AWO: Langsame Rückkehr zum Alltag

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Kreis Mettmann. Der Kreisverband Mettmann der AWO unterhält zahlreiche Dienste und Einrichtungen. Nach den Lockerungen der Corona-Beschränkungen werden immer mehr Bereiche hochgefahren. Sie umfassen Angebote, Projekte und Maßnahmen von Jung und Alt in drei Gesellschaften und dem Kreisverband mit seinen 13 Ortsverbänden in den Städten im Kreis Mettmann.

„Die Umsetzung aller pandemie-bedingten Maßnahmen kostet viel Kraft“, resümiert Hildegard Schröder, Geschäftsführerin des AWO Kreisverbandes. Sie ist täglich damit befasst, die Rahmenbedingungen anzupassen und mit ihren Fachbereichsleitungen umzusetzen. Ebenso beschäftigt sich der Vorstand intensiv mit der allmählichen Rückführung der Angebote zur Normalität. Von einem regulären Betrieb kann dennoch keine Rede sein. Klaus Kaselofsky, Vorsitzender des Kreisverbandes, stellt fest, „Corona stellt unsere Solidarität auf die Probe. Der Shutdown war einfacher zu realisieren, weil die Regeln streng und konsequent waren. Die Lockerungen bringen ein Dickicht an Regeln und Sorgfaltspflichten mit sich. Zu unterschiedlich ist die Vorgehensweise in den verschiedenen Bereichen.“

Seit letzten Montag dürfen wieder alle Kinder in die Kindertageseinrichtungen kommen. Damit gehen allerdings einige Probleme einher. So erreichen die Einrichtungen zwar wieder die gleiche Anzahl an betreuten Kindern, die vor dem Ausbruch der Pandemie die Kindergärten besuchten. Indessen wird die ohnehin angespannte Personaldecke weiter strapaziert. Die Reduzierung der Betreuungszeiten führt zwar zu einer Entlastung der Fachkräfte, stellt aber für die Eltern eine Belastung dar. Der „eingeschränkte Regelbetrieb“ bringt auch Veränderungen im pädagogischen Konzept mit sich. Die Kinder müssen in homogenen Gruppen betreut werden. Für den Alltag gibt es zahlreiche Handlungsanweisungen zur Hygiene, zum Infektionsschutz, zur Bring- und Abholsituation, Datenerfassung, zu den pflegerischen Tätigkeiten und zu vielem mehr. Selbst die Bereitstellung der Nasen-Mund-Masken vom Land ist eine Herausforderung. Der größte Teil wurde als Bausatz mit Einzelteilen und Anleitung geliefert. Die bastelerprobten Erzieherinnen schwanken zwischen Lachen und Weinen angesichts des Aufwands dieser zusätzlichen Aufgabe.

Nicht viel anders verhält sich bei der Schulkinderbetreuung in den Grundschulen zum „normalen“ Alltag. Auch hier ist die personelle Situation angespannt. Das veränderte Prinzip, wenn ab Montag wieder alle OGS-Schüler in die Betreuung dürfen, lautet „Gruppenprinzip statt Abstandsprinzip“. Bisher konnte die Abstandsregel aufgrund der Notbetreuung räumlich und personell gut eingehalten werden. Nach den aktuellen Erkenntnissen zur Ansteckungsgefahr von Kindern darf es wieder die Betreuung in Gruppen geben.

Die äußerst kurzfristig verfügte Öffnung des Schulbetriebs bringt eine ganze Reihe von Abstimmungen und Maßnahmen mit sich. Auch im OGS-Betrieb kann nicht wirklich von Normalität gesprochen werden. Für die Kinder ist die allmähliche Öffnung wichtig, um die Folgen der Kontakteinschränkungen und Restriktionen für sie, ihre Bildung und soziale Situation zu reduzieren. Unterdessen sind die Auflagen mit viel Aufwand verbunden. Die individuelle Abstandswahrung von mindestens 1,5 Meter wird ersetzt durch Gruppen im Unterricht und in der Schulkinderbetreuung. Das hat insbesondere Auswirkungen auf Raumnutzung, Anfangs- und Pausenzeiten, Verpflegung und Nutzung von Spielbereichen sowie konstant eingesetzte Betreuer*innen.

Die für die Sommerferien vorgesehenen OGS-Angebote müssen ebenfalls unter Beachtung geltender Hygiene- und Infektionsschutzregeln durchgeführt werden.  Das Schulministerium prüft, „zusätzliche Ferienangebote für weitere Schülergruppen zu ermöglichen und entsprechend finanziell auszustatten“. Dazu soll es schnell mehr Information geben.

Anabela Barata, stellvertretende Geschäftsführerin im Kreisverband der AWO Mettmann, befasst sich mit der Öffnung der Angebote in den 15 Begegnungsstätten der AWO im Kreis. „Es ist keine leichte Aufgabe, die Lockerungen umzusetzen. Die Älteren und Ältesten sind besonders infektionsgefährdet und benötigen jetzt unsere uneingeschränkte Unterstützung.“

Mit einzelnen Maßnahmen beginnen die Begegnungsstätten, Angebote durchzuführen, ohne dass zurzeit an die Öffnung der Einrichtungen zu denken ist. So haben sich zum Beispiel Sorgentelefone und Essen-zum-Mitnehmen-Angebote bewährt. Die Wiederöffnung der Begegnungsstätten ist an eine Reihe von Auflagen und Konzepten gebunden. Angebote wie kontaktloser Sport oder Fußpflege sind möglich, Treffen in der Begegnungsstätte noch nicht. Hierbei sind alle Maßnahmen der Öffnung oder der besonderen Angebote durch die Ordnungsämter zu genehmigen. Die Hygienekonzepte sind speziell auf die Belange der Senior*innen abzustellen. Hieran arbeiten die Leiterinnen der Begegnungsstätten, um dem Wunsch nach Begegnung und Treffen der älteren Menschen nachkommen zu können.

Von besonderer Bedeutung sind die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien. Für viele Senioren ist dies gewöhnungsbedürftig. Während Telefongespräche über die Info- und Sorgentelefone reibungslos laufen, ist die Telefon- oder Videokonferenz mit mehreren schon schwieriger zu bewerkstelligen. Aber auch hieran arbeiten die Begegnungsstätten, um zum Beispiel einen virtuellen Kaffeeklatsch oder Schulungen im digitalen Format durchzuführen.

Viele Besucher der Begegnungsstätten melden sich und sind ungeduldig, weil noch immer Kontaktverbote für die Einrichtungen bestehen. Hier bitten die Leiterinnen um Geduld, denn sowohl das Wiedereinstiegskonzept für die Begegnungsstätten als auch die Umsetzung neuartiger Formate erfordern noch Zeit.

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