Corona: Handwerk hält bei der Ausbildung Kurs

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Düsseldorf. Zwei Drittel (65 Prozent) der Nachwuchs suchenden Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Düsseldorf (entspricht demRegierungsbezirk) ist es trotz der erschwerten Ausbildungs-Anbahnung während der Corona-Krise in diesem Jahr gelungen, Auszubildende neu einzustellen. Immerhin sieben Prozent der Befragten Firmen meldeten sogar eine höhere Frequenz an Bewerbungen als in „normalen“ Jahren. Und ein Viertel (24 Prozent) der Ausbildungsbetriebe würde auch jetzt, nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres, noch einen oder mehrere Azubis einstellen; nur elf Prozent zögern aufgrund der Pandemie noch, neue Lehrlinge aufzunehmen. Dies sind die wichtigsten Erkenntnisse einer aktuellen Umfrage der HWK Düsseldorf im Handwerk an Rhein, Ruhr und Wupper auf Basis von 465 antwortenden Unternehmen.

36 Prozent der Unternehmen verzeichnete eine rückläufige Nachfrage nach den offerierten Ausbildungsplätzen. Gut jeder vierte Betrieb (27 Prozent) beklagt dabei explizit negative Auswirkungen des Lockdowns und der erschwerten Kontaktanbahnung auf die eigene Nachwuchssicherung; diese sei in diesem Frühjahr deshalb mit größeren Schwierigkeiten als in den Vorjahren verbunden gewesen. Im Ergebnis konnten 17 Prozent der Unternehmen mit Stellenangeboten bis dato noch keinen Ausbildungsplatz neu besetzen.

Während vor allem die kleinbetrieblich strukturierten Kreativ-Branchen zögerlich waren bei der Einstellung, erhielten das prosperierende Baugewerbe und die Lebensmittelhandwerke ihr Angebot ungeschmälert aufrecht; Bäcker, Fleischer und Konditoren allerdings mit im Branchenvergleich unterdurchschnittlichem Erfolg. „Aufs Ganze gesehen – über alle Branchengruppen des Handwerks hinweg – verlief die Suche nach Bewerberinnen und Bewerbern dennoch nicht dramatisch anders als in den Vorjahren“, fasste der für Berufsbildung zuständige Geschäftsführer der Handwerkskammer, Dr. Christian Henke, die Entwicklung auf dem handwerklichen Ausbildungsmarkt zusammen.

Jedes siebte Unternehmen (14 Prozent) probierte angesichts der Kontaktbeschränkungen bei der Suche nach Auszu-bildenden neue Wege aus: die Hälfte von ihnen nutzte dabei Online-Werbekanäle wie Social Media, annoncierte auf der Website oder auf Ebay oder stellte ihr Angebot in Job- bzw. Ausbildungsplattformen ein. Ein weiteres Drittel setzte auf gute analoge Sichtbarkeit in Form von Aufklebern auf Firmenfahrzeugen, Mitarbeiterprämien, „Beackern“ des persönlichen Netzwerks, Schulpräsentationen (vor Corona) sowie auf Radio- und Printwerbung.

„Besonders optimistisch stimmt mich, dass 65 Prozent der antwortenden Firmen und damit der absolute Großteil der befragten Unternehmen unverändert stark auf Betriebspraktika bauen, um Schulabgängern Erfahrungsmöglichkeiten mit dem Berufswunsch und den Ausbildungsgängen zu verschaffen und auf diese Weise den Qualifizierungseinstieg zu erleichtern“, zeigte sich Henke optimistisch, dass sich das Matching von Angebot und Nachfrage in den nächsten Wochen noch einmal merklich beleben lässt. „Voraussetzung dafür ist, dass auch Interessierte und noch Unversorgte den direktesten Weg wählen – das heißt am besten in Ausbildungsbetrieben persönlich vorsprechen.“ Die Kammer hat mit den Berufsschulen im Bezirk verabredet, dass Ausbildungsanfänger noch bis Ende November ins Ausbildungsjahr einsteigen können.

Die HWK weist darauf hin, dass Corona-bedingte Sorgen vor einer Berufslehre im Handwerk unbegründet seien; „die Ausbildungsunternehmen sind bestens auf die Abstands- und alle anderer Gesundheitsvorkehrungen eingestellt, haben sich großenteils bereits während des Lockdowns als einzige Bildungsstätten weiter um die Auszubildenden gekümmert,“ so Henke. Berührungsängste könnten am besten direkt vor Ort, im Kennenlerngespräch im Wunschbetrieb oder eben in einem Praktikum abgebaut werden.

Gut 1000 Ausbildungsplätze in über 50 Ausbildungsberufen des Handwerks sind auf der Online-Lehrstellenbörse der HWK noch verfügbar: www.handwerk-lehrstelle.de.

Foto: Pixabay

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