Corona: Reihentests in der Graf-Recke-Stiftung

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Wittlaer. Ein schneller Abstrich in Mund, Nase oder Rachen, ab damit ins Labor. Wenig später ist klar, ob jemand mit dem Coronavirus infiziert ist oder nicht. Mit dieser Strategie will die Graf Recke Stiftung künftig Klienten und Mitarbeitende in Coronazeiten noch besser schützen. Dass es dabei zu mehr bestätigten Infektionen in der Stiftung kommt, ist nur auf den ersten Blick negativ: „Nur wenn wir wissen, wer infiziert ist, auch ohne Symptome, können wir das Infektionsgeschehen wirklich steuern“, sagt Pandemiekoordinator Marek Leczycki.

„Schütze Deinen Nächsten. Wie Dich selbst“ – so lautet die aktuelle Kampagne der Graf Recke Stiftung in Coronazeiten. Um den Worten Taten folgen zu lassen, hat die Graf Recke Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Düsseldorfs Reihentests begonnen, die in den nächsten Wochen fortgeführt werden. Mit dem Ergebnis, dass in dieser Testreihe bislang acht Mitarbeitende und eine Bewohnerin positiv getestet wurden. Was auch den Pandemiekoordinator Marek Leczycki überrascht: Niemand dieser positiv Getesteten zeigte irgendwelche Symptome.

Über Wochen hatte die Graf Recke Stiftung neun bestätigte Infektionen zu vermelden, davon nur eine erkrankte Klientin. Bei allen anderen positiv getesteten Personen handelte es sich um Mitarbeitende, die umgehend in Quarantäne gingen. „Wir haben uns schon sehr früh für Reihentests ausgesprochen und danken dem Gesundheitsamt Düsseldorf sehr für seine Bereitschaft zur Durchführung dieser Tests“, sagt Petra Skodzig, Finanzvorstand der Graf Recke Stiftung. Seit dem 25. Mai wurden in Düsseldorf-Unterrath in der Senioreneinrichtung Zum Königshof, im Quartiershaus Am Röttchen und im ambulanten Pflegedienst recke:mobil in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Gesundheitsamt insgesamt 240 Personen getestet. „Eine organisatorische und logistische Mammutaufgabe“, so Pandemiekoordinator Leczycki, „aber die Reihentests sind neben den Maßnahmen wie Mund-Nasen-Schutz und den Hygiene- und Abstandsregeln ein weiterer und sehr wichtiger Baustein unserer Präventionsstrategie.“

Fensterbesuche an Pfingsten nicht möglich

Am morgigen Samstag sollen die Ergebnisse aller Tests vorliegen. Erst dann sei eine Bewertung des Infektionsgeschehens in den Unterrather Einrichtungen möglich, sagt Marek Leczycki. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sorgen allerdings für ein anderes Problem: Die Mitarbeitenden der betroffenen Wohnbereiche müssen in Quarantäne geschickt werden. Aufgrund dessen könne das Seniorenzentrum Zum Königshof den Angehörigen über Pfingsten die beliebten Fensterbesuche nicht anbieten. „Die Mitarbeitenden, die die Besuche begleiten, werden im Moment alle dringend in der Pflege benötigt“, so Leczycki. „Wir bitten mit Blick auf den Schutz aller Beteiligten, vor allem aber unserer Senioren, um Verständnis dafür und arbeiten mit Hochdruck daran, die Besuche bald wieder möglich zu machen, auch mit personelle Unterstützung aus anderen Bereichen der Graf Recke Stiftung.“

Die Ergebnisse der Reihentests erhalten die Testpersonen per SMS. Nur sehr wenige seien nicht bereit, sich testen zu lassen, berichtet Pandemiekoordinator Leczycki, der sich über die hohe Bereitschaft freut. Dass dadurch die Infektionszahlen in der offiziellen Statistik in die Höhe gehen, war den Verantwortlichen in der Graf Recke Stiftung klar. „Wer suchet, der findet“, zitiert Leczycki das in Coronazeiten neu interpretierte Bibelwort. Es sei schon lange davon auszugehen, dass es in der Graf Recke Stiftung eine Dunkelziffer gebe. Studien aus einer norditalienischen Kleinstadt und aus dem Kreis Heinsberg hätten gezeigt, dass asymptomatische Verläufe von Infektionen mit dem Coronavirus gar nicht selten seien. Diese These habe die Reihentestung in Unterrath auch bestätigt: „Acht Personen wurden in den Reihentests positiv getestet“, sagt der Pandemiekoordinator. „Allen geht es gut, sie haben alle einen asymptomatischen Verlauf.“

„So können wir bewusst gegensteuern“

Dass die Zahl der bestätigten Infektionen in der Graf Recke Stiftung nun geradezu sprunghaft von neun auf insgesamt 18 verdoppelt habe, hat laut Marek Leczycki – neben der guten Gesundheit der Infizierten – einen wesentlichen positiven Aspekt: Die Reihentests geben Auskunft über Infektionen, die aufgrund ihres asymptomatischen Verlaufs unentdeckt geblieben wären und zur weiteren Verbreitung beigetragen hätten. „So aber können wir hier bewusst gegensteuern“, so Marek Leczycki.

Die Reihentests werden in den nächsten Wochen im Pflegezentrum Walter-Kobold-Haus in Düsseldorf-Wittlaer sowie Wohnhäusern des Heilpädagogischen Verbunds fortgeführt. „Erhöhte Infektionszahlen nehmen wir gern in Kauf, wenn wir dadurch den Schutz der bei uns versorgten Risikogruppen sicherstellen können“, sagt Joachim Köhn, Leiter der Graf Recke Wohnen & Pflege. Auch in der Jugendhilfe würde der Leiter der Graf Recke Erziehung & Bildung, Michael Mertens, gerne mehr testen, wenn die Finanzierung über das Bundesgesundheitsministerium rechtsicher geklärt ist. „Diese wichtigen Testungen dürfen nicht aufgrund mangelnder finanzieller Mittel eingeschränkt werden“, betont Mertens.

Antikörpertests in Kitas

Neben der Reihentestung nach aktivem SARS-CoV-2 Virus wurde in der Graf Recke Stiftung auch ein Feldversuch in den Düsseldorfer Einrichtungen der Graf-Recke-Kindertagesstätten gGmbH durchgeführt. Dabei wurden die Mitarbeitenden der Kitas mittels Blutabnahme auf Antikörper getestet. Mit dieser Stichprobe sollte herausgefunden werden, ob es in der Graf Recke Stiftung möglicherweise ein unbemerktes breites Infektionsgeschehen gegeben habe. Bei allen 14 getesteten Personen wurden keine Antikörper gegen das Coronavirus gefunden.

„Wir können die Ausbreitung des Virus nicht stoppen, nur minimieren“, sagt Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke Stiftung, der die Lockerungen der Coronamaßnahmen mit Sorge betrachtet. Sein Appell an die Mitarbeitenden der Graf Recke Stiftung: „Das Virus ist nicht weg, es verbreitet sich weiter. Deshalb gilt auch das Motto unserer Kampagne weiterhin: Schützen deinen Nächsten wie dich selbst.“

Foto: Graf-Recke-Stiftung

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