Auch die Wirtschaft braucht Wohnraum

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Düsseldorf. Düsseldorf gehört zu den Städten in Deutschland, die in den vergangenen Jahren aufgrund ihrer hohen Attraktivität einen starken Bevölkerungszuwachs erlebt haben. Eine intensive Bautätigkeit – gefordert und gefördert durch Rat und Verwaltung – war die Folge. Dies hat allerdings auch zu einem immer schärfer werdenden Wettbewerb um frei verfügbare oder frei werdende Flächen in der Stadt geführt. In manchen Stadtvierteln der Landeshauptstadt bedeutete der zunehmend hochverdichtete Wohnungsbau eine sukzessive Verdrängung von kleinräumigen Gewerbestandorten. „Aber auch die Wirtschaft braucht Ihren Wohnraum“, brachte es Kammerpräsident Andreas Ehlert mit Blick auf eine von der Kammer durchgeführte Befragung ihrer Betriebe auf den Punkt. „Eine moderne Stadtplanung muss Wohnen und Gewerbe gleichermaßen im Blick haben, damit wir die Versorgung der Bevölkerung mit handwerklichen Produkten und Dienstleistungen sicherstellen können.“ Ehlert warnte davor, Gewerbe aus innerstädtischen Lagen an den Rand zu drängen: Damit erhöhe man lediglich die Mobilitätsbedarfe, und es würden langfristig eintönige, funktionslose Quartiere ohne jedes Flair geschaffen. Auf die Mischung der Funktionen von Wohnen, Freizeit und Arbeiten komme es an, so Kammerpräsident Ehlert.

Die Handwerkskammer hatte im Dezember 2020 alle 8.095 Düsseldorfer Handwerksbetriebe zur Situation ihres Gewerbestandortes befragt. Aus dem Rücklauf von 628 Antworten wurden einige Probleme deutlich: die Anbindung an das Straßennetz, das Preisniveau und das Parkplatzangebot und die Kundennähe sind für die Handwerker die wichtigsten Standortfaktoren. Allerdings nehmen sie dazu in Düsseldorf auch einige Probleme wahr: während die Anbindung an das Straßennetz und die Erreichbarkeit durch den ÖPNV gute Noten bekommen, ist das Parkplatzangebot die Achillesferse unter den Standortfaktoren. Mehr als jedes zweite Unternehmen (56 Prozent) ist mit den Stellplatzmöglichkeiten unzufrieden. „Ein guter ÖPNV ist für die Mobilität von Beschäftigten und für die Kunden Gold wert. Aber viele Betriebe brauchen einfach ihre Fahrzeuge, um zum Kunden zu gelangen und vor Ort arbeiten zu können. Ein Heizkessel passt nicht auf ein Lastenfahrrad. Möglichst staufreier Verkehr und intelligente Lösungen für (Kurzzeit-) Parken im Quartier sind daher unverzichtbare Elemente einer ausgewogenen Mobilitätspolitik“, so Ehlert.

Sorgen macht der Handwerkskammer, dass fast jeder fünfte Betrieb (18 Prozent) einen neuen Standort sucht, besonders ausgeprägt im Bauhauptgewerbe und im Kfz-Gewerbe. Über ein Drittel der betroffenen Betriebe muss kurzfristig innerhalb des kommenden Jahres eine Lösung finden. Zwei Drittel der Betriebe suchen wegen ihrer etablierten Kundenbeziehungen einen Standort in Düsseldorf. Die Gründe für Standortwechsel liegen nach den Umfrage-Ergebnissen auf der Hand: fehlende Erweiterungsmöglichkeiten (54 Prozent) und fehlende Parkflächen (42 Prozent) ragen dabei heraus. Auch der angestrebte Kauf eines Standorts spielt eine wichtige Rolle. Auch gekündigte Mietverhältnisse (20 Prozent) und erhöhte Mieten (16 Prozent) treiben viele Betriebe von ihrem jetzigen Standort weg.

Aufgeschlossen ist das Handwerk angesichts der Flächenknappheit für mehrgeschossige Gewerbebauten. Mehr als 60 Prozent können sich eine solche Lösung grundsätzlich vorstellen. „Solche Projekte können zu einer Verdichtung im positiven Sinne führen“, gibt Ehlert zu bedenken. Man spare Fläche und könne trotzdem wachsen. „Klar ist aber auch: Das kommt nicht für jedes Gewerk in Frage. Für den Zahntechniker ist das eher vorstellbar als für den Elektromaschinenbauer,“ so Ehlert.

Der Kammerpräsident plädiert angesichts der Umfrage für das Leitbild einer „Stadt der kurzen Wege“: „Wir müssen Wohnen und Arbeiten wieder mehr zusammenbringen und jetzt die Chance ergreifen, die Innenstadt und die Stadtteilzentren durch eine spannende Nutzung und Mischung der Funktionen lebenswerter, attraktiver und resilienter zu machen.“ Präsident Ehlert appelliert an den Oberbürgermeister und den Rat, bei der planerischen Entwicklung der Stadt und ihrer Viertel „immer auch das Handwerk und das Gewerbe mit seinen zum Teil sehr kleinteiligen Standorten im Blick zu haben.“

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