Ausstellung: Leute von heute in Trachten von gestern

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Hösel. Am Freitag, 20. November, 15 Uhr wird im Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM), Bahnhofstraße 62, die Ausstellung „Oppelner Gesichter. Leute von heute in Trachten von gestern“, eröffnet. Die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Museum des Oppelner Dorfes ist bie zum 19. Februar 2017 zu sehen.

Heimat, eigene Herkunft und regionale Identität – das alles lässt sich mit dem Tragen von Trachten verbinden. In unserer globalisierten Welt ist die regionale Verortung ein wichtiger Bezugspunkt. Für Flüchtlinge und Vertriebene hatte das Tragen von Trachten bei Wallfahrten, landsmannschaftlichen Zusammenkünften, Vereinsfeiern und anderen Festivitäten auch die Funktion der Selbstvergewisserung in einer fremden Umgebung.

Das Vergangene in der Gegenwart sichtbar machen – so kann in aller Kürze das Ziel dieser ungewöhnlichen Ausstellung beschrieben werden. Trachten waren früher ein fester Bestandteil regionaler Volkskulturen. Heute sind sie aus dem Alltag nahezu völlig verschwunden. Zuweilen begegnet man ihnen bei Festtagen und auf Volksfesten. Sogar beim Discounter findet man Trachtenmode im saisonalen Angebot.

Die Volkstrachten im engen und weiten Umfeld Oppelns haben eine lange Tradition. Im Zuge der rasanten Industrialisierung Oberschlesiens kam das Tragen von Männertrachten um 1900 außer Mode. Als ländliches Identifizierungsmerkmal für das jeweilige Heimatdorf verlor die Tracht für die Industriearbeiter in den Städten allmählich an Bedeutung. Städtische Kleidung wurde stattdessen bevorzugt. Ähnlich verlief der Prozess mit zeitlicher Verschiebung für die Frauentracht. Durch Flucht und Vertreibung einerseits sowie durch die Zuwanderung von Menschen aus dem ehemals östlichen Polen andererseits wurden in allen ländlichen Gebieten Oberschlesiens seit den 1960er Jahren kaum noch Frauentrachten getragen. Die Emanzipation und Berufstätigkeit der Frauen trugen zur Abwendung von der Tracht bei.

Das Museum des Oppelner Dorfes (MWO) befasst sich intensiv mit der regionalen Volkskultur. Die Trachtensammlung umfasst über 1000 Exponate. Das Konzept der aktuellen Ausstellung zu regionalen Fest- und Alltagstrachten aus der Zeit von 1900 bis 1945 ist modern, lebendig und unkonventionell. Die Idee des Museums war es, die Öffentlichkeit einzubeziehen, um die regionale Bevölkerung für dieses historische Thema zu begeistern, regionales Kulturerbe zu vermitteln und kulturelle Bildung zu fördern.

Menschen im heutigen Oppelner Schlesien ausKultur, Wissenschaft und Kunst, aber auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus der Region, wurden eingeladen, sich in historischen Trachten aus der Sammlung des MWO fotografieren zu lassen. Das Ergebnis sind farbenfrohe Großfotos, auf denen Leute von heute in Trachten von gestern posieren. Als Vorbilder dienten historische Schwarzweiß-Aufnahmen aus der fotografischen Sammlung des Museums, die vergrößert und somit gleichgroß den aktuellen Bildern gegenübergestellt werden. Eine Besonderheit sind die auch im oberschlesischen Dialekt verfassten Bildbeschreibungen.

Die Ausstellung wurde 2015 mit Unterstützung des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe sowie des Marschallamts der Woiwodschaft Oppeln erstellt. Ein Katalog mit zusammenfassendem Text in polnischer, deutscher und englischer Sprache ergänzte das Projekt. Die 41 großformatigen Fotos aus dem Partnermuseum in Oppeln korrespondieren mit Trachten aus den ebenfalls
reichhaltigen OSLM-Sammlungen.

Die polnische Schauspielerin und Sängerin Barbara Kurdej-Szatan in einer Festtagstracht (Rekonstruktion) aus der Region Oppeln aus dem 19. Jahrhundert. (Foto: MWO)

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