Prognose: Katholikenzahl sinkt deutlich

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Erzbistum Köln. Auch im Erzbistum Köln wird sich die Katholikenzahl in den nächsten 40 Jahren voraussichtlich annähernd halbieren. Dabei hängt das Ausmaß des Rückgangs auch wesentlich davon ab, ob es der Kirche gelingt, missionarischer zu werden. Das geht aus einer Langfrist-Projektion hervor, die das Freiburger Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) für ganz Deutschland erarbeitet hat. Die für Köln errechneten Ergebnisse wurden jetzt vorgestellt. Demnach wird die Zahl der Kirchenmitglieder vor allem durch demografische Faktoren, zurückgehende Taufzahlen und das Austrittsverhalten bis 2060 von jetzt gut 1,9 Millionen auf etwas über eine Million Katholiken sinken. Das Kirchensteuer-Aufkommen bleibt zwar annähernd stabil, verliert aber unter anderem durch Kosten- und Preissteigerungen ebenfalls etwa die Hälfte seiner Kaufkraft.

„Die Zukunft liegt ein Stück weit auch in unserer Hand“, sagte Generalvikar Markus Hofmann. „Die Zahlen machen deutlich, dass wir einen neuen Aufbruch brauchen und nicht tatenlos zusehen dürfen, wenn Menschen der Kirche den Rücken kehren.“

Die Kirche müsse realistisch sein. Aber gerade die Frage, wer künftig seine Kinder taufen lasse, wer der Kirche treu bliebe, wer als Erwachsener den Weg in die Kirche finde, hänge ganz wesentlich davon ab, ob es der Kirche besser als bisher gelinge, Menschen überzeugend vom Glauben zu erzählen. „Wie Papst Franziskus gesagt hat, müssen wir eine missionarische Kirche werden“, so Hofmann.

Die prognostizierte Verringerung der Katholikenzahl um 48 Prozent ist der Projektion zufolge zu einem Drittel von demografischen Faktoren abhängig. Zwei Drittel des Rückgangs resultiert aus kirchlichen Einflussfaktoren wie Tauf- und Austrittszahlen.

Mit der aufgezeigten Entwicklung bewegt sich das Erzbistum Köln im Durchschnitt aller 27 deutschen Diözesen. Köln ist zahlenmäßig mit gut 1,9 Millionen Mitgliedern das größte deutsche Bistum und hat mit 36 Prozent einen relativ hohen Katholikenanteil an der Bevölkerung. Die großen städtischen Ballungsräume sorgen statistisch für eine etwas jüngere Altersstruktur, leicht erhöhte Austritts- und etwas geringere Taufzahlen als im Bundesdurchschnitt, zudem aufgrund der höheren städtischen Wirtschaftskraft für ein höheres Kirchensteueraufkommen pro zahlendem Mitglied und Jahr. Doch da die Zahl der Katholiken im Alter zwischen 45 und 55 Jahren, die zurzeit das Gros der Kirchensteuern aufbringen, in Zukunft demografisch bedingt schrumpfen wird, werden zukünftig auch die finanziellen Möglichkeiten kleiner – bei annähernd gleichem Aufkommen vor allem durch den Kaufkraftschwund.

Das Forschungszentrum Generationenverträge (FZG) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Bernd Raffelhüschen, der die langfristige Projektion der Kirchenmitglieder und des Kirchensteueraufkommens bis 2060 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, dem Verband der Diözesen Deutschlands und der Evangelischen Kirche in Deutschland unter Mitarbeit von David Gutmann und Fabian Peters erstellt hatte. Ausgangspunkt und Datenbasis der Projektion waren die Verhältnisse von 2017, für die auch Daten des Statistischen Bundesamtes hinzugezogen wurden

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