Anke Preuß: Manchmal vermisse ich Rahmspinat

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Lintorf/Liverpool. Die Fußballerin Anke Preuß wird wegen einer Schulterverletzung beim Auswärtsspiel ihres FC Liverpool bei West Ham United am Sonntag voraussichtlich nicht zwischen den Pfosten stehen. Die Lintorferin spielt nun schon seit gut anderthalb Jahren in der höchsten englischen Frauenliga. Die Redaktion des Lintorfers hat die Spielerin jetzt interviewt.

Lintorfer: Was gefällt dir am besten an deiner Verpflichtung im Ausland?

Anke Preuß: Ich darf und kann das tun, was ich am liebsten mache – Fußball spielen. Dabei lerne ich sehr viele Leute mit den unterschiedlichsten Lebensläufen kennen. Das ist ungemein spannend. Außerdem findet man durch die Mitspielerinnen sehr schnell Anschluss. Es wird einem recht leicht gemacht, sich im neuen Umfeld zurechtzufinden.

Lintorfer: Wie sind die Trainingsbedingungen hier in Liverpool?

Preuß: Wir trainieren hier sehr regelmäßig und unser Torwarttrainer Chris Kirkland ist ein absoluter Profi. Es ist sehr angenehm mit ihm zu trainieren, da er selbst jahrelang erfolgreich als Torwart gespielt hat. Er weiß um die Eigenheiten und besonderen Vorlieben, die die meisten Torhüter im Laufe ihrer aktiven Zeit entwickeln.

Lintorfer: Kannst du uns eine deiner besonderen Eigenheiten nennen?

Preuß: Mein Aufwärmprogramm vor den Spielen besteht aus einer bestimmten Reihenfolge an Übungen. Kann ich die in Ruhe absolvieren, fühle ich mich rundum wohl und bin am Ende ganz auf das anstehende Spiel fokussiert. Chris weiß aus eigener Erfahrung, dass es meist nicht förderlich ist diese Routine mit anderen Übungen zu stören. Er hat deshalb mein Aufwärmprogramm mit mir durchgesprochen und nur ganz leichte Änderungen vorgeschlagen.

Lintorfer: Gibt es etwas, das dir am Fußballerleben nicht gefällt?

Preuß: Es ist schade, dass wir aufgrund der vielen Spieltermine manchmal auch ganz wichtige Ereignisse, wie zum Beispiel die Hochzeit eines Familienmitglieds verpassen. Man kann sich nicht mal eben ein paar Tage frei nehmen, um für eine Familienfeier nach Hause zu fliegen. Frei ist eben nur dann, wenn der Trainer frei gibt. Man hat absolut keine Kontrolle über freie Tage.

Lintorfer: Gefühlt sind die Pausen in der Saison doch sehr lang. Wie viel freie Zeit habt ihr tatsächlich?

Preuß: Im Sommer haben wir sechs Wochen und im Winter eine Woche wirklich frei, also so etwas wie Urlaub. Im Sommer sind jedoch nur die ersten zwei Wochen komplett frei. Danach folgt man einem individuellen Trainingsplan, der für gewöhnlich sechs Einheiten die Woche vorsieht. Während der Saison gibt es auch schon mal einen freien Tag, aber den benötigt man entweder zur Regeneration oder als Lernzeit fürs Studium. Wir schaffen es gerade mal alle drei Monate einen gemeinsamen Mannschaftsabend zu organisieren. Ausgehen und feiern ist nur in der Urlaubszeit drin. Während der Saison können wir uns das nicht erlauben.

Lintorfer: Wie schwierig ist es, sich sprachlich im Alltag zurecht zu finden?

Preuß: Inzwischen habe ich keine Schwierigkeiten mehr auch kompliziertere Sachverhalte zu verstehen oder zu erklären. Zu Beginn scheitert man manchmal aber schon an kleinsten Sprachunterschieden. Die Spielerinnen aus meiner WG fragten mich damals: „What will you have for tea?“ Ich habe ihnen geantwortet, dass ich keinen Tee mag. Gemeint hatten sie mit ihrer Frage aber, was ich zum Abendessen haben wolle. Wir lernen in der Schule allerdings breakfast, lunch und dinner für die drei täglichen Mahlzeiten. In manchen Teilen Englands heißt es aber breakfast, dinner und tea für Frühstück, Mittag- und Abendessen. 

Lintorfer: Wenn du an Deutschland oder Lintorf denkst, was vermisst du am meisten?

Preuß: Das etwas wärmere Klima, hier ist es doch immer noch etwas kühler als zuhause und der Wind ist auch nicht zu unterschätzen. Außerdem fehlt mir einiges von unserem Essen. Das sind zum Beispiel die berühmten Teilchen oder die belegten Brötchen beim Bäcker. Außerdem gibt es keinen Rahmspinat, den ich schon mal vermisse, wenn ich ein klassisches deutsches Gericht wie Kartoffelbrei, Spiegelei und Spinat kochen möchte.

Lintorfer: Was rätst du den Mädchen von heute, die gern Fußball spielen möchten?

Preuß: Äußert euren Wunsch und lasst euch nicht erzählen, dass Fußball keine Sportart für Mädchen sei. Das passiert leider immer noch sehr oft. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich von Anfang an haben Fußball spielen lassen. Sie und mein Bruder haben viel getan, damit ich diesen Sport in dieser Form ausüben konnte. Auch dann schon, als ich selbst ja noch keinen Führerschein hatte, um nach Düsseldorf oder Duisburg zum Training zu fahren.

Foto: Liverpool FC

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