Spannende Geschichte: Friedhof Blomericher Weg

Spannende Geschichte: Friedhof Blomericher Weg

Lintorf. „Wer heute nicht hier war, verpasste einen ungeheuer spannenden Vortrag“, fasste Andreas Preuß den Abend mit Hanna Eggerath (Foto) und Helmut Neunzig zusammen. Das Ehepaar stellte beim Vortragsabend des Vereins Lintorfer Heimatfreunde (VLH) seine Forschungen zum jüdischen Friedhof am Blomericher Weg in Breitscheid vor. Sie erzählten dabei auch, wie sie bei ihrer rund sechs Jahre wehrenden Arbeit vorgingen. 

„Wir mussten auch Spiegel einsetzen, um die umgefallenen Grabsteine von unten fotografieren zu können“, berichtete Helmut Neunzig von seiner Arbeit. Damit er die Inschriften auf den Grabsteinen lesen konnte, lernte er zwischenzeitlich noch Hebräisch. Das Fotografieren der Grabsteine wäre heute einfacher, denn inzwischen hat die Stadt Ratingen die Grabsteine alle wieder aufrichten lassen. 

44 Grabsteine haben die beiden Hobbyforscher katalogisiert, fotografiert, die Inschriften entziffert und die Toten durch mühevolle Arbeit im Essener Stadtarchiv identifiziert. Die Personenstandsakten liegen in Essen, weil der Friedhof in Breitscheid der jüdischen Gemeinde von Kettwig vor der Brück gehörte. Gut 100 Jahre nutzte die Gemeinde den Friedhof, etwa von 1760 bis 1860.

Sie haben die Familien zum Teil bis in die Gegenwart rekonstruiert. Eine dreiköpfige Familie überlebte den Holocaust. Der Sohn lebte bis zu seinem Tod 2009 im Elternhaus in Kettwig vor der Brück. „Wir hätten ihn kennenlernen können“, sagte Hanna Eggerath mit Tränen in Augen. „Aber wir wussten zu dieser Zeit nichts von ihm.“

Walburga Dörrenberg, die gemeinsam mit Andreas Preuß, die Vortragsabende des Heimatvereins organisiert, bedankte sich bei den Eheleuten für den sehr informativen Vortrag. Auf ihre Frage, wie ihr Interesse an dem Friedhof geweckt wurde, antwortete Helmut Neunzig: „Wir haben ihn bei einem Spaziergang entdeckt und wollten mehr über den Friedhof wissen.“ Aber es habe keinerlei Information gegeben. Das sei der Auslöser für ihre sechsjährige Arbeit gewesen.

Eggerath und Neunzig haben ihre Arbeit und deren Ergebnisse in einem Buch zusammengefasst. Es ist unter dem Titel „Ihr Andenken sei ihnen zum Segen“ im Klartext-Verlag erschienen.