Zur Weinlese mit dem Rad entlang der Unstrut

Zur Weinlese mit dem Rad entlang der Unstrut

Naumburg. Im Norden Thüringens und Süden Sachsen-Anhalts schlängelt sich die Unstrut durch sanfte Hügellandschaft und stille Naturparadiese. Der 190 Kilometer lange Radweg, der ihr folgt, ist ein Geheimtipp für Tourenfahrer und Naturliebhaber. Im Herbst locken Traditionsfeste und Weingüter zur Einkehr.

 Vielleicht hatte der Komponist Carl Friedrich Zöllner in der Mitte des 19. Jahrhunderts die beschauliche Landschaft an der Unstrut im Blick, als ihm die Idee zur Melodie für das Volkslied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ kam. Der Begründer des Chorwesens in Mitteldeutschland soll in Oldisleben an der Unstrut, wo er als Kantor wirkte, einen vierstimmigen Chorsatz für das Gedicht „Wanderschaft“ arrangiert haben. In dieser Fassung avancierte es später zu einem der bekanntesten Volkslieder.

Die Unstrut ist ein malerisches Flüsschen im Herzen Deutschlands umgeben von kleinen Dörfern, alten Schlössern, Klöstern und Burgen, artenreichen Naturschutzgebieten und terrassierten Weinbergen. Der 190 Kilometer lange Unstrutradweg begleitet den Fluss von der Quelle im thüringischen Eichsfeld zur Mündung in die Saale bei Naumburg in Sachsen-Anhalt in sechs Etappen von jeweils 25 bis 40 Kilometern. Die Strecke ist größtenteils flach oder leicht hügelig und gut befestigt. Radfahrer schätzen die Ruhe.

Auf der Tour liegen drei Naturparadiese: das Naturschutzgebiet Unstruttal, das Naturschutzgebiet Haßlebener Ried und der Naturpark Saale-Unstrut- Triasland. Seltene Tier- und Pflanzenarten haben darin ihr Zuhause gefunden. Dazu gehören Fledermäuse, Tagfalter und Wildkatzen sowie Orchideen und Federgräser. Picknickplätze zwischen Obstwiesen und Laubmischwäldern laden dazu ein, die Idylle auf sich wirken zu lassen.

Malerisch ist auch die Wasserburg Heldrungen. Mit ihrer französischen Festungsbaukunst aus dem frühen 16. Jahrhundert ist sie die einzige vollständig erhaltene Wasserburg ihrer Art. Auf der Hälfte der Strecke liegt das liebevoll restaurierte Kloster St. Wigberti in Werningshausen. Auf Wunsch und Voranmeldung führen die Mönche persönlich durch die Gebäude oder lassen Besucher an ihrer Gebetszeit teilhaben. Wer sich vorher anmeldet, kann an diesem besonderen Ort der Stille auch übernachten. Und im Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben, das direkt am Unstrutradweg liegt, zeigt die Sonderausstellung „Wissen und Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“ noch bis 15. Oktober, wie der Benediktinerorden die Kulturlandschaft an Saale und Unstrut geprägt hat.

Auch die Städte Mühlhausen, Bad Langensalza, Sömmerda und Freyburg sind Zwischenstopps wert. Die mittelalterliche Reichsstadt Mühlhausen erstrahlt in neuem Glanz. Liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser, eine teilweise begehbare Stadtmauer und mittelalterliche Kirchen schmücken den Ort.

Mühlhausen wird auch die Stadt der Kirchen genannt. Die Kur- und Rosenstadt Bad Langensalza ist bekannt für ihre gepflegten Gärten und Parks. Kleine Cafés in Sömmerdas Altstadt bieten hausgemachte Kuchen und feine Kaffeespezialitäten. Im Winzerstädtchen Freyburg führt die historische Rotkäppchen Sektkellerei durch einen der ältesten Industriehöfe Deutschlands und durch ehrwürdige Gewölbe. Weingüter und Straußwirtschaften im Ort laden zur Einkehr.

Jetzt im Herbst sind die terrassierten Weinberge des Qualitätsweinanbaugebietes Saale-Unstrut mit ihren bunt gefärbten Blättern und den reifen Trauben besonders eindrucksvoll. Bis Ende Oktober kann man bei der Weinlese zuschauen und nach der Radtour in den Weingütern und Straußwirtschaften den Rebensaft verkosten. Zum Ende der Weinlese lädt die Winzervereinigung Freyburg am 3. November zum traditionellen Erntedankfest.

Herbstfeste werden auch in den anderen Orten entlang der Unstrut ausgiebig gefeiert. Vom 5. bis 7. Oktober dreht sich beim Arterner Zwiebelmarkt alles um die beliebte Kulturpflanze. Zwiebelbauern, einheimische und angereiste Händler präsentieren die traditionellen Zwiebel- oder Knoblauchzöpfe und verkaufen Souvenirs. Kleinere Traditionsfeste finden außerdem in Sömmerda, Großengottern und Nebra statt.

www.radweg-unstrut.de und www.unstrutradweg.de

Foto: Christoph Keller