Digitaler Vortrag: Liberales Judentum heute

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Essen. Rabbinerin Natalia Verzhbovska wird am Donnerstag, 14. Januar, um 19 Uhr den digitalen Vortrag „Liberales Judentum heute“ halten. Eine Anmeldung zum Vortrag ist online auf https://vhs.link/LiberalesJudentum erforderlich. Der digitale Vortrag ist kostenlos.

In ihrem Vortrag widmet sich Verzhbovska unter anderem den Fragen „Was kennzeichnet heute liberales Judentum?“, „Wie steht dieses zur ‚Heilung der Welt‘, zu Fragen der Liturgie oder der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Beziehungen?“ Aber auch wie liberales Judentum heute zum Christentum steht wird thematisiert.

Das liberale Judentum entstand in den 1840er Jahren im deutschsprachigen Raum. Rabbiner, die akademisch gebildet waren, machten sich Gedanken über Reformen in der Liturgie und der Lebenspraxis. Heftige Debatten entbrannten. Die moderne Orthodoxie bildete sich in Reaktion dazu aus.

Typisch liberale Forderungen waren die Prüfung der Inhalte der Liturgie, ob sie noch „zeitgemäß“ seien, oder man erlaubte auf Deutsch zu beten, weil das Verstehen der Gebete wichtig war. Liberal hieß weiter Betonung des Individuums: jedes Gemeindemitglied sollte selbst entscheiden, ob es sich an die Speisevorschriften hielt. In den großen neuen Synagogen in Mannheim, Karlsruhe, Köln und Essen ließen liberale Vorstände eine Orgel einbauen und ein professioneller gemischter Chor begleitete den Gemeindegesang. Allerdings ließ sich die Verweltlichung dadurch nicht aufhalten. Das „Drei-Tage-Judentum“ breitete sich immer mehr aus.

Neue Wege wollten Frauen in den 1920er Jahren gehen und 1935 wurde die erste Rabbinerin der Welt „Fräulein Rabbiner“ Regina Jonas aus Berlin ordiniert. Nach 1945 wandten sich liberale Juden in den USA als Reaktion auf die Schoah mehr der Tradition zu. Doch setzte sich in den 1970er/80er Jahren die Gleichstellung der Frau in Rabbinat und Kantorat durch. Diese Bewegung wirkte von den 1990er Jahren auch auf die jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Ein liberales Rabbinerseminar wurde 1999 in Potsdam gegründet und eine Union Progressiver Juden ins Leben gerufen. Ein Rechtsstreit mit dem Zentralrat über die Zuwendung von Geldern wurde schließlich gelöst. Heute sind in Deutschland etwa zehntausend Juden der liberalen Bewegung zuzurechnen. Es gibt Gemeinden, die Mitglieder im Zentralrat sind, andere nicht.

Über Natalia Verzhbovska
Rabbinerin Natalia Verzhbovska ist in Kiew, in der Ukraine, aufgewachsen und studierte Musikwissenschaften. Nach längerer Berufstätigkeit wandte sie sich Jüdischen Studien in Stockholm zu und leitete nach 2007 in Moskau das Bildungsprogramm der Union Progressiver Juden in Russland. 2015 schloss sie ihre Rabbinatsausbildung in Potsdam ab und betreut seitdem die drei liberalen Gemeinden in Köln, Unna und Oberhausen.

Alte Synagoge Essen (Foto: Elke Brochhagen)

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