Vortrag: Der "Mischehe"-Transport aus Essen

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Essen. In einem Vortrag am Donnerstag, 5. Dezember, 19 Uhr informiert H. Walter Kern Uhr in der Alten Synagoge, Edmund-Körner-Platz 1, über „Der ‚Mischehe‘-Transport aus Essen 1944. Verfolgung und Widerstehen in der Endphase des Krieges. Untergetauchte und ihre Helfer/innen“. Der Eintritt ist frei.

Was geschah mit den Juden, die noch in der Endphase des Krieges 1944/45 in Essen lebten? Warum tauchten im Herbst 1944 in Essen mehr jüdische Menschen unter als zur Zeit der großen Deportationen? Diese Fragen beschäftigten H. Walter Kern weiter, nachdem er seine ersten Arbeitsergebnisse 2014 veröffentlicht hatte. In den Jahren 1941–1943, als über 1.100 Essener jüdische Bürgerinnen und Bürger in die Vernichtung deportiert wurden, hatten sich nur wenige Verfolgte zu dem schweren Entschluss durchgerungen, in ein illegales Leben abzutauchen.

Am 18. September 1944 sollten laut Gestapo-Befehl etwa 160 jüdische Frauen und Männer aus „Mischehen“ in Arbeitslager abtransportiert werden: 90 erschienen am Essener Hauptbahnhof, aber 60–70 schafften es, unterzutauchen. Sie fanden Helferinnen und Helfer sowie Retterinnen und Retter, die Verstecke organisierten in Ruinen und Kellern, in Krankenhäusern, Gartenlauben und in der eigenen Wohnung – ein Leben mit hohem Risiko begann.

Die Zwangsarbeiter in den Lagern erlebten noch eine schlimme Entwicklung: Anfang 1945 wurden sie von der SS abgeholt und ins Konzentrationslager deportiert. Ernst Kaltenbrunner hatte die Deportation nach Theresienstadt befohlen, wo gleichzeitig der Bau einer Vergasungsanlage begann. Die aufgeschobene Verfolgung der „Mischehe“-Partnerinnen und -Partner bedrohte diese bis zuletzt. In einer Reihe von Einzelschicksalen lässt sich zeigen, wie schwierig und unterschiedlich sie die letzten sieben Monate des Krieges überstanden. Bis zum Schluss stand nicht fest, ob sich die eliminatorischen Bestrebungen der fanatischen NS-Rassenideologen doch noch umsetzen ließen.

Alte Synagoge (Foto: Elke Brochhagen, Stadt Essen)

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