Sind die Deutschen Angsthasen?

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Essen. Sind die Deutschen Angsthasen? Fragt man in der Welt herum, dann dürfte die Antwort weitgehend „ja“ lauten. Wie auch sonst hätte sich ein Begriff wie „German Angst“ etablieren können. Bei der nächsten „Lesart“ von Deutschlandfunk Kultur am Dienstag, 2. April, ab 20 Uhr im Café Central International des Essener Grillo-Theaters sind zwei Autoren zu Gast, die sich professionell mit dieser Frage auseinandergesetzt haben: Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der für den diesjährigen Preis der Leipziger Buchmesse nominierte Autor Frank Biess. Sie diskutieren mit Moderator Christian Rabhansl und WAZ-Kulturchef Jens Dirksen das Thema „German Angst? Aber sicher! – Zwischen Sicherheitspolitik und Bürgerrechten“.

Das neue Buch von Frank Biess trägt den Titel „Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik“ (Rowohlt). Darin erzählt Biess die Geschichte der Bundesrepublik als eine Geschichte kollektiver Ängste: die Furcht vor Vergeltung in der unmittelbaren Nachkriegszeit, die Angst vor einem Atomkrieg und kommunistischer Infiltration in den fünfziger Jahren, dann die Unsicherheiten aufgrund von Arbeitslosigkeit durch Automatisierung sowie autoritärer politischer Tendenzen, schließlich die apokalyptischen Ängste der achtziger Jahre. Sein Resümee: Immer waren die politischen Debatten und die deutsche Politik von Angst geprägt. Wobei es Biess nicht darum geht, im Rückblick die Berechtigung dieser Ängste zu bewerten. Er beschreibt vielmehr ihre prägende Rolle für die Entwicklung des Landes vor dem Hintergrund der Erfahrung von Krieg und Gewalt.

In ihrem Buch „Angst essen Freiheit auf. Warum wir unsere Grundrechte schützen müssen“ (wbg Theiss) fragt FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die von 1992 bis 1996 sowie von 2009 bis 2013 Bundesministerin der Justiz war und von 2003 bis 2009 als Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates im Ausschuss für Recht und Menschenrechte saß, ob sich die Deutschen der Bedeutung der im Grundgesetzt verankerten Grundrechte überhaupt noch bewusst sind. Denn überall da, wo es um das Asylrecht, den Schutz personenbezogener Daten oder um freie Meinungs­äußerung gehe, heilige der Zweck scheinbar jedes Mittel. Es reiche aus, Sicherheitsgefährdungen nur zu behaupten, und schon würden Ängste die Oberhand gewinnen. Warum wir die Grundrechte brauchen, wo sie zu Recht eingeschränkt werden müssen und wo gerade nicht, das zeigt Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in ihrem Buch auf.

Der Eintritt kostet acht Euro. Karten gibt es im Vorverkauf im TUP-Ticketcenter, Telefon 0201/81 22-200, und in der Buchhandlung Proust, Telefon 0201/ 839 68 40.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (Foto: Tobias Koch)

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