Auschwitz: Häftlingsporträts von Josef Rosalia Hein

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Düsseldorf. Noch bis 8. Juli präsentiert die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Mühlenstraße 29, in Kooperation mit dem Polnischen Institut Düsseldorf die Sonderausstellung „Menschen in Auschwitz 1941–43. Häftlingsporträts von Josef Rosalia Hein“. Am Donnerstagabend wurde die Ausstellung durch Bürgermeister Friedrich Conzen mit dem Botschafter der Republik Polen, Professor Andrzej Przyłębski, und dem Parlamentarischen Staatssekretär Klaus Kaiser eröffnet. Die Kunsthistorikerin Katja Schlenker führte in die Kunst Josef Rosalia Heins und die Ausstellung ein.

2015 reiste der Düsseldorfer Künstler Josef Rosalia Hein nach Auschwitz, um das dortige Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau zu besuchen und sich mit der Geschichte des Ortes auseinanderzusetzen. Die vielen Eindrücke ließen Hein nach seiner Rückkehr nicht los. Er begann, sie künstlerisch zu verarbeiten. In einer intensiven Arbeitsphase schuf er einen Werkzyklus aus 111 Tuschezeichnungen und eine Video-Installation im Düsseldorfer Atelier. Diese werden nun in der Ausstellung gezeigt. Ergänzt werden die Werke Heins durch mehrere Ausstellungstafeln, die den historischen Kontext des Lagerkomplexes Auschwitz und den Entstehungsrahmen der erkennungsdienstlichen Fotografien, unter anderem die Biografie des Häftlingsfotografen Wilhelm Brasse, erläutern.

Im Jahr 2015 jährte sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zum 70. Mal. Der Düsseldorfer Künstler Josef Rosalia Hein reiste, durch die Berichterstattung angeregt, in das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau und fotografierte Erkennungsdienstfotos der Häftlinge in der Dauerausstellung ab. Josef Rosalia Hein wurde 1979 in Bad Dürkheim/Pfalz geboren. Er studierte Malerei und Bildhauerei an der Kunsthochschule Kassel, am Sichuan Fine Arts Institute in Chongqing in China und an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er 2010 seinen Akademiebrief erhielt. 2012 erhielt Josef Hein den Pfalzpreis für Malerei. Josef Hein lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Eigentlich hatte Josef Hein nicht vor, seinen Aufenthalt im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau künstlerisch zu verarbeiten, doch die vielen Eindrücke ließen ihn nicht los. In einer intensiven Arbeitsphase schuf er einen Werkzyklus aus 111 Tuschezeichnungen und eine Video-Installation im Düsseldorfer Atelier. Der individuelle Mensch, das einzelne Gesicht im Kontrast zur vereinheitlichten Häftlingskleidung, steht im Mittelpunkt seiner Zeichnungen. Durch die Reduktion von schwarzer Tusche auf weißem Papier spricht aus ihnen eine würdevolle Eindrücklichkeit. Während die Formen der Hängung im Forum und im Luftschutzkeller der Mahn- und Gedenkstätte das Spannungsfeld von Masse und Individualität spiegeln, dem die Häftlinge in Auschwitz ausgesetzt waren, fokussiert seine Video-Installation ganz auf das Individuum. Hier bringt Hein die einzelnen Zeichnungen durch das Abfilmen an einer Wasseroberfläche gleichsam in Bewegung. Diese Anmutung von Lebendigkeit wird verstärkt durch den gleichmäßigen Takt eines Metronoms, das im Tempo eines Herzschlags zu hören ist.

Ergänzt werden die Werke Heins durch mehrere Ausstellungstafeln, die von der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf erarbeitet wurden und den historischen Kontext des Lagerkomplexes Auschwitz, den Entstehungsrahmen der erkennungsdienstlichen Fotografien und die Biografie des Häftlingsfotografen Wilhelm Brasse erläutern. In einer computerbasierten Darstellung werden zudem die wenigen bekannten biografischen Informationen zu den porträtierten Männern und Frauen vorgestellt.

Am 27. Januar 2018 jährt sich die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee zum 73. Mal. Der Lagerkomplex Auschwitz-Birkenau war das größte Konzentrations- und Vernichtungslager (1940-1945) in der NS-Zeit. Mindestens 1,1 Million Menschen wurden hier ermordet. Der Lagerkomplex bestand aus drei Teilen: dem Stammlager (Auschwitz I), Birkenau (Auschwitz II) und Monowitz (Auschwitz III).

Das Stammlager wurde zunächst als Ort der Inhaftierung und Vernichtung vor allem der polnischen Bevölkerung während der nationalsozialistischen „Germanisierungspläne“ im Sommer 1940 errichtet. Jüdische Polen wurden in dieser sogenannten „polnischen Phase“ des Lagers als politische Häftlinge inhaftiert. Das Vernichtungslager Birkenau wurde erst ab Herbst 1941 eingerichtet.

Die deutsche Besatzungsmacht ging ab Kriegsbeginn im September 1939 rigoros mit Verhaftungen, Umsiedlungen und Massenerschießungen gegen die polnische Bevölkerung vor. Das Ziel war, die polnische Bevölkerung zu entrechten, als „Arbeitssklaven“ auszubeuten und als „minderwertige Rasse“ auf die elementaren Lebensbedürfnisse zu reduzieren. Die Deutschen erwarteten vehementen Widerstand gegen die Besatzung und ihrer radikalen Politik. Personen, die der polnischen Widerstandsbewegung angehörten oder im Verdacht standen, Widerstand zu organisieren, wurden verhaftet und inhaftiert.

Die polnischen politischen Häftlinge stellten bis Mitte 1942 die Mehrheit der Häftlinge im Lager Auschwitz. Im Frühjahr 1942 begannen die Deportationen tausender Juden aus ganz Europa in das Konzentrationslager Auschwitz. Die Mehrzahl der Deportierten wurde nicht im Lager registriert, sondern direkt nach der Ankunft ermordet. Diese Praxis galt nicht für die übrigen Häftlinge. Sie wurden durch die Politische Abteilung der SS-Lagerverwaltung in den Häftlingskarteien registriert, mit Fingerabdrücken erfasst und bis 1943, solange noch ausreichend Fotomaterial zur Verfügung stand, fotografiert. Diese Fotografien sind oft die einzigen verbliebenen archivalischen Zeugnisse der Häftlinge des Lagers Auschwitz.

Wojciech Poczachowski (von links), Direktor des Polnischen Instituts, Dominika Świętońska, stellvertretende Direktorin, Astrid Wolters und Andrea Kramp, Kuratorinnen der Ausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte und der Künstler Josef Rosalia Hein. (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Wilfried Meyer)

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