Ausstellung: „Aber ich schrieb mich verrückt“

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Düsseldorf. Das Heinrich-Heine-Institut zeigt vom 8. September bis 18. November die Ausstellung „Aber ich schrieb mich verrückt“ zu dem Bochumer Schriftsteller und Journalisten Wolfgang Welt (1952-2016). Das Institut hatte Anfang 2017 den Nachlass des am 19. Juni 2016 verstorbenen Schriftstellers übernommen. Die Ausstellung lädt nun dazu ein, Wolfgang Welt kennenzulernen, zugleich bietet sie zahlreiche Nachlassmaterialien, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Die Vernissage findet am heutigen Samstag, 8. September, 18 Uhr statt. Zu Gast ist der Schriftsteller Frank Witzel (Buchpreisträger 2015), der über seine Faszination am Werk von Wolfgang Welt berichtet. Das musikalische Begleitprogramm ist eine Hommage an Welts Lieblingssänger Buddy Holly.

Man stelle sich vor, Welts Debüt-Roman „Peggy Sue“ wäre nicht 1986, sondern zehn Jahre später inmitten der Hochphase der sogenannten Popliteratur erstmals erschienen. Wäre sein Wunsch, berühmt zu werden, in Erfüllung gegangen? Als Wolfgang Welt Mitte der 1970er Jahre Hermann Hesses „Steppenwolf“ liest, steht sein Entschluss fest: er will Schriftsteller werden – unbedingt. Doch worüber schreiben? Über das eigene Leben, und zwar radikal subjektiv. Auf ein abgebrochenes Lehramtsstudium folgen Jobs als Bierfahrer, Klempnergehilfe und Schallplattenverkäufer. Seit Kindertagen ist Buddy Holly sein Idol. Gleich Welts erster journalistischer Text erinnert an den früh verstorbenen Rock´n´Roll-Musiker. Seine Kritiken, Porträts und Stories sorgen für Furore, im Ruhrgebietsmagazin „Marabo“, dem „Düsseldorfer Überblick“ sowie in den damals wichtigsten Musikzeitschriften „Sounds“ und „Musikexpress“. Parallel arbeitet er ab 1982 als Nachtwächter, zuletzt am Bochumer Schauspielhaus.

Das rastlose Leben als Musikjournalist steht ebenso im Mittelpunkt seiner Romane wie die Erkrankung an einer schizophrenen Psychose: Im Januar 1983 schreibt Wolfgang Welt sich im wahrsten Sinne des Wortes verrückt. Er hat nun sein literarisches Thema gefunden: „Ich werde mein ganzes Leben aufschreiben“. Dieses Erzählprojekt setzt er mit beeindruckender Konsequenz um. 2006 erreicht Welt sein „Lebensziel“: Suhrkamp veröffentlicht seine ersten drei Romane unter dem Titel „Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe“. Peter Handke, einer seiner Förderer, sieht in Welts Prosa „eine grundandere Art von Geschichtsschreibung“. 2014 plädieren dreißig namhafte Autoren, Journalisten und Wissenschaftler öffentlich dafür, ihm den Literaturpreis Ruhr zu verleihen – ohne Erfolg. Am 19. Juni 2016 stirbt Wolfgang Welt nach kurzer, schwerer Krankheit.

Die Ausstellung im Heinrich-Heine-Institut widmet sich dem Schriftsteller in sechs Themensektionen: Etwa 100 Exponate veranschaulichen Welts musikalische und literarische Einflüsse, seine Entwicklung vom Journalisten zum Romanautor, seine Position im Feld der sogenannten Popliteratur sowie die Veröffentlichungsgeschichte seiner Werke. Eine eigene Abteilung thematisiert die Wechselwirkungen zwischen Schreiben und psychischer Erkrankung. Gezeigt werden unveröffentlichte Manuskripte (Romananfänge, Entwürfe zu einem Theaterstück), Briefe (etwa von Peter Handke), zahlreiche unbekannte Fotografien sowie persönliche Gegenstände (zum Beispiel seine Schreibmaschine). Darüber hinaus bieten Medienstationen mit Lesungsmitschnitten, Fernsehfeatures und exklusiven Video-O-Tönen von Weggefährten und namhaften Kulturschaffenden (unter anderem Leander Haußmann, Frank Goosen) verschiedene Zugänge zum Autor Wolfgang Welt.

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister

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