Am Weiher schon immer beliebter Wohnort

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Lintorf (Red). Detlef Bloch freut sich über die archäologischen Funde auf seiner Baustelle am Weiher. „Frau Lehmann und ihre Mitarbeiter dürfen so lange graben, wie sie brauchen“, sagt der Geschäftsführer der Eckehard Adams Wohnungsbau GmbH.  Das Essener Unternehmen will auf dem 2600 Quadratmeter großen Grundstück am Weiher sechs Einfamilien-Stadthäuser errichten. Bevor mit dem Bau begonnen werden darf, müssen sich aber erst einmal die Archäologen die gesamte Fläche gründlich ansehen.

Kerstin Lehmann, Archäologin bei der Essener Grabungsfirma Archbau, ist begeistert von den bisherigen Funden: „Dieser Platz war schon immer beliebt als Wohn- und Arbeitsstätte.“ Die Bewohner, sagt die Grabungleiterin, hätten sich die Stelle ganz bewusst ausgewählt, nämlich in der Nähe eines Bachlaufes und eines alten Handelsweges, dem Mauspfad.

Dass sie etwas finden würden unter der ehemaligen Gaststätte, stand nicht fest. An der Tiefenbroicher Straße wurde nach dem alten Wedenhof aus dem 19. Jahrhundert gesucht. Ausgegraben wurden seit Ende Februar Scherben aus der Bronze- und Eisenzeit, zwei römische Überbleibsel aus der Kaiserzeit und viele Funde aus dem Hoch- und Spätmittelalter (800 bis 1500).

„Wir haben in den Gruben viel Pingsdorfer Keramik gefunden“, berichtet Lehmann. Es ist eine hartgebrannte irdene Warenart, die zwischen dem späten 9. und dem 13. Jahrhundert am Ostrand der rheinländischen Vorgebirgsschwelle und am Niederrhein produziert wurde.

In einer der Gruben, sie stammt von der Schwelle vom 11. zum 12. Jahrhundert, entdeckten die Archäologen ein Webgewicht. Im hinteren Teil, dort wo die Kegelbahnen der Gaststätte waren, lag sehr viel Schlacken. „Deutliche Hinweise darauf, dass hier gelebt und gearbeitet wurde“, sagt Kerstin Lehmann. Denn die Funde liegen unter einer Schwemmschicht. „Das bedeutet, dass die Funde auch tatsächlich von hier sind“, erklärt die Archäologin.

Die Grabungsmannschaft, neben Kerstin Lehman noch vier bis fünf Grabungshelfer, wird wohl noch bis Freitag in Lintorf tätig sein. Nach dann 25 Grabungstagen, geplant waren drei, wird die Geschichte des Ortes erfasst und dokumentiert sein. Dann kann mit dem Bau der Einfamilienhäuser begonnen werden.

Detlef Bloch denkt auch schon an die Zeit, wenn die neuen Häuser stehen: „Ich stelle mir vor, dass wir gemeinsam mit der Stadt und dem Heimatverein eine Tafel aufstellen, auf der über die Geschichte dieses Ortes berichtet wird.“

Seit 1994 ist die in Essen beheimatetee archäologische Grabungsfirma Archbau in sechs Niederlassungen für öffentliche Institutionen und private Auftraggeber in ganz Deutschland tätig. Ein aktuelles Projekt des Unternehmens ist zum Beispiel die Begleitung der Bauarbeiten in der Mettmanner Altstadt. Seit Frühjahr 2015 werden dort unterirdisch gelegene Leitungen und Kanäle ausgetauscht sowie die Pflaster erneuert. Die Altstadt genießt seit 2008 als eingetragenes Bodendenkmal besonderen Schutz.

Foto: Projektleiterin Kerstin Lehmann (Mitte) mit Geschäftsführer Detlef Bloch und Susanne Füller (Marketing) von dem Essener Unternehmen  Eckehard Adams – Wohnungsbau GmbH

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