AWO Angerland: Berlinreise

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Lintorf. Beim Sommerfest der AWO-Angerland hatte Elke Preuß eine vom Bundespresseamt organisierte Reise nach Berlin gewonnen. Kerstin Griese von der SPD und Mitglied des Bundestages hatte Einladungen zu dieser Reise als Gutschein gespendet. Für vier Tage durfte sie mit Freundin Bea Middelkamp und einer großen Gruppe nun im November die Hauptstadt erkunden. Ein sehr abwechslungsreiches und informatives Programm war zusammensgestellt worden, das aber auch ein wenig Freiraum für eigene Unternehmungen ließ. Im Deutschen Dom konnte die Entwicklung der Demokratie mit all ihren Irr- und Umwegen nachvollzogen werden. Anschließend gab es noch die Möglichkeit auf einen schnellen Glühwein auf dem wunderschönen Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt.

Beeindruckend auch die 200 Quadratmeter Hörspielfläche des Deutschlandradios, das sich im ehemaligen Rias-Gebäude (Rias – Rundfunk im amerikanischen Sektor)  befindet. Ein Team von knapp 1800 festangestellten und freien Mitarbeitern sorgt für Beiträge zu Kultur und Wissen. Mit einem komplett digitalisierten Nachrichtenraum bereitet sich auch das Deutschlandradio auf den Wechsel von UKW zu DAB+ vor.

Einen langen Nachmittag verbrachte die Gruppe in Paul-Löbe-Haus und Bundestag. Platz nehmen durfte sie im Tagungsraum des Ausschusses für Arbeit und Soziales. Grieses Mitarbeiter mussten spontan den ersten Teil der Fragen beantworten, da Griese in der Plenums-Haushaltssitzung festsaß. Ihre Redezeit zum Haushalt des Ausschusses war nach hinten verlegt worden. Die terminliche Verzögerung hielt sie aber nicht davon ab, geduldig alle Fragen der Besucher zu beantworten. Sie erklärte die Abläufe während einer Sitzungsperiode des Bundestags, äußerte sich zum Thema Rentenkasse, Lobbyismus, Mitbestimmung und Medikamententests. Gemeinsam mit der Gruppe kehrte sie dann in den Plenarsaal zurück, um die Beiträge des Haushaltsausschusses zu Ernährung und Landwirtschaft zu verfolgen.

Das auswärtige Amt, die Gedenkstätte „Berliner Mauer“ und das NS-Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ waren die weiteren Ziele des Programms. Der Vortrag im Auswärtigen Amt gab einen Einblick in das wechselvolle Leben der Diplomaten, die für die guten Beziehungen zwischen Deutschland und den anderen Nationen sorgen. Deutschland genießt hier inzwischen den Ruf eines besonnenen Partners, der gern zur Vermittlung in Konfliktfragen hinzugezogen wird.

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Die stilisierte Nachbildung des Verlaufs der Mauer quer durch Berlin in Form eines Pflastersteindtreifens hilft nur begrenzt beim Versuch, sich die Teilung der Stadt vorzustellen. Ein Besuch der Gedenkstätte an der Bernauer Straße zeigt aber, welche Ausmaße die Grenzanlage tatsächlich hatte. Allein der Anblick der „nur“ zwei Meter hohen Hinterlandmauer, die gut 60 Meter von der Ostseite der Bernauer Straße weg stand, lässt erahnen wie unüberwindlich dann erst die 3,75 Meter hohe tatsächliche Grenzmauer war. Beklemmend der Blick auf Wachturm und fein säuberlich geharkten Kiesstreifen zwischen den beiden Mauern, der den Grenzsoldaten einen ungehinderten Blick auf jeden Flüchtling ermöglichte. Inzwischen sind aufgrund der umfangreichen Nachforschungsarbeiten allein 139 Opfer bekannt, die ihre Flucht an der Berliner Mauer aufgrund des Schießbefehls mit dem Leben bezahlten.

Das NS-Dokumentationszentrum in der Nähe des Potsdamer Platzes befindet sich auf dem ehemaligen Gelände von Geheimem Staatspolizeiamt mit eigenem „Hausgefängnis”, Reichsführung-SS, Sicherheitsdienst (SD) der SS und während des Zweiten Weltkriegs auch des Reichssicherheitshauptamtes – den Zentralen des nationalsozialistischen Terrors. In eindrücklichen Bildern und Originaldokumenten und -texten wird dargestellt, wie der Vernichtungsapparat funktionierte. Erschreckend die Erkenntnis, dass eben doch ganz viele Menschen nicht nur auf Befehl an den Greueltaten beteiligt waren, sondern ganz bewusst die Entscheidung trafen mitzumachen. 1938 gab Reinhard Heydrich der Kriminalpolizei den Auftrag mindestens 200 „Asoziale“ in jedem Kripoleitstellenbezirk zu verhaften, da das „Verbrechertum im Asozialen seine Wurzeln hat“. Bei Erfüllung dieses Auftrags wären rund 3000 Personen zu verhaften gewesen. Tatsächlich verhaftete die Kriminalpolizei aber fast 10000 „Asoziale“, überschritt die geforderte Zahl also deutlich und dokumentiert damit die Bereitschaft einer Mehrheit der örtlichen Polizei sich aktiv einzubringen.

Nach diesen Eindrücken ging es dann in etwas gedämpfter Stimmung direkt zum Bahnhof, um die Heimreise anzutreten. „Eine sehr schöne Fahrt mit vielen Eindrücken und neuen Erkenntnissen“, waren sich alle Teilnehmer einig.

 

 

 

 

 

 

 

 


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