Alte Straßennamen werden wiederbelebt

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Lintorf (Red). Die Überraschung ist dem Stadtrat gelungen. In einer nichtöffentlichen Sitzung beschlossen die Ratinger Kommunalpolitiker bereits im Januar, in Lintorfs Dorfmitte wieder die alten Straßennamen einzuführen. Die Anwohner wurden von der Änderung durch die Stadtverwaltung unterrichtet, aber gleichzeitig zum Stillschweigen verpflichtet. Und alle haben dicht gehalten! So ist die Überraschung am heutigen Freitagmorgen riesig groß in Lintorf. Die Speestraße heißt wieder Viehstraße, wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Die Krummenweger Straße ist nun wieder der Klosterweg. Er erinnert an das Kolster der Armen Dienstmägde Jesu, das hinter der heutigen Sparkasse stand. Die Angermunder Straße führt, wie bis in die frühen 70er Jahre, von der Bahn bis zur Kreuzung mit der Viehstraße und weiter bis zum Bürgershof.

Noch in der Nacht hatten Mitarbeiter des städtischen Bauhofes die Schilder ausgetauscht. Bürgermeister Klaus Pesch zu der Namensänderung: „Die Lintorfer sind sehr traditionsbewusst und hängen an ihrem Dorf. Das wollten Stadtverwaltung und Rat mit der Umbenennung honorieren.“

Jürgen Steingen, Juwelier an der Viehstraße, ist allerdings zwiegespalten ob der neuen alten Straßennamen: „Ich freue mich über die alten Namen, aber natürlich verbinde ich mit der Speestraße auch viele Erinnerungen.“ Das Juweliergeschäft hatte sein Vater bereits in den 1950er Jahren hier eröffnet.

Peter van Balsfort findet die alten Namen toll. Er zog 1973 mit seiner Frau an den Konrad-Adenauer-Platz, seit heute morgen lautet die Anschrift wieder Angermunder Straße. „Wie beim Einzug, das ist schon toll.“ Außerdem habe er einen Freund, der gebürtiger Lintorfer sei. Dem sei die Umbenennung eine Herzensangelegenheit.

Einige Geschäftsleute auf den betroffenen Straßen finden die Umbenennung dagegen eine Schnapsidee. „Jetzt müssen wir sämtliche Geschäftspapiere neu drucken lassen“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Das hätte man sich sparen können. Schließlich gebe es kaum noch jemanden in Lintorf, der mit den alten Namen etwas anfangen könne.

In der Werbegemeinschaft wird überlegt, ob die Händler gemeinsam gegen die Umbenennung klagen sollen. „Viehstraße, das klingt doch nach Mist und Gestank. Da kommt doch kein Fremder einkaufen“, beschwert sich die Vorsitzende Helga Krumbeck.

Andreas Preuß, Chef der Lintorfer Bruderschaft und stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins, findet die alten Straßennamen eine gute Idee. „Aber den Charme der alten Angermunder Straße zwischen der Gaststätte Mentzen und dem Bürgershof bringt das nicht zurück“, gibt er zu bedenken. Bis auf die Annakirche und den Bürgershof wurden alle alten Gebäude auf diesem Teil der Straße in den 1970er Jahren abgerissen.

Außerdem plant die Stadt, die Bindestrich-Straßennamen weitgehend abzuschaffen. So soll etwa aus der Fritz-Windisch-Straße einfach Windischstraße und aus Johann-Peter-Melchior-Straße kurz und knapp Melchiorstraße werden. Dazu Bürgermeister Klaus Pesch: „Die Vereinfachungen sind für den 1. April 2107 in ganz Ratingen geplant.“

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