Alexandra Tobor: „Sitzen vier Polen im Auto“

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Ratingen-West. Die Stadtteilbibliothek West am Berliner Platz lädt am Mittwoch, 26. April, um 19 Uhr zu einer Autorenlesung mit Alexandra Tobor ein. Sie liest aus ihrem autobiografisch inspirierten Roman „Sitzen vier Polen im Auto“, der es in die „Spiegel“-Beststellerliste schaffte. Der Eintritt ist frei.

In ihrem Buch erzählt Tobor aus der Perspektive eines Kindes die Geschichte einer polnischen Aussiedlerfamilie, die kurz vor dem Mauerfall versucht, in Deutschland Fuß zu fassen. Die Geschichte kann stellvertretend für viele ähnliche Erzählungen junger Aussiedler stehen – komisch, traurig, liebenswert. Für die sechsjährige Aleksandra – von Familie und Freunden Ola genannt – häufen sich zu Beginn des Romans die Anzeichen einer bunten Märchenwelt jenseits ihrer kleinen Heimatstadt in Schlesien: Sie findet einen „Quelle“-Katalog, eine Mitschülerin verehrt Cola-Dosen wie Reliquien und die Erwachsenen raunen immer wieder heimlich das Wort „BRD“. Ola wird neugierig und sehnt sich bald danach, Polen zu verlassen und die aufregende Katalogwelt Deutschland selbst kennenzulernen. Weder ihre Eltern noch ihre rabiate Großmutter können sie von ihrem Plan abbringen und von den Vorzügen der polnischen Heimat überzeugen. Mit einem alten senfgelben „Fiat Polski“ wagt die Familie schließlich die Ausreise nach Westdeutschland.

Alexandra Tobor erzählt anrührend, wie Olas Familie Deutsch lernt, jeden möglichen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sucht und schließlich doch noch einmal ganz von vorn anfangen muss. 2016 erschien die Road Novel „Minigolf Paradiso“, in der die Autorin sich erneut unterhaltsam mit polnischen Migrantenbiografien auseinandersetzt. Auch daraus wird die Autorin einige Geschichten lesen.

Alexandra Tobor wurde 1981 in Polen geboren und kam als Achtjährige nach Deutschland. Sie lebt heute in Augsburg und ist neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit Produzentin eines Podcasts über Sachbücher. In einem Presseinterview erklärt sie: „Ich gehöre zu der Generation der neuen Deutschen. Zu denen, die in Deutschland sozialisiert wurden, an der Gesellschaft teilnehmen und sie mitgestalten wollen, sich aber durch ihre Herkunft in zwei Welten zurechtfinden.“

Foto: Stadt Ratingen

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