Charly Mentzen hinterlässt tiefe Spuren

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Lintorf. Als der Schriftsteller Bertolt Brecht einmal gefragt wurde, was er später auf seinem Grabstein stehen haben wollte, war seine Antwort: „Er hat Spuren hinterlassen!“ Dieser Spruch könnte auch über dem Leben von Charly Mentzen stehen, der am 24. Januar die Bühne seines Lebens verlassen hat.

Ein Lebensmittelpunkt war seine Familie, die er auch mit Hilfe seines Handys zusammengehalten hat. Nach dem Tod seines älteren Bruders Josef hat er diese Aufgabe wie selbstverständlich übernommen. Einigen Familienmitgliedern werden seine fast täglichen Anrufe sehr fehlen.

Schon vor einigen Jahren hat er mit seiner Frau Friedel, der Familie seiner Tochter Anja und Freunden im Gasthaus „Bürgershof“ seine Goldhochzeit gefeiert.

Sein Hund Falk war vollwertiges Mitglied der Familie. Zweimal täglich sah man Charly und Falk gemächlich rund um Lintorf spazieren gehen. In Phasen besonderer Harmonie nannte Charly seinen geliebten Rauhaardackel „Falk Mentzen“.

Ein Ziel seiner Wanderungen mit Falk war immer wieder „seine“ Korbweide im Soestfeld, die er seit fast 20 Jahre pflegte und am Leben hielt. Der jährliche Schnitt wurde immer mit Freunden bei Bier und Würstchen durchgeführt.

Neben der Familie war der Beekerhof eine wichtige Konstante in seinem Leben. Dies machte er deutlich, als er an einem der letzten Denkmaltage den Lintorfer Heimatfreunden vom früheren Leben auf dem Beekerhof erzählte. In einer Sendung von Radio Neandertal bezeichnete er das Leben dort mit seinen Jugendfreunden als Paradies.

Das Telefon war auch in seiner Firma, die er gemeinsam mit seiner Tochter Anja auf dem Beekerhof führte, sein Handwerksgerät. Seine sehr individuelle Art der Kundenbetreuung, die er am Telefon unverwechselbar gestaltete, wird vielen Kunden sicherlich zunächst einmal fehlen.

Seinem großen Freundes- und Bekanntenkreis, den er ebenfalls oft mit Anrufen bedachte, werden diese Anrufe sicherlich auch fehlen. „Einfach nur mal so“ rief er an und stellte sofort eine harmonische Verbindung her.

Mit den Lintorfer Handballern gab es ebenfalls eine große Verbundenheit. Als etwa Zwölfjähriger begann er für viele Jahre aktiv Handball zu spielen. Viele Gegenspieler werden sich nur ungern an diesen kompromisslosen Verteidiger erinnern. Nach seiner aktiven Karriere begann seine Zeit als Manager, in der er die Lintorfer Handballer zu wahren Höhenflügen führte. In der ausverkauften Halle am Breitscheider Weg waren unter anderem die russische Nationalmannschaft und die damals weltbeste Vereinsmannschaft aus Gummersbach zu Gast. Bis zuletzt blieb er den Lintorfer Handballern als Ratgeber und Förderer eng verbunden.

Der Sport war überhaupt „sein Ding“. Da gab es eine enge Verbundenheit zu einem Verein, der in Lintorf eigentlich keine Rolle spielt: Bayer Leverkusen. Er war Mitglied dieses Vereins und Dauerkarteninhaber. So saß er seit Jahren bei Heimspielen mit seinem Freund Franz Jüntgen auf seinem angestammten Tribünenplatz und fieberte mit seiner Mannschaft.

Dienstags schwang er mit seinem Bruder Peter und alten Freunden den Tennisschläger in der Halle des LTC. Hierbei war ihm aber die Geselligkeit im Vereinslokal nach dem Spiel wichtiger als die sportliche Betätigung.

Geselligkeit wurde auch donnerstags am Stammtisch in Gut Porz gepflegt. Bei leckerem Bier und gutem Essen wurde Lintorfer Politik gemacht. Mit seinen launigen Beiträgen sorgte er stets für gute Stimmung. Bei den jährlichen Bootsurlauben des Stammtisches war er ein unverzichtbarer Teil seiner Bootsbesatzung. Das lag weniger an seinem seefahrerischen Geschick als an seinem nicht unerheblichen Beitrag zu einer guten Stimmung an Bord.

Charly war Mitglied des Lintorfer Schützenvereins. Gemeinsam mit seinem Bruder Josef und einigen Freunden hat er das Prinz-Eugen-Corps gegründet. Er war bis zuletzt zuverlässiges Mitglied dieser Formation und war sowohl Kronprinz als auch König der Bruderschaft. Auch hier wird er eine große Lücke hinterlassen.

Das wird sicherlich auch in seinem geliebten Aulenhausen im Taunus der Fall sein. Seit mehr als 70 Jahren hat die Familie Mentzen dort eine Jagd gemietet und ist fester Bestandteil des Dorflebens. Das ganze Dorf wird von seiner Firma mit Heizöl beliefert und noch vor kurzem kam Charly Mentzen mit einer Freundesgruppe zu einem Boule-Wettkampf nach Aulenhausen. Das anschließende gemütliche Beisammensein zeigte die große Verbundenheit mit diesem Dorf und seinen Bewohnern. Auch bei den jährlich durchgeführten Treibjagden, die seit ein paar Jahren sein Neffe Peter veranstaltet, werden viele Dorfbewohner mit eingebunden.

Eine Reaktion auf die Nachricht von Charlys Tod ist typisch: „Man kann es nicht glauben, ein Kerl wie ein Baum, eine starke Persönlichkeit.“ Einer seiner Freunde drückte seine Trauer aus mit den Worten: „Lintorf ist durch Charlys Tod ärmer geworden!“

Fotos: privat

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