Ausstellung: Paragraph 175 im Wandel der Zeit

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Düsseldorf. Das Centrum Schwule Geschichte (Köln) präsentiert in Kooperation mit dem Gleichstellungsbüro der Landeshauptstadt Düsseldorf und der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29, die zweiteilige Wanderausstellung „Im Namen des Volkes!? § 175 StGB im Wandel der Zeit“. Mit der Ausstellung wird ein Bogen quer durch die Geschichte antihomosexueller Gesetzgebung auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland geschlagen. Der erste Teil der Schau ist bereits seit dem 30. Juni in der Mahn- und Gedenkstätte zu sehen. Jetzt wurde auch der zweite Ausstellungsteil im Düsseldorfer Rathaus von Oberbürgermeister Thomas Geisel eröffnet.

Im Jahr 1969 wurden die Paragraphen 175 und 175a laut Strafgesetzbuch erstmals liberalisiert und erst 1994 als Folge der deutschen Wiedervereinigung endgültig aufgehoben.

Seit Ende Juni ist der erste Teil der Wanderausstellung „Im Namen des Volkes!? § 175 StGB im Wandel der Zeit“ des Centrums Schwule Geschichte in der Mahn- und Gedenkstätte zu sehen. Er beleuchtet die Zeit vor und während des Nationalsozialismus sowie die Jahre der Befreiung durch die Alliierten.

Die Ausstellung richtet ein besonderes Augenmerk auf das Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens. Die Landeshauptstadt Düsseldorf war während der Zeit des Nationalsozialismus eine „Hochburg“ der Schwulenverfolgung. In kaum einer anderen Stadt wurden so viele Männer auf Grund des Paragraphen 175 verhaftet wie hier. Sie wurden in Lager deportiert, mussten Zwangsarbeit verrichten und wurden ermordet. Die Überlebenden hatten nach 1945 keine Chance auf Wiedergutmachung, da der Paragraph 175 immer noch Bestand hatte. Der Kurator der Ausstellung, Marcus Velke, erzählt aber nicht nur die Biographien von – nach dem sogenannten „Schwulenparagraphen“- verfolgten Männern, sondern beleuchtet auch die Auswirkung auf die Lebensgeschichten von Lesben und Trans*, die ebenfalls ausgeschlossen und Opfer von Verfolgung, Diskriminierung und Gewalt wurden.

Der zweite Teil der Ausstellung reicht von 1949 bis in die Gegenwart und schließt sich so dem Teil der Schau in der Mahn- und Gedenkstätte an. Gezeigt wird der Weg des Paragraphen 175, der final im Jahr 1994 im Rahmen der Wiedervereinigung abgeschafft wurde, bis hin zur Rehabilitierung und Entschädigung im Jahr 2017. Das Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen ist geschlechtsneutral formuliert, da in der Deutschen Demokratischen Republik weibliche Homosexualität ebenfalls unter Strafe stand.

Die Ausstellung widmet sich mit zwei Tafeln explizit dem Thema der weiblichen Homosexualität im Kaiserreich, der Weimarer Republik, der Zeit des Nazionalsozialismus und in der frühen Bundesrepublik und legt einen weiteren Schwerpunkt mit zwei Tafeln auf die Geschichte von Trans* in diesem Kontext.

Die Ausstellung kann noch bis zum 9. August besucht werden.

Begleitprogramm zur Wanderausstellung:
Begleitend zur Wanderausstellung finden zwei themenspezifische Film-Abende im zakk, Fichtenstraße 40, statt. Hinweis: Der Zugang erfolgt über den zakk Hof, Pinienstraße 5. Der Einritt ist frei.

Am Donnerstag, 30. Juli, 20.30 Uhr, wird der Film“Call me by your Name“ gezeigt. Einlass ist um 19.30 Uhr.

Norditalien 1983: Der 17 Jahre alte Elio verbringt den Sommer zusammen mit seinen Eltern in ihrer mondänen Villa. Noch gefangen im schlaksigen Körper eines Jungen überragt Elios Verstand sein Alter und zumindest nach außen wirkt er von der durch seine Eltern herangezogenen Weltlichkeit von Literatur und klassischer Musik kultiviert. Unter der Fassade bricht ab und an das unbeholfene, doch mutige Kind heraus, dessen Naivität mit Ende des Sommers vergehen wird. Auf Einladung zieht der amerikanische Doktorand Oliver in die Villa ein, um Elios Vater bei seiner historischen Forschung behilflich zu sein. Oliver scheint vermeintlich all das zu sein, was Elio nicht ist, ein groß gewachsener, attraktiver, vor Selbstbewusstsein strotzender Mann. Elio soll Oliver mit der Umgebung vertraut machen. Blicke werden getauscht, Anspielungen gemacht, unverfängliche Berührungen haben Spannungen, die zu widerstreitenden Gefühlen und Unsicherheiten führen. Dabei steht weniger die Liebe zweier junger Männer in Bezug zu ihrem Umfeld im Vordergrund, wie im klassischen Coming-Out-Film, sondern viel mehr der vielfältige Gefühlskosmos des Verliebtseins in all seinen Nuancen und Empfindungen. Seit der Premiere 2017 und nicht zuletzt wegen seiner Nominierung als bester Film im Rahmen der Oscar Verleihung 2018 erfreut sich der Film von Luca Guadagnino großer Popularität.

Am Mittwoch, 5. August, 20.30 Uhr, wird der Film „Amiée & Jaguar“ gezeigt. Einlass ist um 19.30 Uhr.

Berlin 1943/1944: Unter der doppelten Bedrohung von Bombenkrieg und Verfolgung erleben zwei junge Frauen ihre große Liebe. Für Lily, verheiratet mit einem Nationalsozialisten und Mutter von vier Kindern, wird es die entscheidende Erfahrung ihres Lebens. Für Felice, die als Jüdin und Mitglied einer Untergrund-Organisation ständig bedroht ist, bedeutet diese Liebe auch eine Hoffnung auf Leben und Überleben. Homosexuelle Frauen wurden während des NS-Regimes nicht unter Berufung auf den Paragraphen 175 verfolgt, sondern als „Asoziale“ eingestuft und in Konzentrationslagern als „Schwarzwinkel“ deportiert, teils zwangsprostituiert und ermordet. Zudem waren homosexuelle Frauen, die mit „Hysterie“ diagnostiziert wurden, Opfer von Ermordungen im Rahmen des „Euthanasieprogramms“.

Nachdem die Autorin Erica Fischer mit der Überlebenden Lilly Wust einige Zeitzeuginnengespräche geführt hatte, verarbeitete sie ihre Erinnerungen und Gedichte 1994 in einem Roman. Dieser diente Max Färberböck als Vorlage für seinen gleichnamigen Film, der erstmals zur Eröffnung der Berlinale 1999 vorgeführt wurde.

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Melanie Zanin

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