Chronische Schmerzen kennen kein Corona

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Ratingen. So schlimm er sein kann – so will er doch nur helfen: der Schmerz. Er ist ein Warnsignal. Er signalisiert, dass mit unserem Körper etwas nicht stimmt. Ein Signal, das für unser Überleben wichtig ist. Wenn Schmerzen aber chronisch werden, können sie uns massiv belasten und jeden Tag zu einer Qual werden lassen.

Der chronische Schmerz beeinflusst die Lebensqualität. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft berichten rund 23 Millionen Deutsche über chronische Schmerzen. Bei sechs Millionen Betroffenen sind die chronischen Schmerzen so stark, dass sie den Alltag und das Berufsleben nachhaltig beeinträchtigen.

Das Schmerzzentrum der Fachklinik 360° in Ratingen bietet für Patienten mit chronischen Schmerzen effektive Hilfe unter Einhaltung aller vom Robert-Koch Institut (RKI) empfohlenen Sicherheitsmaßnahmen. Klaus-Peter Renckhoff, Chefarzt des Ratinger Schmerzzentrums, und die Leiterin des Departments für spezielle Schmerztherapie, Cornelia von Laue-Jandt, beantworten wichtige Fragen rund um Chronifizierung von Schmerzen und die Möglichkeiten der Therapie.

Warum haben wir überhaupt Schmerzen?
Schmerzen sind ein lebenswichtiges Warnsignal unseres Körpers, das uns vor möglichen Gefahren schützen soll. Wie bei einem Kind, das auf eine heiße Herdplatte fasst. Die Schmerzen sollen uns darüber informieren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie sollen uns dazu bewegen, den Körper vor weiteren Schäden zu bewahren, etwa indem die Hand von der heißen Herdplatte gezogen, oder ein gebrochenes Bein entlastet wird. Entscheidend ist die Frage, wie und warum aus dem akuten ein chronischer Schmerz wird und wann der Patient zu einem speziell weitergebildeten Schmerzmediziner gehen sollte.

Was ist chronischer Schmerz?
Schmerzen werden als chronisch bezeichnet, wenn sie wiederkehrend oder anhaltend über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten auftreten. Chronische Schmerzen haben ihre Warnfunktion verloren. Sie können zu einem bestimmenden Teil des Lebens werden und alle Lebensbereiche beeinträchtigen – mit weitreichenden Folgen wie dem Verlust des Arbeitsplatzes. Neben den körperlichen Faktoren spielen bei chronischen Schmerzen in vielen Fällen auch seelische und soziale Faktoren eine Rolle. Alle diese Faktoren können auf die Empfindung von Schmerzen wirken. Auch die Art und Weise mit der das Umfeld, beispielsweise der Ehepartner oder Arbeitskollegen, auf das Schmerzverhalten reagiert, kann das Schmerzerleben – positiv wie negativ – beeinflussen. Wenn seelische und soziale Anteile frühzeitig bei der Therapie berücksichtigt werden, können oft unnötige Operationen oder unwirksame Medikamentengaben vermieden werden.

Was passiert bei einer Schmerztherapie?
Bei einer Chronifizierung kann der Schmerz zum eigenständigen Krankheitsbild werden. Körper und Kopf lernen den Schmerz, sie verinnerlichen ihn. Dadurch verfestigt sich der Schmerz und es entsteht ein Schmerzgedächtnis. Diesen Kreislauf wollen wir mit Hilfe der multimodalen Schmerztherapie durchbrechen. Dabei arbeiten bei uns unterschiedliche Fachbereiche mit ihren Therapieansätzen Hand in Hand. Medikamente können neu eingestellt und angepasst werden. Unsere interventionelle Therapie erfolgt unter Bildsteuerung mit der Computertomographie (CT). Außerdem gehören zur Behandlung die tägliche Physiotherapie, Angebote wie Entspannungstherapie und Yoga oder auch die psychologische Schmerztherapie. Hier erfahren die Patienten, warum Schmerzen und Emotionen oft Hand in Hand gehen und welche Schmerzbewältigungsstrategien effektiv im Alltag funktionieren. Wir setzen zudem auf innovative Therapieformen. Bei der Kniearthrose kann beispielsweise die Blut-Egel-Therapie zum Einsatz kommen, um Schmerzen spürbar zu lindern und Operationen so lange wir möglich zu vermeiden.

Was ist die multimodale Schmerztherapie?
Bei der stationären oder teilstationären Schmerztherapie in der Ratinger Fachklinik 360° behandeln wir chronische Schmerzen, bei denen vorangegangene Behandlungen nicht ausreichend Wirkung gezeigt haben. Wir setzen dabei auf ein intensives Konzept: unterschiedliche Fachdisziplinen mit ihren verschiedenen Ansätzen arbeiten gleichzeitig und gemeinsam an der Genesung des Patienten – das ist der multimodale Ansatz. Durch diese Zusammenarbeit gelingt es in der Regel, effektive und nachhaltige Erfolge zu erzielen.

Wie sind die Aussichten auf ein Leben ohne Schmerz?
Der Schmerz hat sich meist über Monate aufgebaut, daher braucht auch eine effektive Schmerztherapie ihre Zeit und der Patient Geduld. Ziel ist es, unsere Patienten zu motivieren, zu aktivieren und ihnen wieder zu mehr Lebensqualität zu verhelfen. Und natürlich auch die Schmerzen zu lindern. Wir geben den Patienten Hilfsmittel und Strategien zur Schmerzbewältigung an die Hand. Wir können aber nur Türöffner sein: Die Hauptarbeit muss der Patient selbst leisten.

Dr. Cornelia von Laue-Jandt (Foto: Fachklinik 360°)

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