Deutsch-polnisches Geschichtsbuch fertig

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Hösel. „Was lange währt, wird dann letztlich gut“. Mit diesen Worten kommentiert der Vorsitzende der Stiftung Haus Oberschlesien Sebastian Wladarz die Komplettierung des deutsch-polnischen Geschichtsbuchs. Mit der Herausgabe des vierten Bandes stehe das Projekt nach gut zwölf Jahren harter gemeinsamer Arbeit nun kurz vor dem Abschluss. Es fehle lediglich die Zulassung des Lehrbuchs in Polen. In Deutschland ist sie bereits erfolgt.

„Das vierbändige Buch ist das Ergebnis des Willens, nationale Einseitigkeiten in der Geschichtsdarstellung zu überwinden und das ist gerade heute mehr gefragt, denn je. Wir brauchen eher eine gemeinsame, europäische Erinnerungskultur als einen Blick durch die nationale Brille“, sagt Wladarz. Dabei sei der Vorzug des deutsch-polnischen Geschichtsbuchs, dass es für die jeweils andere Seite einen Perspektivenwechsel ermöglicht. So werden Wissensdefizite auf beiden Seiten verringert, meint der gebürtige Oberschlesier. Insbesondere der vierte Band sei für die Stiftung ganz spannend, auch in der Museumspädagogik und politischen Bildung. Dort wird das 20. Jahrhundert behandelt, das durch Krieg und Gewaltherrschaft aber auch Flucht und Vertreibung geprägt war. „In der Wissensvermittlung zu den Themen Flucht und Vertreibung der Deutschen infolge des 2. Weltkriegs gibt es durchaus Defizite. Dankenswerterweise hat die Landesregierung Lehrplananpassungen vorgenommen. Das deutsch-polnische Geschichtswerk bietet nun die Möglichkeit, Wissenslücken zu schließen, und zwar sowohl zur den Gewaltverbrechen der Deutschen im Polenfeldzug als auch rund um die Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus den Heimatgebieten“, sagt Andrea Perlt, neue Direktorin des Oberschlesischen Landesmuseums.

Neben dem Perspektivenwechsel bietet das bilaterale Lehrwerk auch den Vorzug, dass auch Grenzregionen behandelt werden. Es sind Regionen, die nicht mit einfachem Denken von der Übereinstimmung von Nationalität, Sprache und Kultur zu fassen sind, wo die Identitätsfrage nicht einfach zu beantworten ist. So zum Beispiel Oberschlesien, die Patenregion des Landes Nordrhein-Westfalen. „Ein Versuch, das Nationalstaatsprinzip mit ethnisch heterogenen Regionen in Einklang zu bringen, war die Volksabstimmung vor 100 Jahren, die wir in einer internationalen Konferenz thematisieren werden. Oberschlesien ist in vielerlei Hinsicht eine Modellregion. Insofern ist das für uns eine absolute Chance, wenn diese spannenden Themen im gemeinsamen Geschichtsbuch eruiert werden“, freut sich der Stiftungschef. Vor allem auch der Vergleich mit anderen Regionen sei sehr interessant, weil er doch verschiedene Entwicklungen aufzeige.

Der Erfolg des deutsch-polnischen Geschichtsbuchs hänge freilich von seinem Einsatz im Unterricht ab. „Daher hoffen wir, dass die Schulen in Nordrhein-Westfalen, aber natürlich auch anderswo, möglichst flächendeckend dieses Lehrbuch nutzen. Es wäre auch gut, um das Verständnis füreinander noch deutlicher zu fördern und den Blick für die Perspektive des Anderen zu schärfen.“

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