Bohrung in unbekannte Tiefen

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Wülfrath. Im Düssel startet eine außergewöhnliche geologische Kernbohrung. Die voraussichtlich 200 Meter lange Bohrung ist Teil eines international ausgerichteten EU-Projektes zur Erkundung der tiefengeothermischen Potenziale in Nordwesteuropa. Die Nutzung regenerativer und klimaschonender Energien soll dadurch ausgebaut werden.

„Wir erwarten wichtige Erkenntnisse über die geothermischen Eigenschaften der Gesteine“, so Martin Salamon, Leiter des EU-Interreg-Projektes und der Geowissenschaftlichen Landesaufnahme im Geologischen Dienst. Die Bohrung dauert voraussichtlich vier Wochen. Nach Abschluss des Bohrvorgangs erfolgt eine geophysikalische Vermessung des Bohrlochs. Damit werden unter anderem Daten zu den Gesteinseigenschaften und den Grundwasserverhältnissen erfasst. Die genaue Bohrkernaufnahme mit der wissenschaftlichen Dokumentation der Gesteinsabfolge findet im Geologischen Dienst in Krefeld statt.

Mit der Kernbohrung werden gezielt die 330 bis mehr als 361 Millionen Jahre alten Gesteine aus der Unterkarbon- und Oberdevon-Zeit erkundet. Sie entstanden aus Meeresablagerungen und sind in der Region sehr wechselhaft ausgebildet: Alaunschiefer, Ton-, Schluff-, Sand-, Kalk- und Dolomitstein kommen im Untergrund vor. Insbesondere die Gesteinsabfolge des Unterkarbons mit ihrem großen Potenzial für hydrothermale Geothermie lagert in Nordrhein-Westfalen zumeist in großer Tiefe und wurde bisher kaum untersucht.

Bei Wülfrath-Düssel kommt sie allerdings in einer geologischen Muldenstruktur direkt unterhalb der Oberfläche vor und bietet sich deshalb für eine Erkundung an. Um die hier steil lagernde Abfolge möglichst senkrecht zur Schichtung zu durchbohren, wird die Bohrung in einem Winkel von 60 Grad angesetzt. So spart man Bohrmeter und erhält in den Bohrkernen wirklichkeitsgetreue Schichtmächtigkeiten. Mit weiteren Untersuchungen lassen sich Eigenschaften wie Korngröße, Porosität, Chemismus und insbesondere die Wärmeleitfähigkeit im Labor ermitteln. Die Ergebnisse geben Aufschluss, ob das geothermische Potenzial der Gesteine für die Gewinnung umweltfreundlicher Wärme ausreicht – insbesondere dort, wo sie in größerer Tiefe lagern.

Die EU fördert das innovative Forschungsprojekt zur Nutzung der tiefen Geothermie. Rund 19 Millionen Euro beträgt das Budget für das gemeinsame Interreg-NWE-Projekt mit 20 Partnern aus sechs Nationen. Unter der Projektleitung des Geologischen Dienstes NRW sollen bis Ende 2022 Grundlagen einer klimaschonenden Wärmegewinnung ermittelt werden. Ziel des Projektes ist es, den Markt für die tiefe Geothermie in Nordwesteuropa zu bereiten, Projekte zu fördern und die dazu notwendigen geologischen Potenziale zu erkunden.

Der Ausstoß von Kohlendioxid muss auch im Energieland NRW reduziert werden. Tiefengeothermie bietet die Möglichkeit, große Energiemengen zur Hochtemperatur-Wärmeversorgung von energieintensiver Infrastruktur wie Industrieparks klimaschonend bereitzustellen. Das Bundesland verfügt über sehr hohe Potenziale für eine ökonomische und sichere Nutzung von tiefer Erdwärme. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, die vorhandenen Fernwärmenetze von Kraftwerksstandorten mit einer alternativen Energieform weiter zu nutzen.

www.gd.nrw.de/ge_eb_aktuelle-kernbohrungen.htm

Foto: Geologischer Dienst

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