Chefarzt operiert Neunjährige aus Afghanistan

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Kaiserswerth. Als Malika 2016 nach Deutschland kam, konnte sie sich nur robbend fortbewegen oder musste sich tragen lassen. Beide Beine waren vernarbt und verdreht, die Füße kaum noch als solche zu erkennen. Malika hatte sich an der offenen Feuerstelle ihres Hüttendorfes in Afghanistan schwer verbrannt. Die extremen Vernarbungen verhinderten, dass Knochen und Sehnen weiter wachsen konnten. Für einen Laien kaum vorstellbar, dass das Kind jemals wieder auf eigenen Beinen stehen könnte – für den Mediziner Daniel Frank, Experte für Fußchirurgie am Florence-Nightingale-Krankenhaus, schon. Er operierte Malika mithilfe von Spenden des Nothilfefonds der Kaiserswerther Diakonie. Heute kann Malika wieder laufen.

„Als ich Malika sah, gingen in meinem Kopf gleich die Überlegungen los, wie wir am besten vorgehen könnten. Es war schon eine Herausforderung, da es sich um Langzeitschäden handelte, aber es war machbar“, so der Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Handchirurgie Frank. Gemeinsam mit dem Team der plastischen Chirurgie löste er Narben, verschob Gewebe, verpflanzte Hautpartien, verlängerte Sehnen und fixierte  die Beine mit einem eigens angefertigten Gestell. Das Geld dafür – insgesamt mehr als 60.000 Euro – kommt aus dem eigens für diesen Zweck eingerichteten Nothilfefonds der Kaiserswerther Diakonie. Krankenkassen bezahlen solche Operationen für ausländische Kinder nicht. Für Malika haben sich vier Spender besonders stark gemacht: Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“, der Lions Club Düsseldorf-Kaiserswerth, der Rotary Club Düsseldorf-Schlossturm, die Smith & Nephew GmbH sowie das Sanitätshaus Curt Beuthel GmbH & Co. KG.

Zurzeit ist Malika im Friedensdorf International, wo sie sich von den insgesamt zwölf Operationen erholen kann. Tatsächlich merkt man ihr die Strapazen gar nicht richtig an. Die Neunjährige ist wie andere Mädchen in ihrem Alter: Sie liebt Disneyfilme, malt gerne Mandalas und wäre gerne eine Prinzessin. Und wenn ihr etwas nicht passt, wenn man den Fernseher zum Beispiel ausmacht, wird sie auch schon mal ganz schön borstig und ist gar nicht mehr prinzessinnen-lieb. „Das sollen sie auch ruhig sein: selbstbewusst und wehrhaft“, so die Kinderkrankenpflegerin Kristin vom Florence-Nightingale-Krankenhaus, „sonst könnten sie die lange Zeit ohne Eltern nicht so gut überstehen.“ „Das sind schon sehr starke kleine Persönlichkeiten“, bestätigt ihre Kollegin Janina, „Malika zum Beispiel konnten weder Rollstuhl noch Metallgestell an ihrem Bein davon abhalten, allein ins Bad zu kommen. Erst, als sich der Rollstuhl hoffnungslos verkantet hatte, hat sie um Hilfe geklingelt.“ Auch wenn die kleinen Patienten aus Afghanistan, Syrien oder dem Irak mehr Aufmerksamkeit und Betreuung brauchen, für die Kinderkrankenpflegerinnen der Kaiserswerther Diakonie sind sie alles andere als eine Belastung: „Diese Kinder brauchen alles, was wir in unserer Ausbildung gelernt haben – Rundumbetreuung von der Grundpflege über die Beschäftigung bis zur emotionalen Zuwendung – und das geben wir wirklich gerne.“  Für eine Zeitlang seien sie Mama- und Papa-Ersatz, sagen Janina und Kristin, da entwickele sich dann schon eine besondere Beziehung.

Auch Daniel Frank empfindet die Arbeit mit den oft schlimm verletzten Kindern als Bereicherung. „Es macht einen sehr nachdenklich und demütig, wenn man das Schicksal dieser Kinder sieht. Und es macht mich froh, dass ich es mit meinen chirurgischen Mitteln zum Besseren wenden kann.“ Bei Malika wird es so sein. Wenn sie nach Afghanistan zu ihren Eltern und den vielen Geschwistern zurückkehrt, wird sie nicht mehr darauf angewiesen sein, dass jemand von ihrer Familie sie trägt. Sie wird ihnen aufrecht entgegengehen können. Und der, der das medizinisch möglich gemacht hat, wünscht es Malika auch im übertragenen Sinne: Dass sie im Leben auf ihren eigenen Füßen stehen kann.

Um Kinder aus Kriegs- oder Krisengebieten zu ermöglichen, von Fachärzten im Florence-Nightingale-Krankenhaus behandelt zu werden, hat die Förderstiftung der Kaiserswerther Diakonie den „Kindernothilfefonds“ eingerichtet. Mit Spenden werden Kosten für solche Behandlungen finanziert, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Wer Kindern wie Malika helfen möchte, kann dies mit einer Spende bei der Förderstiftung der Kaiserswerther Diakonie tun: unter dem Kennwort „Kindernothilfefonds“ bei der KD-Bank Bank für Kirche und Diakonie (IBAN DE61 3506 0190 0000 6506 50).

Foto: Rendel Freude

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