Nordsee bewusst erleben

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Husum. Endlich an der Nordsee angekommen: Der Blick vom Deich, vom Strand reicht in die Unendlichkeit, Ebbe und Flut im ewigen, beruhigenden Rhythmus. Ruhe im Watt, Stille in den Dünen; ein schönes Gefühl. Es riecht nach dem Meer und Vogelrufe im Wind wecken Fernweh. Gleichermaßen geben die schönen Ferienunterkünfte und die Nationalpark-Partner, Profis in Sachen Umwelt und Natur, ein Gefühl der Geborgenheit. Und mit ein paar Tipps für Nachhaltigkeit ein gutes Gewissen- bleibt ein Urlaub an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins doch unvergesslich und ist auch gut für die Natur.

Vom dänischen Esbjerg bis ins niederländische Den Helder liegt mit 11.500 Quadratkilometer das größte zusammenhängende Wattgebiet der Welt. Dazu kommen Lebensräume wie die Salzwiesen, Dünen und die offene See, die im Zusammenspiel diesen phantastischen Raum charakterisieren. Heimat sind von einer ungeheuren Anzahl – man zählt rund 10.000 – Tier und Pflanzenarten. Nehmen Sie sich Zeit und Muße und stellen Sie Ihre Sinne auf Empfang; dafür ist hier Raum und Zeit. Das Wattenmeer spricht die Sinne an: Man kann es sehen und hören, man kann es riechen und schmecken. Man kann es fühlen auf vielschichtige und faszinierende Weise. Sich dessen Wert, auch für das eigene Wohlbefinden, bewusst werden.

Dithmarschen, nördlich von Büsum. Ein Pfad führt in eine amphibische Welt, die noch nicht Meer ist und nicht mehr Land. Kniehohe Pflanzen wachsen hier dicht und Wasserverläufe durchziehen die Gegend. Scheint die Sonne drauf und weht der Wind nur wenig, riecht es auch modrig, nach prallem Leben eben. Es geht auf dem genehmigten Pfad in Richtung Watt. Nationalpark-Wattführer Johann Peter „Jan“ Franzen ist mit seinen Gästen auf dem Weg ganz weit hinaus, zum Hochsand Blauortsand. Dazu muss er durch diese seltsame Zwischenwelt, in der sich das Festland aufzulösen scheint. Immer mehr Wasserverläufe werden durchschritten, sie werden tiefer und breiter, längst ist der Einfluss der Gezeiten erkennbar. Frischt der Wind auf, trägt er die Brise von der Nordsee herüber – es riecht nun auch nach dem Meer. Dies ist die Salzwiese, ebenso wie das Watt ein einzigartiger, besonderer Lebensraum und voller Pflanzen und Tiere; man riecht die Vielfalt – die Vegetation und das Watt, würzige Aromen einzelner Pflanzen ebenso wie den frischen Duft der Nordsee. Alle Sinne sind auf Empfang gestellt und Jan Franzen erklärt die Besonderheit, das Einzigartige der Salzwiese. Er reicht eine Pflanze, man möge dran riechen – und erkennt einen Duft, den man hier schon länger in der Nase hat. Einen, den man vage zu erkennen glaubt. „Richtig“, sagt Jan, „…das ist Strandwermut!“ Und nur eine von vielen Überraschungen, die man entdeckt, wenn man mit einem Nationalpark-Wattführer unterwegs ist. Und die Sinne auf Empfang gestellt hat. Zeit und Muße dafür ist.

Nationalpark-Wattführer Dark Blome verlässt die Nordspitze Amrums und geht mit seinen Gästen durch einen Priel – die Wattwanderung von Amrum nach Föhr beginnt. Man fühlt die endlose Weite, spürt das ablaufende Wasser. Gemeinsam hilft man sich durch den Priel, zusammen wird man diese kleine Expedition erleben. Unterwegs sein in einer scheinbar endlosen Einsamkeit, aufgehoben in Zeit und Raum. Immer mehr Meeresboden fällt trocken und bis zum Horizont liegt das Watt. Hat man den Priel – eine Gezeitenrinne, in der das Wasser seinem Meer hinterhereilt – durchquert, ist der Abstand zum Alltag gefunden und bei vielen Wattwanderern kommt eine tiefe innere Ruhe auf und das Gefühl, eins mit der Natur zu sein. Man fühlt die Freiheit, allein und eins mit der Natur zu sein (freilich mit einem versierten Wattführer an der Spitze). Elementar und reduziert sind auch die Empfindungen, die Eindrücke und manchmal macht nicht nur die frische Luft eine Gänsehaut, sondern auch das Wissen darum, dass hier allein die Natur regiert. Dass Wind und Wellen unablässig formen und verändern, dass der Mensch nur Gast auf Zeit ist und allenfalls geduldet für ein paar Stunden. Es ist ein schönes Gefühl, hier unterwegs zu sein; rauszukommen und runterzukommen. Etwas geschafft zu haben – von Insel zu Insel, also von Amrum nach Föhr oder andersherum, gegangen zu sein und das Wattenmeer intensiv erlebt zu haben.

