Christian Lüdecke hat Respekt vor Bären

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Lintorf. Seit Jahren wandert oder paddelt Christian Lüdecke (36) Sommers wie Winters allein durch die skandinavische Wildnis. Im vergangenen Jahr zog es ihn erstmals in die kanadische Einöde des Yukon-Territoriums. Am meisten sorgte er sich bei der Planung der Reise und vor allem während der Reise wegen der Bären. „Als ich am Morgen mit herunter gelassener Hose im Wald hockte, dachte ich: Was machst du, wenn jetzt ein Bär kommt“, erzählte er am Dienstagabend fast 60 Lintorfer Heimatfreunden. Sie hörten sich den sehr spannenden und äußerst lebendig vorgetragenen Reisebericht des Lintorfers an, bevor sie ihn mit vielen Fragen löcherten.

Andreas Preuß, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Lintorfer Heimatfreunde (VLH), bedankte sich bei Christian Lüdecke zu Beginn, dass er kurzfristig für einen ausgefallenen Referenten eingsprungen sei.

„Ich habe die Bilder nicht gemacht, um sie hinterher in einem Vortrag zu zeigen“, entschuldigte sich der gelernte Tischler zunächst. Dann berichtete er von den Reisevorbereitungen und seiner Angst vor den Bären in Kanada. Und die verschwand während der 14 Tage allein im Paddelboot auf dem Yukon auch nicht.

Anschaulich erklärte Lüdecke, wie ein Lager eingerichtet werden müsse, damit die Bären sich nicht dem Zelt nähern. Die Lebensmittel sollten möglichst mindestens 100 Meter entfernt vom Zelt gelagert werden. Die „Küche“ sollte ebenso weit vom Zelt in der entgegengesetzten Richtung entfernt sein.

Und dann die erste Begegnung mit einem riesigen Braunbär: Christian Lüdecke im Paddelboot auf dem Yukon, der Bär am Ufer mit irgendetwas beschäftigt. „Als er mich sah, stellte er sich auf seine Hinterbeine und schaute mich an“, erzählt Lüdecke dem gespannt zuhörenden Publikum. „Ich dachte, er überlegt, wie er am Besten durchs Wasser zu mir kommt.“ Tatsächlich drehte der Bär sich um und verschwand im Wald. Der Bär habe sich nur aufgerichtet, um besser sehen zu können, wisse er heute, so Lüdecke.

780 Kilometer ist Christian Lüdecke auf dem Teslin-Fluss und dem Yukon gefahren. Zwei „Städte“ gab es auf der Strecke: Carmacks und Dawson City. Gestartet ist Lüdecke in Johnsons Crossing, einer Brücke über den Teslin. Bis Carmacks, einer Siedlung mit nicht ganz 500 Einwohnern, sind es auf dem Fluss knapp 400 Kilometer. „Dazwischen ist nichts, überhaupt nichts, nur Natur“, so Christian Lüdecke.

Und zwischen Carmacks und dem Ziel Dawson City ist auch nicht mehr. Im Yukon Territorium, das rund ein Drittel größer ist als Deutschland, leben insgesamt knapp 40.000 Menschen, fast drei Viertel davon in der Hauptstadt Whitehorse. Dawson City, das Ziel der spektakulären Reise durch die nordische Einsamkeit, ist die zweitgrößte Stadt und hat immerhin 1300 Einwohner. In Carmacks gibt es immerhin einen Supermarkt. Die einzige Gelegenheit während der Reise, die Lebensmittelvorräte aufzufüllen.

Wie er das mit frischer Kleidung geacht habe, wollte einer der Zuhörer am Ende des über zweistündigen, aber äußerst kurzweiligen Vortrags wissen. „Viel Platz für Gepäck ist im Boot nicht“, gesteht Lüdecke. Außer dem Hemd und der Hose, die er trage, habe er noch eine Ersatzgarnitur dabei.

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