Beirat prüft Düsseldorfer Straßennamen

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Düsseldorf. Einstimmig und fraktionsübergreifend hat der Kulturausschuss ein Konzept beschlossen, nach dem die Namen von öffentlichen Straßen und Plätzen in Düsseldorf geprüft werden sollen. Immer wieder kommt es zu Zweifelsfällen, ob die Menschen, nach denen Straßen benannt wurden, eine nationalsozialistische, rassistische oder koloniale Vergangenheit haben und ob sie auch in Zukunft geeignet erscheinen, als gesellschaftliches Vorbild zu gelten. Von den knapp 3500 Düsseldorfer Straßennamen sind etwa 30 Prozent nach Personen benannt. Diejenigen, die nach 1870 verstorben sind, werden geprüft.

Beschlossen wurde die Einrichtung eines wissenschaftlichen Beirats, in dem Historiker und alle Ratsfraktionen vertreten sind und in dem die Prüfung einzelner Straßennamen diskutiert wird. Dieser Beirat – geleitet von Benedikt Mauer (Leiter des Stadtarchivs) und Bastian Fleermann (Leiter der Mahn- und Gedenkstätte) – hat im Sommer 2018 seine Arbeit aufgenommen: Prüfungen können von ihm empfohlen werden, tatsächliche Umbenennungen kann am Ende jedoch nur der Stadtrat beschließen.

Die Namen von Düsseldorfer Straßen, Plätzen und Wegen sind Ausdruck der wechselvollen Stadtgeschichte der vergangenen Jahrhunderte. Die Benennungen finden oder fanden immer in einem gesellschaftlich-historischen Kontext statt. Mentalitäten, politische Entwicklungen, zentrale Ereignisse (positiv wie negativ), große gesellschaftspolitische Themen, ökonomische Konjunkturen sowie kulturelle, literarische oder künstlerische Strömungen spielen und spielten hierbei entscheidende Rollen.

Im Falle von Personennamen werden Straßennamen unter folgendem Grundsatz verliehen: Die betreffende Person sollte Vorbildcharakter in einem positiven Bezugsrahmen haben; ihr Name soll moralisch-ethische Orientierung bieten und auf eine politische, soziale, kulturell-künstlerische oder ökonomische Leistung verweisen, die es rechtfertigt, die Person mit einer Straßenbenennung zu würdigen. Neben Auszeichnungen (Ehrenbürgerwürde, Jan-Wellem-Ring, Martinstaler usw.) stellen Straßenbenennungen für die kommunale Selbstverwaltung ein wichtiges Instrument der öffentlichen Würdigung dar. In den meisten Fällen wurden Straßennamen posthum verliehen.

Insgesamt fast 3500 benannte Straßen, darunter auch Privatstraßen, gibt es in Düsseldorf. Der mit etwa 70 Prozent überwiegende Anteil der Straßen, Wege und Plätze ist personenunabhängig, etwa nach historischen Ortsbezügen, Städten, Pflanzen oder Baumarten, benannt. Dann folgen die Benennungen nach Männern mit einem Anteil von 27 Prozent und nach Frauen mit drei Prozent.

Der Kulturausschuss beauftragte das Stadtarchiv und die Mahn- und Gedenkstätte mit der Prüfung. Beide städtischen Institute werden durch eine zeitlich befristet angestellte Projektmitarbeiterin unterstützt. Ein wissenschaftlicher Beirat begleitet den Prüfungsprozess.

Das gesamte Straßenverzeichnis wurde hinsichtlich der oben genannten Kriterien durchgearbeitet. Derzeit werden knapp 100 Gutachten erstellt, die Liste ist aber nicht „geschlossen“. Es existiert kein Automatismus zur Umbenennung, falls eines oder auch mehrere der oben genannten Kriterien zutreffen sollten. Die betreffende Person oder Bezeichnung ist selbstverständlich in ihrem historischen Kontext zu sehen. Eine einzelne Kategorien isoliert betrachtende Bewertung oder eine solche nach ausschließlich gegenwärtigen Moralvorstellungen wäre unwissenschaftlich. Zudem findet ein Abwägungsprozess statt, der das Spannungsverhältnis von zeitgenössischer Ehrung und notwendiger, auch unbequemer, gegenwärtiger Erinnerung in den Blick zu nehmen hat.

Nicht geprüft werden Personen, die vor 1870 gestorben sind (Beispiel: Fabriciusstraße, Heresbachstraße, Maximilian-Weyhe-Allee) sowie vormoderne Herrscher (Beispiel: Merowingerstraße, Stephanienstraße, Kaiserstraße, Graf-Adolf-Platz, Carlsplatz). Diese Straßennamen werden nicht geprüft, da hier die Bewertungskriterien einer parlamentarisch-demokratischen, aufgeklärten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts nicht angelegt werden können. Selbstverständlich werden Funktionsnamen (etwa Marktplatz, Zollstraße), Tier- und Planzennamen (Fichtenstraße, Dachsweg), Topographie- und Flurnamen (Auf’m Hennekamp) nicht geprüft. Ortsnamen wie Berliner Allee oder Kölner Straße werden ebenfalls in der Regel nicht geprüft. Ausnahmen sind Bezeichnungen mit kolonialgeschichtlichen oder militärhistorischen Bezügen wie Sedanstraße oder Spichernplatz.

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