Sonnenwendfeier auf Amrum

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Westerhever, im Sommer, gegen Mitternacht. Und es geschieht etwas Spukhaftes. Der hohe Himmel liegt in tiefem Indigo, weltraumschwarz indes ist er nicht. Der Jupiter und ein paar hellere Sterne leuchten schwach, andere kann man kaum sehen – es ist nicht ganz dunkel. Über dem Meer verbleibt ein seltsames, fahles Licht; zartes Orange, helles Tabak. Manchmal schimmern zarte Wolkenschleier in einem klaren, kristallenem Weiß oder Hellblau.

„Diese leuchtenden Nachtwolken reflektieren in großer Höhe das Licht der hinter dem Horizont stehenden Sonne“, erklärt Rainer Schulz von der Schutzstation Wattenmeer. Und dunkel wird es im hohen Norden auch nicht mehr: „Wenn die Sonne untergegangen ist, dann ist sie zwar hinter dem Horizont verschwunden – ganz dunkel ist es aber trotzdem (noch) nicht. Das in den Himmel entsandte Streulicht ist die Dämmerung. Erst wenn die Sonne mehr als 18 Grad unter dem Horizont liegt, ist es absolut dunkel.“

Das aber tut sie hier nicht immer: Im Sommer ist es im hohen Norden Deutschlands nicht nur länger hell, sondern es dämmert auch viel länger als sonst und anderswo und manchmal hört es gar nicht auf – die Abenddämmerung geht gleich in die Morgendämmerung über. Es sind zwar nicht ganz die berühmten „Weißen Nächte“ von St. Petersburg oder Helsinki, schön aber ist es doch.

„Und wenn in den Wochen um den 21. Juni die Sonne in ihrem nördlichsten Winkel zur Erde steht, dann scheint in Schleswig-Holstein (theoretisch) bis zu 17 Stunden lang die Sonne“, sagt Rainer Schulz.

Und das wird gefeiert. Es ist Mittsommer und eine eigentümliche Stimmung liegt über den Dünen und dem Meer; ein sanfte Helligkeit, ein endloser Abend in Pastell mit dem zarten Blau des sommermüden Meeres und dem schimmernden Weiß noch sonnenwarmem Sandes – schöne Tage, die nie enden in sonderbarem nordischen Licht. Mitternachtsdämmerung.

Auf Amrum zum Beispiel brennt an Mittsommer am Strand bei Nebel ein Feuer. Sonnenwende wird gefeiert mit Trachtentanz, mit Essen und Trinken. So wie auch anderswo an der Küste. Vielleicht eine der schönsten Nächte an der Nordsee; eine, die doch eigentlich gar keine ist.

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Foto: Kai Quedens

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