Auf den Spuren der Wahrheit des Novemberpogroms

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Düsseldorf. Im Herbst 2018 jähren sich die Novemberpogrome von 1938 zum 80. Mal. Zu diesen Ereignissen ist in den vergangenen 30 Jahren viel stadt- und lokalgeschichtlich aufgearbeitet worden, etliche Studien und Dokumentationen sind erschienen. Zu einem großen Teil waren und sind diese Publikationen auf lokale Akteure und bürgerschaftliche Initiativen zurückzuführen: auf Schülerprojekte, auf örtliche Gedenkstätten, Stadtarchive, Jugendgruppen oder Geschichtswerkstätten. Neben den zerstörten Synagogen und den Verwüstungen von Wohnungen, Ladenlokalen oder Arztpraxen standen immer auch die Gewaltakte gegen jüdische Menschen im Mittelpunkt solcher Untersuchungen. Zumeist konnte rekonstruiert werden, welche Personen durch Mord, schwere Verletzungen, Schock oder Suizid ihr Leben verloren.

Die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf unternimmt nun seit Februar 2018 in einem Landesprojekt erstmalig den Versuch, die Gesamtzahl und die Namen derjenigen Personen für das ganze heutige Land Nordrhein-Westfalen zu eruieren, die im Kontext der Pogrome starben oder ermordet wurden. Die Ergebnisse sollen kurz vor dem 9. November 2018 vorgestellt werden. Bei der Recherche und der Zusammenstellung der Opfer ist aber schon jetzt deutlich geworden, dass unser Verständnis und auch die Darstellung der Pogromnacht in Wissenschaft und Unterricht einer starken Bagatellisierung der Ereignisse gleicht: Sehr viel mehr Menschen wurden ermordet oder in den Selbstmord getrieben als man bisher annahm. Zugleich ist bei den Recherchen vielfältiges Material erschlossen worden. Damit lassen sich viele für das historisch politische Lernen wichtige Fragen genauer und konkreter stellen und beantworten. 

Bei einem Pressegespräch in der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte wurde das Projekt zur „Halbzeit“ vorgestellt. Vorgehensweise und Mitwirkung der Archive und Gedenkstätten im Land sowie erste Tendenzen wurden erläutert von Maria Springenberg-Eich, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung, Hans Wupper-Tewes, Leiter des Gedenkstättenreferats der Landeszentrale, Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Hildegard Jakobs, stellvertretende Institutsleiterin Mahn- und Gedenkstätte, und von den Projektmitarbeitern Immo Schatzschneider und Gerd Genger.

Das Projekt, das seit dem Frühjahr 2018 läuft und von der Landeszentrale für politische Bildung unterstützt wird, verfolgt zunächst einmal das Ziel, die Ermordeten des Herbstes 1938 namentlich zu identifizieren, um sie angemessen zu würdigen und ihrer zu gedenken, und die Ergebnisse jahrzehntelanger Lokal- und Regionalforschung erstmalig zusammen zu fassen. Zurückgegriffen werden hierbei in einer systematischen Auswertung auf Archivalien in den Kreis- und Kommunalarchiven (Sterberegister, Meldedaten), auf die bestehende Literatur (Aufsätze und Bücher zur deutsch-jüdischen Lokalgeschichte) sowie auf Hinweise in Online-Datenbanken.

Die bisherige Darstellung der Novemberpogrome geht von 100 oder 500 Toten aus (reichsweit). Hier ist eine notwendige Korrektur angebracht. Für die Landesregierung und die am Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen angesiedelte Landeszentrale für politische Bildung ist jedoch entscheidend, welche Schlüsse aus den Novemberpogromen von 1938 für das politisch-historische Lernen und die politische Bildungsarbeit gezogen werden können.

Im November 2018, kurz vor dem 80. Jahrestag der Ereignisse und im Zusammenhang der offiziellen Gedenkstunde des Landes, des Landtages und der Landeshauptstadt erfolgt die Präsentation der Ergebnisse. 

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Uwe Schaffmeister

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