutionen feiern Jubiläum

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Düsseldorf. In diesem Jahr gibt es Jubiläen gleich dreier deutscher politischer Erhebungen: der Revolutionen von 1848 (170 Jahre) und 1918 (100 Jahre) sowie des studentischen Protests von 1968 (50 Jahre). Grund genug, dieser Jahrestage in einer Ausstellung zu gedenken. Dies tut das Heinrich-Heine-Institut, Bilker Straße 12-14, vom 10. März bis 20. Mai in der Ausstellung „¿Revolution! – 1848, 1918, 1968“. Das Besondere daran ist, dass dabei die Spuren deutscher Revolutionen und Revolutionäre diachron nebeneinandergestellt werden.

Die Exponate der Schau erzählen von Barrikadenkämpfen und Protestbewegungen: Briefe, Werkmanuskripte, Buchausgaben, Druckgrafiken und audiovisuelle Medien bilden nicht nur die breit gefächerten Bestände des Heinrich-Heine-Instituts ab, sondern werfen auch eindrückliche Schlaglichter auf Wendepunkte der deutschen Geschichte.

Heinrich Heine, der als Schutz- und Namenspatron des Hauses und als Anwalt für Demokratie und Menschenrecht natürlich ebenfalls eine Rolle in der Ausstellung spielt, hat die Revolution von 1848 selbst eher kritisch gesehen. Eine generelle Begründung dafür, die zugleich die Ratio jeglichen Aufbegehrens gegen Unrecht und Ungerechtigkeit darstellt, hat er dennoch geliefert: „Das Leben ist weder Zweck noch Mittel; das Leben ist ein Recht. Das Leben will dieses Recht geltend machen gegen den erstarrenden Tod, gegen die Vergangenheit und dieses Geltendmachen ist die Revolution.“

Diese Essenz des protestierenden Kollektivgeistes findet sich in allen drei Revolutionen wieder. Die Kuratorinnen und Kuratoren haben daher auch nicht versucht, die einzelnen Zeitereignisse voneinander zu trennen – vielmehr werden die Aufstandsbewegungen von 1848, 1918 und 1968 in der Ausstellung parallel geführt. Die Exponate sind jedoch über eine Farbspur in den Beschriftungen eindeutig zuordenbar: Schwarz steht dabei für die bürgerliche Revolution von 1848, Rot für die sozialistisch-kommunistische von 1918, Gold für den Protest der 68er. Aufgeteilt ist die Ausstellung in verschiedene Sektionen, unter anderem „Das Wort als Waffe“, dabei richten die Kuratoren das Augenmerk auf literarische Äußerungen aus den Revolutionen. „Zeitgeschehen“ dokumentiert historische Ereignisse, „Opfer“ weist darauf hin, dass derartige Rebellionen immer auch Gewalt beinhalten, damit auch Verletzte oder Tote.

Die Abteilung „Satire und Rhetorik“ untersucht, wie sehr beißende Ironie, aber mitunter auch bloße Worthülsen, zur Agitation eingesetzt werden. So gibt es von Heinrich Heine Satirisches: Zu sehen ist ein Originalmanuskript seines Spottgedichts auf den Kölner Paulskirchenabgeordneten Jakob Venedey.

Doch auch Handschriften anderer Dichter aus der wertvollen Vormärz-Sammlung des Heine-Instituts sind ausgestellt, darunter etwa drei namentlich gezeichnete Stimmzettel Ludwig Uhlands aus dem ersten deutschen Parlament. Die 1848er-Exponate werden von seltenen satirischen Druckgrafiken aus dem Bildarchiv des Heine-Instituts flankiert. Ihnen stehen die harschen Zeichnungen George Grosz´ gegenüber, der die Brutalität der deutschen Freikorps und ihrer militaristischen Führer brandmarkt. Bei den 1968er-Objekten ragen besonders auffällig gestaltete Buchcover hervor, rare Erstausgaben Rolf Dieter Brinkmanns etwa. Der Kölner Dichter wird hier zudem in einem weithin unbekannten Kontext seines Wirkens gezeigt, nämlich als Protestler, der mit Megaphon gegen die Beschlagnahmung einiger Experimentalfilme auftritt.

Die Kölner Polizei hatte 1968 eine Veranstaltung mit Underground-Filmen der XSCREEN-Gruppe gestürmt und gewaltsam aufgelöst. Ein Akt, der die Kölner Kultur- und Studentenwelt für Tage in Aufruhr brachte. Einer der inkriminierten Filme, der „Rohfilm“ von Birgit und Wilhelm Hein, ist ebenfalls im Heine-Institut zu sehen.

Außerdem sind historische Waffen aus dem Düsseldorfer Stadtmuseum ausgestellt. Eine Reihe von authentischen Maueranschlägen und Plakaten demonstrieren, dass Revolutionen immer auch über die „Agitation auf Papier“ funktionieren, denn die Aufständischen müssen stets ihre eigenen, alternativen Kommunikationsstrukturen schaffen.

Um in die Kämpfe und Debatten jener Epochen einzutauchen, können die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher unter der „Klangdusche“ Lieder der Revolution hören und dazu am „Revoluzz-o-mat“ selbst testen, wie viel von einer Revolutionärin oder einem Revolutionär in ihnen steckt.

Die Ausstellung wurde kuratiert und umgesetzt von einem großen Projektteam des Heinrich-Heine-Instituts: Vera Anschütz, Gavril Blank, Elena Camaiani, Jan-Christoph Hauschild, Jan von Holtum, Gaby Köster, Christian Liedtke, René Otto, Enno Stahl und Anna Siepen. Neben den Beständen des Heinrich-Heine-Instituts haben folgende Institutionen und Privatpersonen aus Düsseldorf Leihgaben beigesteuert: Udo Achten, Dieter Süverkrüp, Michael Matzigkeit, Stadtarchiv, Stadtmuseum, Universitätsarchiv der HHU und das Zentralarchiv des Internationalen Kunsthandels.

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

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