Zwischen Osterhever und Westerhever kann man auf einem inlands gelegenen Deich fahren; ein Gefühl, als ob man über die Landschaft fliegt – so weit reicht der Blick. Das Ziel ist schließlich eines der berühmtesten Bauwerke Deutschlands: Der Leuchtturm Westerheversand. Es gibt Führungen (von Ostern bis Ende Oktober, www.westerhever-nordsee.de) hinauf auf diesen schönen Turm und der Blick reicht weit über die See und das Land. Mitunter sieht man nicht nur faszinierende Nordsee-Natur, sondern auch Phantastisches ist zu sehen: Wenn die Luft zu flimmern beginnt und Bilder vorgaukelt – Schiffe scheinen sich über den Sand zu schieben, eine Hallig schwebt seltsam verzerrt und ins Traumhafte aufgelöst. Eine Illusion, eine Fata Morgana. Es sind Luftspiegelungen: Am größten ist die Wahrscheinlichkeit, schwebende Inseln oder fliegende Schiffe zu sehen, auf den großen, langen Wattwanderungen. „Luftspiegelungen entstehen durch Ablenkung des Lichtes an unterschiedlich warmen Luftschichten“, erklärt Rainer Schulz, Leiter der Schutzstation Wattenmeer Westerhever. Damit dieses Phänomen passiert, sollte es möglichst windstill sein. Diese Spiegelungen sind häufig und gut über Sandbänken zu sehen, die von der Sonne erwärmt wurden. Wer im Watt unterwegs ist, bewegt sich ohnehin in einer phantastischen Welt. Halligen schweben, eine Insel mit Dünen und Leuchtturm als seltsam flirrendes und verzerrtes Bild im Nirgendwo und über Sandbänke scheinen Schiffe zu fahren. Im Wattenmeer und an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins kann man faszinierende Naturbeobachtungen machen – zu den phantastischen Phänomenen gehört gewiss die Fata Morgana. Aber nicht alles ist Ilusion.  

Das Frühjahr ist die Zeit des Vogelzuges: Zigtausende Vögel versammeln sich auch auf Föhr. Riesige Gänseschwärme fliegen in die Feuchtgebiete der Marsch und das nördliche Vorland. Wichtig ist es, die Tiere bei ihrer Rast nicht zu stören – ein weiterer Grund, sich einer geführten Vogelbeobachtungstour anzuschließen. Beim Vogelkiek auf dem Oldsumer Deich, durchgeführt von der Schutzstation Wattenmeer, kann man mal still sein und zuhören. Die jungen Leute der Station radeln mit den Gästen auch in den Norden der Insel, zeigen die großen Gänseschwärme. „…und wenn die einfliegen, man selbst auf dem Deich sitzt und Tausende Vögel niedrig über einem im Landeanflug sind, dann siehst und spürst Du das nicht nur, dann hört man ein Rauschen und Sirren, das Schlagen ihrer Schwingen – das ist total beeindruckend“, berichtet Kjell Oetke. Der junge Mann verbringt sein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf Föhr und führt Gäste hinaus in die Natur; auch, um hinzuhören. „Über den Wiesen ist zum Beispiel das heitere Rufen des Kiebitzes zu hören“, berichtet Kjell. Aber wer kennt den Ruf des Goldregenpfeifers? „Die halten sich hauptsächlich im Watt auf und ihr Ruf klingt so, als ob er hinaus locken würde. Wer genau hinhört, kann auch das heitere Gepiepe der Sandregenpfeifer hören.“ Es ist ein vielstimmiges Orchester, das da an der Nordsee singt und ruft, pfeift und tiriliert. Oder flötet, wie die Rotschenkel. Ein Konzert der Sehnsucht und des Fernwehs am Meer.

Jan Schot ist Muschelfischer in Hörnum auf Sylt. Als er den Kutter wendet, flutet Sonnenlicht über die Brücke, die Nordsee liegt in tiefem, kalten Blau. „Wir haben gestern Jungmuscheln aus dem Wattenmeer geholt, die bringen wir nun auf die Kulturflächen.“ Der Kapitän steuert auf der Brücke mit dem Blick aufs Echolot und vor allem mit viel Fingerspitzengefühl. „…denn schließlich wollen – und dürfen – wir den Meeresboden ja nicht umpflügen.“ Drei Männer an Deck tragen schweres Ölzeug und ziehen die Netze mit einem Haken an Bord; zehn Zentner Muscheln rauschen in den Ladetank. Es gischtet, die Luft ist feucht und frisch und riecht nach Meer. „Wir haben hervorragende, natürliche Voraussetzungen; die Wasserqualität vor Sylt ist ausgezeichnet, es gibt viel Plankton, genügend Sonne und eine Wassertemperatur von meist unter 18 Grad – das ist alles ideal.“ Für den Geschmack des Meeres. Im sogenannten „Sylter Muschelfrieden“ haben sich Naturschutz und Muschelfischer geeinigt. Ernte- und Kulturgebiete sind klar definiert, Lizenzen an Auflagen gebunden, die Bewirtschaftung eindeutig reglementiert. Für Jan Schot eine klare, gute, Sache. „Wir sind von der Natur abhängig, Du lebst mit der Natur. Wir müssen nachhaltig wirtschaften, das ist ganz wichtig.“ Und wie isst Jan Schot sie selbst am liebsten? „Ganz einfach natur; gekocht, mit ein bisschen Gemüse.“ Und nicht nur in den Monaten mit dem Buchstaben R, wie es früher hieß, sondern das ganze Jahr – zum Beispiel im Bistro am Hörnumer Hafen, gleich neben den Liegeplätzen der Kutter, wo der Fang gelöscht wird. Frischer und echter geht es kaum.

Mehr Information auf www.nordseetourismus.de

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