Ausstellung: Die kleine Welt in der großen

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Düsseldorf. Dem Werk des Düsseldorfer Malers August Friedrich Siegert (1820–1883) widmet das Stadtmuseum, Berger Allee 2, nun zum ersten Mal eine Einzelausstellung. Zum 200. Geburtstag des Malers präsentiert das Museum rund 50 Gemälde sowie Zeichnungen und Druckgrafiken aus öffentlichen Museen und aus Privatbesitz. Schwerpunkte sind Bilder mit einem historischen Thema, Porträts und spätbiedermeierliche Sujets. Die Sorgfalt von August Friedrich Siegert in der Komposition und beim Malen, die Details seiner Bilder sind legendär und machten ihn höchst erfolgreich. Jüngst entdeckte Briefe und ein Geschäftsbuch ermöglichen einen umfassenden Blick auf seine Person, auf seine Kunst und sein geschäftliches Netzwerk. Die Ausstellung im Stadtmuseum wurde am Donnerstag von Bürgermeister Friedrich G. Conzen (rrechts), Direktorin Susanne Anna (links) und Theo Siegert von „deHaen-Carstanjen & Söhne Düsseldorf“ eröffnet und ist bis zum 19. April im Stadtmuseum zu sehen. Die Schau entstand in Kooperation mit dem B.C. Koekkoek-Haus in Kleve.

August Friedrich Siegert wusste schon mit 15 Jahren, dass er Maler werden wollte. Die Eltern erlaubten dem Jungen, zum Studium an die Düsseldorfer Akademie zu ziehen, und so wurde er ein Meister der sogenannten Düsseldorfer Schule. Während seiner Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie erzielte Siegert Bestnoten. Seinen Lehrern folgend, allen voran Direktor Wilhelm von Schadow, malte er zunächst die in der Zeit angesagten Historienbilder sowie Porträts; später wurde er mit spätbiedermeierlichen Sujets erfolgreich. Berühmt war sein Gemälde „Kaiser Maximilian I. hält Albrecht Dürer die Leiter“. Zum ersten Mal sind die Vorstudie zum Gemälde, das große Hauptwerk und eine kleinere Variante zusammen in einer Ausstellung zu sehen. Äußerst beliebt sind noch heute die charmanten Kinderbilder des Malers, seine virtuos komponierten Momente des Familienlebens, aber auch die Wirtshaus-Szenen, deren vielfältige Charaktere in historischen Kostümen damals wie heute faszinieren.

Nach einigen Reisen, auch einem längeren Aufenthalt in München, wurde der Maler endgültig in Düsseldorf sesshaft. Er trat dem legendären Künstlerverein Malkasten bei. Allmählich begann Siegert, sich dem sogenannten Kostümgenre zu widmen, und brachte es darin zu solcher Meisterschaft, dass ihn die Amsterdamer Akademie 1859 zum Mitglied ernannte. 1872 schließlich wurde er zum Professor der Düsseldorfer Akademie berufen.

A.F. Siegert, Die Fruchtmalerin o. Verbotene Frucht, 1876; August Friedrich Siegert 1820–1883; Öl auf Leinwand, 80 x 103 cm; Privatbesitz © C. Wucherpfennig

Nach seiner Heirat mit Mathilde de Haen 1852 kamen nacheinander seine vier Kinder zur Welt, die Siegert zu seinen berührenden Kinderbildern inspirierten. Mit genauem Blick und liebevollem Verständnis beobachtete der Maler, wie sich die Heranwachsenden in der Welt der Großen orientieren, diese nachahmen und damit zuweilen karikieren. Das Interesse am Menschen – gleich welcher gesellschaftlichen Stellung – und am menschlichen Miteinander waren seine Leidenschaft. Die Klarheit von Siegerts klassischen Kompositionen und die malerische Feinheit begeistern das Publikum bis heute.

Früh begegnete Siegert dem Engländer John G. Stiff aus der Jägerhofstraße, der Siegerts Gemälde in London verkaufte und Bestellungen zurückbrachte. Mit großem Geschick baute der Maler Beziehungen zu anderen internationalen Händlern auf. Bis ins schwedische Göteborg schickte er Ansichtssendungen an Kunstvereine. Heute würde man ein solche Vorgehen als „Marketing“ bezeichnen. Dazu führte der Maler ein Geschäftsbuch, in dem die Händlernamen der „Großen Welt“ notiert sind.

Anlässlich seines 200. Geburtstages im März 2020 zeigen das Stadtmuseum Düsseldorf und anschließend das B.C. Koekkoek-Haus in Kleve die erste Übersichtsausstellung des Werks von August Friedrich Siegert. Ein umfangreicher Katalog (Wienand-Verlag) mit Aufsätzen zu den verschiedenen Aspekten des Schaffens von August Fr. Siegert und mit Farbtafeln aller seiner in der Ausstellung gezeigten Werke begleitet die Ausstellung.

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young

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